EURO 2012 Spanien von

Aufatmen beim Titelverteidiger

Del Bosque: "Kein großes Spiel von uns". Kroaten sind über Schiedsrichter erbost.

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    Die Spanier umarmen sich beim Abspielen ihrer textlosen Hymne.

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    Das Mannschaftsfoto der kroatischen Startformation.

Bei Titelverteidiger Spanien war nach dem mühevollen Einzug ins Viertelfinale der Gruppe C, seinen Ruf als großer Favorit auf den Turniergewinn vermochte der Weltmeister mit dem Auftritt in Danzig allerdings nicht zu untermauern.

Auch Teamchef Vicente de Bosque musste zugeben, dass seine Mannschaft schon glanzvollere Leistungen abgeliefert hatte. "Das war kein großes Spiel von uns, und das sollte uns zu denken geben. Die Dinge sind nicht nach Plan gelaufen", kritisierte der Coach.

Spanien muss sich Systemfrage stellen
Dennoch war Del Bosque bemüht, das Positive hervorzuheben. "Die Kroaten haben gut gespielt. Sie haben die Räume zugemacht und auf Konter gesetzt, aber wir hatten zumeist die Kontrolle über das Spiel. Wir haben einen Schritt vorwärts gemacht, denn wir haben uns fürs Viertelfinale qualifiziert - und das, obwohl wir keinen guten Tag erwischt haben", betonte der 61-Jährige.

Durch die durchwachsene Darbietung flammten die Diskussionen über die Systemfrage bei den Spaniern wieder auf. Fernando Torres, beim 4:0 gegen Irland mit zwei Toren noch der gefeierte Held, enttäuschte gegen Kroatien. In der Schlussphase stellte Del Bosque wieder auf eine Taktik ohne echte Spitze um, und prompt fiel das - vom eingewechselten "falschen Stürmer" Cesc Fabregas eingeleitete - 1:0. "Das ist alles nur eine Glaubensfrage. Wir haben mit Fabregas und mit Torres gut gespielt", betonte Mittelfeld-Star Andres Iniesta.

Casillas rettet Spanier vor drohender Niederlage
Diesmal waren allerdings nicht die spanischen Offensiv-Stars um Iniesta die Sieggaranten, sondern Iker Casillas. Der Goalie bewahrte seine Mannschaft bei einer Großchance von Ivan Rakitic nach einer Stunden vor dem Rückstand und damit vor dem möglichen EM-Aus. Die Parade des Schlussmanns von Real Madrid beeindruckte selbst Kroatiens Teamchef Slaven Bilic. "Casillas ist wahrscheinlich einer der besten Spieler der letzten zehn Jahre. Er ist immer ruhig und weiß genau, wie er reagieren muss. Rakitic hat bei der Chance alles richtig gemacht, aber es ist nicht leicht, wenn man allein vor Casillas steht."

Für Bilic war es nach sechs Jahren die letzte Partie als kroatischer Nationaltrainer - der 43-Jährige betreut ab Sommer Lok Moskau. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass dies mein letztes Match mit dem Team sein wird. Ich war sicher, dass wir weiterkommen, weil die Spieler phänomenal sind", meinte Bilic. Tatsächlich waren die Kroaten vom großen Coup nicht allzu weit entfernt. "Uns hat das letzte Quäntchen Glück gefehlt, das den Unterschied ausmacht", sagte Bilic.

"Weltmeister-Bonus" - Bilic verärgert über Schiedsrichter
Für den Trainer leistete aber auch Schiedsrichter Wolfgang Stark seinen Beitrag zum kroatischen Ausscheiden. Laut Bilic hätte der Deutsche zwei Elfmeter für die Kroaten pfeifen müssen. "Und auch in kleinen Details hat er den Spaniern immer wieder geholfen. Das war eben der Weltmeister-Bonus", ärgerte sich der 43-Jährige.

Äußerst hart gingen die kroatischen Medien mit Stark ins Gericht. "Er hat Kroatien rausgeworfen", schrieb "Jutarnji list". Im TV-Sender Nova hieß es: "Kroatien ist tapfer und stolz gefallen: Das war eine Schiedsrichter-Ungerechtigkeit". Stark hatte in der 27. Minute ein Foul von Sergio Ramos im Strafraum an Mario Mandzukic nicht geahndet. "Wir sind bestohlen worden. Der Blindfisch hat den Elfer nicht gesehen", schimpfte Verteidiger Vedran Corluka.