Leben von

Meine Fan-Tour: Tag 6

Tino Teller über die Aufregung vor dem Rendezvous mit Cristiano Ronaldo

Österreichische Fans bei der Euro 2016 © Bild: APA/ AFP PHOTO / GEORGES GOBET

Um halb sechs Uhr in der Früh wird mein kleiner Bruder aus dem Dämmerschlaf gerissen. Eine SMS unserer Nichte Bettina. Die junge Dame sitzt gerade im Zug von München nach Paris und ist ganz euphorisch. Der Waggon sei voll mit österreichischen Fans. Wann und wo wir uns denn heute in Paris treffen, will sie wissen. Gar nicht, denn wir reisen wie seit Wochen vereinbart erst am Matchtag, also am Samstag an. Da hat jemand in der Aufregung vor dem Rendezvous mit Cristiano Ronaldo einen veritablen Frühstart hingelegt.

Aber das ist erst der Beginn eines aufregenden Tages. Kurz nach sieben Uhr meldet sich Bruders bester Freund Gerhard. Er wurde gerade via SMS verständigt, dass sein Flug von Wien über Florenz nach Paris gecancelt ist. Die Piloten der Air France streiken. Mit der Matchkarte in der Hand sitzt der arme Kerl ein paar Stunden später am Flughafen Wien Schwechat und versucht zu retten, was zu retten ist. Die Air France fühlt sich nicht wirklich zuständig für das Schicksal des gestrandeten Schlachtenbummlers. Er habe seinen Flug ja günstig über eine Internet-Plattform gebucht. Vielleicht ist das aber auch ein Racheakt an den eigenen Landsleuten, denn als offizielle Fluglinie der Euro 2016 in Frankreich hat sich Turkish Airlines einkaufen können.

Schön langsam wird auch uns hier unten in Mallemort angst und bange. Denn wir nehmen für die rund 700 Kilometer von Avignon nach Paris den „train a grande vitesse“, besser bekannt unter der Abkürzung TGV. Der schafft die Strecke angeblich in etwas mehr als zweieinhalb Stunden. Mit dem Auto wären wir wieder sechs Stunden unterwegs, mindestens. Andererseits, der Zugverkehr in Frankreich wird dieser Tage immer wieder durch spontane Streiks unterbrochen. Vielleicht stranden wir selbst auf dem TGV-Bahnhof von Avignon und sehen unser Schicksalsspiel gegen Portugal bestenfalls im Fernsehen. So etwas könnte uns in Österreich nicht passieren. Bei uns sitzen die Gewerkschaftsführer traditionellerweise ja auch in den Führungsetagen der Fußballklubs oder Fußballverbände.

Kommentare

Oliver-Berg
Oliver-Berg melden

Es wird Zeit, dass Ronaldo, Mani und Co den Ösis eine volle Packung verabreichen. Die Truppe hat einen derart inferioren Start vorgelegt, wie selten bei einem Turnier, wo eine österreichische Mannschaft antreten durfte. Dann hört sich endlich diese völlig unnötige EM-Euphorie auf.

KurtiW melden

yep !!
dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

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