Fakten von

Albanien: Das Fußballteam
der Flüchtlingskinder

Österreichs erster Testspielgegner kann auch in Frankreich überraschen

FBL-EURO-2016-ALB-SRB © Bild: APA/AFP

Der erste Testspielgegner der österreichischen Fußballnationalmannschaft im EM-Jahr heißt Albanien. Am 26. März trifft das Team von Marcel Koller im Wiener Ernst-Happel-Stadion auf den „Fußballzwerg”, der sich sensationell erstmals für eine Endrunde qualifiziert hat – als Gruppenzweiter hinter unserem EM-Gegner Portugal. Das bisher letzte Länderspiel zwischen Österreich und Albanien fand schon vor fast 30 Jahren statt und endete mit einem 1:0-Auswärtserfolg in Tirana. In den insgesamt fünf Begegnungen zwischen beiden Ländern gab es fünf österreichische Siege.

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Aber nicht nur politisch haben sich die Verhältnisse in Albanien seither grundlegend geändert. Die albanische Fußballmannschaft lebt heute in erster Linie von Legionären, die zumeist nicht einmal in Albanien geboren wurden.

Denn fast eine Million Albaner haben nach dem Ende der kommunistischen Diktatur Anfang der Neunzigerjahre des vorigen Jahrtausends ihr Heimatland verlassen. Diese Massenemigration spiegelt sich auch in der aktuellen Fußballnationalmannschaft des kleinen Westbalkanstaates wider. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die albanischen Teamspieler zumeist im Ausland geboren, sie sind in Deutschland oder der Schweiz aufgewachsen und haben dort auch ihre fußballerische Grundausbildung absolviert.

Wie zerrissen diese Kicker zwischen dem Land ihrer Vorfahren und ihrer neuen Heimat sind, zeigt das Beispiel der Xhaka-Brüder: beide sind schweizerisch-albanische Doppelstaatsbürger, der ältere Taulant spielt bei der Euro 2016 für Albanien, sein jüngerer Bruder Granit für die Schweiz. Bei der EM kommt es in der Vorrunde sogar zum „Bruderduell”, denn Albanien wurde mit der Schweiz, Rumänien und Gastgeber Frankreich in eine Gruppe gelost.

Dass sich Albanien erstmals für eine Europameisterschaftsendrunde qualifiziert hat, ist wahrscheinlich die noch eine größere Sensation als die EM-Premiere von Island oder Nordirland. Anderseits: Wenn alle Top-Fußballer mit albanischen Wurzeln, die über ganz Europa verstreut sind, tatsächlich für ihr Heimatland spielten, wären die „Rot-Schwarzen” in Frankreich mehr als nur ein krasser Außenseiter.

Trainiert werden die „Skipetaren” vom Italiener Gianni De Biasi, der vorher erfolgreich in der Serie A tätig war, unter anderem in Siena. Auch das ist kein Zufall: Für den durchschnittlichen albanischen Fußballfan ist der italienische Fußball das Maß aller Dinge.

Zu den Aufgaben Di Biasis gehört es auch, Talente in ganz Europa aufzuspüren, die aufgrund der Herkunft ihrer Eltern für Albanien spielberechtig sind. Noch immer bemühen sich der albanische Fußballverband und Teamchef Di Biasi zum Beispiel um Donis Avdijaj, das 19-jährige Supertalent, das noch bis Sommer als Schalke-Leihgabe für Sturm Graz spielt. Geboren wurde Avdijaj in Osnabrück.

Einen zweiten Frühling erlebt auch der 32-jährige in Österreich besten bekannte Hamdi Salihi. Fünf Jahre lang, zwischen 2007 und 2012, zählte der Albaner zu den erfolgreichsten Torjägern in der österreichischen Bundesliga – zunächst in Ried und dann bei Rapid. In 149 Bundesligaspielen erzielte Salihi insgesamt 70 Tore, allein 26 in der Saison 2010/11 für Rapid.

Albanien, das „Team der Flüchtlingskinder”, ist für Österreich jedenfalls ein ernsthafter Prüfstein auf dem Weg zur Euro 2016 in Frankreich.

Das Land:

Größe: 28.748 qkm; Einwohner: 2,8 Mio; 97,4 Einwohner/qkm; Hauptstadt: Tirana (420.000); Währung: Albanischer Lek (100 Lek = 0,71 Euro)

Der Verband:

Federata Shqiptare Futbollit (FSHAF), gegr. 1930, 250.000 aktive Fußballer, Nationalstadion: Qemal Stafa Stadion inTirana (Neubau geplant), 16.000 Plätze; Höchste Spielklasse: Superleague (10 Klubs)

Das Nationalteam:

Marktwert: 39 Mio. Euro (Elseid Hysaj, SSC Napoli, 9 Mio., Etrit Berisha, Lazio Rom, 4 Mio.); 88 Prozent Legionäre; Durchschnittsalter: 26,3 Jahre; Trainer: Giovanni De Biasi (Italien); Rekordtorschütze: Erjon Bogdani (u. a. Partizani Tirana, AC Cesena, AC Siena), 18 Tore in 73 Länderspielen.

Kommentare

Afrim Llapashtica

Eigentlich es stimmt das viele spieler aus Albanischer Natinalmannschaft sind es flüchtlingskinder,aber in Österreichischen Nationalmannschaft und andere Länder sind auch immer mehr flüchtlingkinder.Mfg

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