Europawahl 2014 von

Karas führt bei Vorzugsstimmen

Vergabe brachte keinerlei Vorreihungen. Freund bei SPÖ vorne, Mandl gescheitert.

Othmar Karas © Bild: APA/Herbert Pfarrhofer

Auch die niedrigere Vorzugsstimmenhürde hat nicht dazu geführt, dass die Wähler bei der Vergabe der 18 EU-Mandate an die einzelnen Kandidaten mitsprechen: Die nötigen fünf Prozent schafften nur ohnehin Erst- bzw. auch die ÖVP-Zweitgereihte. Es kommt also nicht zu Umreihungen, die Mandate werden strikt nach den von den Parteien erstellten Listen vergeben. Indes wurde Leichtfried neuerlich zum SPÖ-Delegationsleiter gewählt.

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Das Vorzugsstimmen-Ergebnis bedeutet, dass die Grüne Landtagsabgeordnete Madeleine Petrovic nicht ins EU-Parlament einzieht, obwohl sie - kräftig unterstützt von der Landespartei - versucht hatte, genügend Vorzugsstimmen zu bekommen. Mit 11.150 schaffte sie nur etwas mehr als die Hälfte der nötigen 20.505. Die drei EU-Abgeordneten der Grünen sind also Ulrike Lunacek, Michael Reimon und Monika Vana.

Bei der ÖVP hatte sich Ex-ÖAAB-Generalsekretär Lukas Mandl um ein Vorzugsmandat bemüht - blieb mit 4.755 aber weit unter den nötigen 38.095. Auch der auf Platz 6 gereihten Ex-Justizministerin Beatrix Karl hilft die von sieben auf fünf Prozent gesenkte Hürde nicht: Sie kam auf nur 2.991 Vorzugsstimmen.

Karas Erster mit 82.514 Nennungen

Die meisten Vorzugsstimmen lukrierte bei der EU-Wahl - wie bei den meisten Urnengängen - der Spitzenkandidat der ÖVP, Othmar Karas. In allen Parteien ist jeweils der Spitzenkandidat auch bei den Vorzugsstimmen Erster. Und abgesehen von jenem der FPÖ, Harald Vilimsky, schafften alle die Fünf-Prozent-Hürde. Allerdings ohne Auswirkungen, weil sie ja ohnehin auf Listenplatz 1 stehen.

Karas kam heuer auf 82.514 Vorzugsstimmen - was deutlich weniger ist als 2009, wo er fast 113.000 ÖVP-Wähler zu einer Vorzugsstimme bewegte und damit den Listenersten Ernst Strasser überholte. Dies widerfuhr Karas als Spitzenkandidat heuer nicht. Listenzweite Elisabeth Köstinger kam, kräftig unterstützt vom Bauernbund, auf 58.668 - womit sie als einzige Nicht-Spitzenkandidatin ebenfalls die Fünf-Prozent-Hürde (38.095 bei der ÖVP) nahm. Aber sie wird nicht vorgereiht, weil Karas mehr hat. Nicht sehr erfolgreich war der Anti-Strache-Rapper Philip Michalitsch. Er begeisterte mit seinen Video-Darbietungen nur 274 der insgesamt 761.896 ÖVP-Wähler.

In der SPÖ schaffte nur der Spitzenkandidaten Eugen Freund mit 45.847 Nennungen die Fünf-Prozent-Hürde von 34.009. Relativ viele - aber doch weniger als fünf Prozent - bekam auch Volkshilfe-Präsident Josef Weidenholzer, nämlich 28.328.

FPÖ-Wähler vergeben wenige Vorzugsstimmen

FPÖ-Wähler vergeben meist wenige Vorzugsstimmen - und so war es auch heuer. Harald Vilimsky blieb als einziger Spitzenkandidat mit 20.781 Nennungen unter den nötigen 27.842. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der "solidarisch" am letzten Listenplatz stand, kommt mit 8.938 Nennungen nicht in die Verlegenheit, auf ein EU-Mandat verzichten zu müssen.

Bei den Grünen nahm Ulrike Lunacek als einzige mit 35.945 die jetzt - mit dem guten Wahlergebnis - rechte hohe Hürde von 20.505. Gleich nach ihr kommt zwar Madeleine Petrovic mit 11.150, aber das war zu wenig für die Vorreihung. Dass sie deutlich mehr hatte als Michel Reimon (7.297) ist wohl kein großer Trost - denn Reimon ist als Listenzweiter fix im EU-Parlament.

Die NEOS machen zwar parteiinterne Vorwahlen für ihre Kandidatenlisten. Ihre Wähler halten sich bei den Vorzugsstimmen aber dann recht brav an die Liste. Spitzenkandidatin Angelika Mlinar schnitt mit Abstand am besten ab - und kam mit 12.489 auch über die Fünfer-Hürde (11.490). Dahinter folgen, wie am Wahlvorschlag auch, Stefan Windberger, Anton Fink und Wieland Alge. Diese allerdings mit bei weitem nicht genug Vorzugsstimmen für eine Vorreihung, sodass Mlinar das eine NEOS-Mandat bekommt.

Auch Stadler und Ehrenhauser über Hürde

Nicht nur die meisten Spitzenkandidaten der künftigen EU-Parlamentsparteien haben die Vorzugsstimmen-Hürde genommen. Auch Ewald Stadler und Martin Ehrenhauser bekamen sogar doppelt so viele Vorzugsstimmen wie für eine Vorreihung nötig gewesen wären. Das hilft ihnen aber nichts, weil ihre Parteien - die REKOS Stadlers und Europa Anders - kein Mandat bekommen haben.

Europa Anders blieb mit 2,14, die REKOS mit 1,18 Prozent weiter unter den nötigen vier Prozent für die Teilnahme an der Mandatsverteilung. Ihre Spitzenkandidaten waren allerdings für eine Kleinpartei relativ prominent. Der langjährige FPÖ- und BZÖ-Politiker Stadler konnte deshalb auch mit seiner neuen Liste 3.239 Vorzugsstimmen sammeln. Und Martin Ehrenhauser - früher bei der Liste Martin - schaffte es mit seinem Auszug aus der Fernseh-"Pressestunde" und darauffolgenden Hypo-Protest-Aktionen in die Medien. Was ihm 6.481 Nennungen bescherte.

Auch Robert Marschall von der - bei der Wahl mit 2,76 Prozent erstaunlich erfolgreichen - Liste EU-STOP bekam relativ viele Vorzugsstimmen, blieb aber mit 2.366 unter der Fünf-Prozent-Hürde. Ebenso BZÖ-Spitzenkandidatin Angelika Werthmann, die 391 Nennungen aufweist.

Leichtfried zum SPÖ-Delegationsleiter gewählt

Die fünf sozialdemokratischen Europaabgeordneten haben am Dienstagabend in Wien einstimmig den Listen-Dritten Jörg Leichtfried neuerlich zum Delegationsleiter gewählt. Zu seiner Stellvertreterin wurde Evelyn Regner bestimmt. Bei der Sitzung - an der auch SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder teilnahm - wurde ferner beschlossen, dass die EU Parlamentarier die Kooperation mit dem österreichischen Parlament intensivieren werden.

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