Fakten von

Euro 2016:
Die Chinesen kommen!

Erstmals in der EM-Geschichte ist eine chinesische Firma als globaler Sponsor dabei

Toulouse Stadion © Bild: APA/AFP/ REMY GABALDA

Den österreichischen Markt wollen die Manager von „Hisense” demnächst aufrollen. In Deutschland, Spanien, Italien oder Ungarn zählen vor allem die hochwertigen und trotzdem preisgünstigen Ultra-HD-Fernseher des chinesischen Elektronik-Konzerns bereits zu den TV-Geräten mit den höchsten Wachstumsraten. Und seit letzter Woche gehören die Chinesen zum erlauchten Kreis der zehn globalen Sponsoren der Euro 2016 in Frankreich (gemeinsam mit Adidas, Coca-Cola, Continental, Hyundai-Kia, McDonald’s, Orange, Socar und Turkish Airlines).

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Kolportierte 90 Millionen Euro lässt sich das chinesische Staatsunternehmen (75.000 Mitarbeiter, 15 Milliarden Euro Jahresumsatz) die exklusiven Werberechte rund um die Uefa Euro 2016 kosten. Guy-Laurent Epstein, Marketingdirektor der Uefa Eevents SA über den „Big Deal”: „Mit großer Freude begrüßen wir Hisense, eine der am schnellsten wachsenden Marken in Europa und Amerika, in unserer Partnerfamilie für die Uefa Euro 2016. Das Turnier bietet Hisense dank seiner globalen Ausstrahlung und seines Markenwerts eine einmalige Plattform für die Fortsetzung dieses internationalen Wachstums. Wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit in einer für beide Seiten fruchtbaren Partnerschaft, die Millionen von Fans in China den besten europäischen Fußball näherbringen wird.”

Der Vizepräsident des Hisense-Konzerns, Cheng Kaixun, gab sich nach der Vertragsunterzeichnung fast schon euphorisch: „Es ist uns eine Ehre, globaler Partner der Uefa zu sein. Hisense ist eines er führenden chinesischen Unternehmen, das den Sport rund um den Globus unterstützt, und wir können mit Zufriedenheit feststellen, dass Sportmarketing in den vergangenen Jahren ein wichtiger Faktor für unseren weltweiten Erfolg war. Die Partnerschaft mit der Uefa wird den Markenwert des Konzerns weiter steigern und wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Fans auf der ganzen Welt den europäischen Fußball zu feiern.”

Hisense
© Ethan Miller/GettyImages Hisense

Als erstes Zeichen der neuen Freundschaft zwischen China und dem europäischen Fußballverband werden 100 Chinesen im Zuge eines Gewinnspiels zwischen 10. Juni und 10. Juli vier Wochen lang durch die EM-Stadien touren und so viele Matches wie nur möglich live vor Ort miterleben.

Weil der Sponsoring-Markt in Europa wegen der Wirtschaftskrise nach wie vor schwächelt, suchen die großen Sportverbände, aber auch Fußballklubs wie der FC Barcelona ihr finanzielles Heil zunehmend außerhalb der angestammten Märkte. Hauptsponsor der Katalanen ist heute die Katar Foundation, die arabischen Besitzer von Manchester City investieren hunderte Millionen in die Mannschaft, als ob das Geld überhaupt abgeschafft wäre.

Auch der europäische Fußballverband ersetzt langjährige Partner wie Coca-Cola oder Sony zunehmend durch schwerreiche Konzerne aus den sogenannten „emerging markets”, also aus den aufstrebenden Märkten in Asien etc. Bestes Beispiel: Bei der Fußballeuropameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine war Castrol, eine Tochter von British Petrol (BP), noch einer der Topsponsoren. In Frankreich ist jetzt der staatliche Energiekonzern von Aserbaidschan neu an Bord. Socar, die Abkürzung für „State Oil Company of Azerbaijan”, soll über 80 Millionen Euro auf den Tisch geblättert haben, um offizieller Werbepartner für die Europameisterschaft in Frankreich zu werden.

Dank der Hinwendung an die neuen Märkte konnte die Uefa die Sponsoreneinnahmen für die Euro 2016 in Frankreich noch einmal steigern, auf rund 450 Millionen. Das sind satte 50 Prozent mehr gegenüber der Europameisterschaft vor vier Jahren. Noch beeindruckender ist der Vergleich mit der Euro 2008 in Österreich und in der Schweiz: Damals zahlten internationale und nationale Sponsoren gerade einmal 220 Millionen Euro in den Topf ein – weniger als die Hälfte als in diesem Jahr in Frankreich.

Wobei sich die Topsponsoren offenbar auch nicht von Einschränkungen durch die nationale Gesetzgebung abschrecken lassen. Carlsberg, der viertgrößte Brauereikonzern der Welt, überweist als globaler Sponsor der Euro 2016 zwar rund 60 Millionen Euro an die Uefa, in den EM-Stadien in Frankreich darf das Bier wegen eines einschlägigen gesetzlichen Verbots der französischen Regierung aber gar nicht beworben werden.

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