EU-Wahl von

Spionage-Vorwürfe an Freund

SPÖ-Spitzenkandidat empört - Vorwürfe aus Slowenien eine "ungeheuerliche Lüge"

Eugen Freund © Bild: APA/Georg Hochmuth

In Slowenien sind Spionage-Vorwürfe gegen den SPÖ-Spitzenkandidaten für die EU-Wahl, Eugen Freund, aufgetaucht. Dieser nennt die Anschuldigungen "ungeheuerlich" und spricht von einer Lüge. Dass sie nicht bestätigbar sind, räumte auch der slowenische Archivforscher Roman Leljak ein, der die Geschichte lanciert hatte. "Ich kann nicht mit Sicherheit behaupten, dass Eugen Freund ein Mitarbeiter des slowenischen Geheimdienstes war, ich kann aber auch nicht das Gegenteil bestätigen", sagte Leljak zur APA.

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Konkret hatte das slowenische Nachrichtenmagazin "Politikis.si" laut "Kronen Zeitung" berichtet, dass Freund als Pressemitarbeiter von Außenminister Willibald Pahr in den 1970er-Jahren Informationen an den jugoslawischen Geheimdienst UDBA weitergegeben und dafür Geld kassiert habe. Dazu soll es auch ein Dokument geben, auf dem Freund als Mitarbeiter Nummer 234953 geführt werde.

Freund ist nach Angaben von Leljak im Zentralregister des slowenischen Staatssicherheitsdienstes SDV (Sluzba drzavne varnosti, dem Nachfolger des berüchtigten Geheimdienstes UDBA) mit der Dossier-Nummer 0014002-09409 und der Berufsbezeichnung als ausländischer Diplomat aufgelistet. Eine Kopie des Verzeichnisses liegt der APA auch vor. Die Anfangsnummer seines Dossiers sei eine Bezeichnung für jene Personen, die ständige Quellen in Verbindung zu SDV-Angestellten bzw. SDV-Mitarbeitern waren, so der Forscher.

Anhand dieses Verzeichnisses kann Leljak aber keine absoluten Schlüsse über die angebliche Geheimdienstvergangenheit von Freund ziehen. "Ich kann mit Sicherheit derzeit nur behaupten, dass Eugen Freund in der Evidenz der UDBA gehalten wurde, dass er ein eigenes Dossier hatte und in jener Zeit registriert wurde, als er ausländischer Diplomat war, das würde das Jahr 1978 sein. Viel mehr kann ich aber nicht behaupten, weil sein Dossier vernichtet wurde", sagte Leljak. Im slowenischen Staatsarchiv gebe es keine Dokumente, mit denen sich seine mutmaßliche Geheimdienstkooperation bestätigen ließe. "Sein Dossier wurde in den 1990er-Jahren vernichtet. Es gibt nur die Angabe, dass er sich in der Evidenz befindet. Es ist aber eine Tatsache, dass ein Dossier existierte", betonte der Forscher.

Leljak sei auf Freund wegen der Nummer seines Dossiers aufmerksam geworden. "Weil es sich um eine öffentliche Persönlichkeit handelt, die als Europaabgeordneter kandidiert, finde ich es normal, dass er seine etwaige Beziehung zur jugoslawischen Geheimpolizei erklärt", betonte er.

Motiv, die Geheimdienstvorwürfe öffentlich zu machen

Das Motiv, die Geheimdienstvorwürfe gegen Freund öffentlich zu machen, sei aber ein anderes: Durch die Aufmerksamkeit möchte Leljak erreichen, dass österreichische Behörden den Fall des 1972 in Salzburg entführten Exilkroaten Stjepan Crnogorac aufrollen. Bei der Entführung von Crnogorac, der von der UDBA nach Slowenien verschleppt und dort umgebracht worden war, soll nämlich auch ein österreichischer Polizist geholfen haben.

Das Verzeichnis, aus dem Leljak die Information über Freund schöpfte, ist eine Liste mit den Namen von etwa einer Million Personen, die angeblich entweder direkte oder indirekte Mitarbeiter der UDBA waren oder vom Geheimdienst observiert wurden. Die im Jahr 2003 im Internet unter der Adresse udba.net aufgetauchte Liste, ist heute online nicht mehr erreichbar, Leljak selbst hat den Zugang dazu. Die Daten werden mit einem Kennziffernsystem entschlüsselt, das aber laut Leljak unvollständig ist. Die Forscher müssen sich deshalb mit anderen Dokumenten helfen, um etwaige Kooperationen der UDBA mit Einzelpersonen zu bestätigen.

An der Glaubwürdigkeit des kontroversen Verzeichnisses zweifelt Leljak nicht. "Die Evidenz ist nicht gefälscht", betonte er. Mehr als 15.000 Österreicher tauchen auf der Liste auf, vor allem Polizeibeamte, Soldaten und Zöllner. Die Mehrheit davon sei aber nur erfasst worden, sie standen weder unter Beobachtung der UDBA noch seien es Mitarbeiter gewesen, so Leljak.

Allerdings seien 200 Personen aus Österreich doch als UDBA-Mitarbeiter tätig gewesen, betonte Leljak. Das könne er nicht nur anhand des Registers sondern durch andere Dokumente bestätigen. Ende Juni will Leljak in einem Buch die Namen dieser Österreicher veröffentlichen. "Auf dieser Liste gibt es Eugen Freund nicht", erklärte Leljak der APA.

Eugen Freund empört

In einer Pressekonferenz reagierte der rote Spitzenkandidat Montagvormittag auf den Bericht emotional und empört. Nicht einen Pfennig, Schilling oder Dinar habe er erhalten, denn er habe auch nie mit dem Geheimdienst geredet, geschweige denn für diesen gearbeitet: "Das ist eine Lüge."

Wer hinter den Vorwürfen stecken könnte, wollte Freund nicht einschätzen. Er geht aber davon aus, dass es sich um "gegnerische Kräfte aus Österreich" handle, die diese Fehlinformationen über das Ausland gespielt hätten. Wie man weiter darauf reagieren wird, ließ Freund offen. Man behalte sich alle rechtlichen Schritte vor.

Rote Pensionisten machen für Freund mobil

Die SPÖ setzt im Wahlkampffinale auf die Pensionisten. Der Chef des SPÖ-Pensionistenverbands Karl Blecha warb am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Spitzenkandidat Eugen Freund für einen Kurswechsel in Europa, der freilich nur machbar sei, wenn man auch zur Wahl gehe. Laut Blecha hat sein Pensionistenverband deshalb erstmals einen eigenen Wahlkampf gestartet, der von Broschüren bis zu Edlseer-Auftritten geht. Auch eine Nummer des eigenen Senioren-Magazins ist der EU-Wahl gewidmet.

Diese besonderen Anstrengungen begründete Blecha einerseits damit, dass er die ehemaligen Wähler der Liste Martin nicht den anderen Parteien überlassen wolle und andererseits damit, dass es diesmal tatsächlich die Chance auf einen Machtwechsel in Europa weg von "Neo-Liberalen und Konservativen" hin zu den Sozialdemokraten geben könne.

Als zentrale Themen der SPÖ bewarben Freund und Blecha einmal mehr eine Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge, soziale Mindeststandards sowie eine Umsetzung der Portabilitätsrichtlinie, mit der Arbeitnehmer auch ihre betrieblichen Zusatzpensionen bei einem Wechsel in ein anderes EU-Land mitnehmen könnten. Was den künftigen österreichischen EU-Kommissar angeht, meinte Blecha, aus seiner Sicht sollte dieser Posten an jene Partei gehen, die bei der Wahl am stärksten abschneidet. Freund hielt sich da heraus und meinte, er zerbreche sich nicht den Kopf der Regierung.

Kommentare

Aber geh. Der Freund wollte ja nur spionieren wieviel Bruttogehalt die Slowenen im Durchschnitt haben :-D.

Ob bei solchen schweren Vorwürfen eines FPÖ Kandidaten die Medien auch so "schmeichelweich" reagieren und nach "Beweisen" fragen würden?

Herr Freund lernt jetzt einmal die Maschinerie kennen die vor jeder Wahl gegen die FPÖ angeworfen wird. Ich habe kein Mitleid mit ihm. Und schon gar nicht von einem Menschen der fern ab der Realität lebt was Arbeitnehmer hier zu Lande verdienen. Selbst auch ein Problem zu haben das er mit seiner Pension nicht auskommt. Kann man nur feststellen wie abgehoben doch die SPÖ ist.

Auch eine Art von Wahlkampf, wenngleich eine sehr unfaire! Hoffentlich findet man jene, die diese Anschuldigungen nach Slowenien geschickt haben um sie dort veröffentlichen zu lassen.

Herr Freund, Sie tun mir wirklich leid. Sie sind als der top Anchor Mann beim ORF in Pension gegangen. Ihr Ansehen und die Reputation waren sehr hoch. Jetzt sind Sie der Watschenmann und werden mit Dreck beworfen und keiner achtet und respektiert Sie mehr. Hatten Sie das notwendig? Sollen sich doch andere in diesem Dreck suhlen, Sie haben das nicht notwendig! Schade um Sie.

Ich traue es ihm zumindestens zu.

Ich meine, der Freund ist so unnötig, wie ein Kropf!
ABER: Das errinnert mich doch sehr stark an Waldheim und Sinowitz!
Da wird über Umwege agiert und reagiert!
Früher sagte man "Kabale Und/oder Liebe" - heute ist das nur mehr grausig!

In den 60-iger und 70iger Jahren waren Politiker und Peronen in öffentlichen Positionen etwas blauäugig.
Geheimdienste haben natürlich auch Ausgaben für "Informationsessen" und kleine "Freundschaftsgeschenke" verbucht.
Meine Annahme: Die Mitarbeiter dieser Informationsbeschaffungsquellen mussten sich für die Ausgaben rechtfertigen und ordneten der Person eine Nummer zu.
Man kann die damalige Zeit nicht unter heutigen Gesichtspunkten vergleichen: Zwischen Österreich und Jugoslawien herrschten sehr gute Beziehungen (Tito), man war gemeinsam bei den blockfreien
Staaten und Jugoslawien genoss innerhalb der Ostblockstaaten und
der UDSSR eine besondere Position.
Damaligen slowenischen und albanischen Nationalisten der heutigen Teilrepubliken war Tito, seine Fördermaßnahmen für Serbien und generell der Bestand der Volksrepublik Jugoslawien ein Dorn im Aug.
Man möchte sich also, 30, 40 Jahre danach, an der SPÖ für ihre guten, freundschaftlichen Beziehungen der Ära Pahr - Kreisky mit Tito im Nachhinein rächen.
Das ist nicht anständig von Slowenien.
Herr Freund hätte das so auch erklären können.
Die Beschuldigung auf "inländische, gegnerische Kräfte" zurückführen
zu wollen, deutet für mich auf fehlende politische Routine.
Wer in die Politik geht, muss darauf gefaßt sein, ungewollt Schlammbäder zu nehmen.
Es wäre aber auch an Bundeskanzler Faymann, sich vor seinen Parteifreund zu stellen und die Beschuldigungen aus Slowenien
mit der gebotenen Schärfe zurück zu weisen.

Robert Cvrkal

Es ist mehr als komisch, dass solche Vorwürfe bzw. auch Prozesse jahrelang ruhen und dann vor Wahlzeiten auftauchen bzw. weiter betrieben werden.

Das Volk hat ein Recht und die Politik die Pflicht zur frühzeitigen, umfassenden Information was z. B. die Regierungsparteien der Bevölkerung bei der Hypo-Alpe-Adria verweigern.

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