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Meine Fan-Tour: Tag 7

"Mit viel Glück haben wir ein 0:0 errangelt und fühlen uns tatsächlich als Sieger"

Österreichische Fans bei der Euro 2016 © Bild: APA/ AFP PHOTO / KENZO TRIBOUILLARD

Und plötzlich singen die geschätzten 30.000 Österreicher im Prinzenparkstadion die Bundeshymne. Ob mit oder ohne Töchter ist in diesem Moment völlig egal. Denn unten auf dem Rasen kämpfen, beißen und kratzen unsere Söhne um ihr Überleben im Turnier. Mit Fußballspielen hat das wenig zu tun. Die Portugiesen stürmen fast schon verzweifelt auf unser Tor zu, das von unserem Platz aus gesehen auf der anderen Seite des Stadions liegt. Auf unserer Seite versucht sich der einsame gegnerische Tormann mit kurzen Sprints kreuz und quer durch den Strafraum warm zu halten.

Dann ist es geschafft. Wir haben gegen Cristiano & Co mit sehr viel Glück ein 0:0 errangelt und fühlen uns jetzt tatsächlich als Sieger. Es sind unsere bisher schönsten Augenblicke in Frankreich, zumindest aus sportlicher Sicht. Wir dürfen bis zu unserem letzten Gruppenspiel am Mittwoch gegen Island weiter vom Aufstieg ins Achtelfinale träumen. Mittlerweile ist es uns egal, wohin wir dann fahren müssen. Sogar die tausend Kilometer von unserem Hauptquartier in Mallemort nach Lille an der belgischen Grenze haben ihren Schrecken verloren.

Die Fans der österreichischen Nationalmannschaft verdienen jedenfalls jetzt schon den Titel Europameister. Was den support für unser Team anlangt, können uns mittlerweile höchstens noch die Iren das Wasser reichen. Und das schönste daran: alles verläuft in einer ungemein friedlichen und entspannten Stimmung. Unsere Nationalmannschaft darf mit Recht stolz auf diese Fans sein.

Und wir sind stolz auf unseren Freund Gerhard. Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff läuft er am Samstag doch noch im Prinzenparkstadion ein. Nach einer Odyssee, die ihn seit Freitag früh von Wien über Florenz und Mailand bis nach Paris geführt hat. Das gemietete Appartement auf dem Montmartre hat er statt der geplanten zwei nur eine Nacht nützen können. Aber was soll’s.

Wenn die ganzen Reisepläne, die du seit Wochen durchgespielt hast, plötzlich über den Haufen geworfen werden, ist Improvisationstalent gefragt. Weil wir nicht wussten, ob überhaupt und wann unser Freund in Paris ankommt, mussten wir ihm irgendwo den einzigen Schlüssel für das Appartement hinterlegen. Gleich ums Eck wurden wir im Peche Mignon (auf deutsch: allerliebste Sünde) auf der Avenue Clichy fündig. Monsieur Said, der Chef höchstpersönlich, nahm den Schlüssel in Verwahrung und übergab ihn dann an unseren Freund.

Übrigens: Die Lammkeule im Restaurant von Monsieur Said ist Weltklasse.

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