EURO 2012 von

Ein Monat vor Turnierbeginn

Noch ist einiges zu tun. Aber die Vorfreude wächst in Polen und der Ukraine.

EURO 2012 - Ein Monat vor Turnierbeginn © Bild: GEPA/Pranter

Die ersten Fan-Artikel liegen in den Regalen, die letzten Baustellen sollen bald geschlossen werden. Einen Monat vor dem EM-Beginn am 8. Juni in Warschau feilen die Gastgeber Polen und Ukraine an wichtigen Details.

In der polnischen Hauptstadt gibt es noch viel Arbeit beim U-Bahn-Bau, an den Parkplätzen rund um das neue Nationalstadion und an der Bahnverbindung zwischen Flughafen und Zentrum - in der Ukraine sind Regierung und Öffentlichkeit nach den zuletzt hitzigen Debatten über die politische Situation im Land vor allem um Normalität bemüht. Die Osteuropäer wollen sich ihre Hoffnungen auf eine gelungene EM auch von den Diskussionen um die inhaftierte frühere Oppositionsführerin Julia Timoschenko nicht trüben lassen.

Hinweise auf das kommende Fußballfest sind in beiden Ländern unübersehbar. EM-Sponsoren pflastern in Polen Plakatwände voll, in der Ukraine laufen Gewinnspiele für Turnierkarten auf Hochtouren. Auch die Werbung für Public Viewing nimmt Fahrt auf. Die Erwartungen bei den Gastgebern sind groß. Die polnischen Organisatoren konnten 2006 beinahe hautnah mitverfolgen, welche Euphorie die Fußball-WM beim deutschen Nachbarn auslöste.

Traum vom Sommermärchen
Nun träumen die EM-Macher in Polen und der Ukraine von einem ähnlichen Sommermärchen - unabhängig vom Abschneiden des eigenen Teams. Mehr noch: Sie wollen neugierig machen auf einen Besuch in ihren Ländern. Auf bis zu eine Million Besucher hofften die Veranstalter allein in Polen. Inzwischen werden die Erwartungen bereits ein wenig abgerundet. Aber 800.000 Fußballfans könnten es durchaus werden, zeigen sich Tourismusprofis optimistisch. Auf internationalen Tourismusmessen wie etwa in Berlin und Moskau war die EM in den vergangenen Monaten stets ein großes Thema.

Einer Umfrage zufolge sind 51 Prozent der Polen schon jetzt von einer erfolgreichen EM überzeugt. Nur ein paar Baustellen müssten jetzt schleunigst zum Abschluss kommen, betonen die Skeptiker unter den Umfrageteilnehmern. Nicht nur Anwohner rund um die EM-Stadien fürchten stundenlange Staus, zugeparkte Straßen und hohe Preise in den örtlichen Supermärkten über die EM hinaus.

Auch in der Ukraine wächst die Vorfreude. Allerdings schmerzt immer noch, dass die meisten Mannschaften während des Turniers ihr Quartier in Polen aufschlagen werden. Allein Kiew hat für die EM-Vorbereitungen bereits 500 Millionen Euro ausgegeben. Insgesamt wird das Turnier die Ukraine wohl mindestens 11,5 Milliarden Euro kosten - ursprünglich geplant waren 3,2 Mrd. Euro. Der Hauptteil der Investitionen geht in die Modernisierung der Verkehrs- und Sportinfrastruktur.

Hoffen auf Devisen
Die Investitionen würden sich wohl nicht direkt auszahlen, räumte Präsident Viktor Janukowitsch vor kurzem ein. Die Nationalbank in Kiew freut sich aber, dass die EM der finanzschwachen Ukraine Schätzungen zufolge zumindest zusätzliche Devisen von rund 760 Millionen Euro in die Kasse spülen wird. "Das würde helfen, die Zahlungsbilanz des Landes zu stabilisieren", sagt der für die Devisenreserven verantwortliche Direktor Alexander Dubichwost.