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EU-Wahl: Experten sehen
Junckers EVP vor Sozialdemokraten

Prognose: ÖVP und SPÖ in Österreich gleichauf - Liberale als drittstärkste Kraft

EU-Wahl: Junckers EVP liegt laut Wahlprognosen vorne. © Bild: APA/EPA/PETER STEFFEN

Die christdemokratisch-konservative Europäische Volkspartei (EVP) kann einer aktuellen Wahlprognose zufolge ihren Vorsprung gegenüber den Sozialdemokraten (SPE) in Umfragen bei der EU-Wahl ausbauen. Wie das gesamteuropäische Projekt "PollWatch" am Mittwoch mitteilte, könnte die EVP derzeit mit 216 Sitzen rechnen, die Sozialdemokraten kommen auf 205.

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Dies würde bedeuten, dass der EVP-Spitzenkandidat und frühere luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker gute Chancen hätte, nächster EU-Kommissionspräsident zu werden. In der letzten Umfragewoche vor den Wahlen hätten die Sozialdemokraten in Frankreich und Polen an Unterstützung verloren, während die zur EVP gehörenden Parteien in Spanien, Rumänien und Polen zulegen konnten, erklärte "PollWatch".

Juncker zeigt sich jedenfalls hartnäckig. Wenn sein Konkurrent, der Sozialdemokrat Martin Schulz, künftiger EU-Kommissionspräsident würde, wäre er "sehr böse", meinte Juncker am Mittwoch vor Journalisten in Wien. Auf EU-Ebene wolle er "nur noch die großen Dinge verändern". "Nicht jedes Problem, das es in Europa gibt, ist ein Problem für die europäische Union", sprach er die Kommunen- und Länderebene an.

Skurriles Detail am Rande: Als sich Juncker im Rahmen des Wahlkampfes auf dem Wiener Naschmarkt zeigte, kannte die Mehrheit der Besucher am Naschmarkt den Politiker nicht. Den Namen "Juncker" hatten die meisten Naschmarktbesucher dagegen noch nie gehört. "Ist der bekannt?", fragte ein junger Mann skeptisch. "Doch, den kenne ich", zeigte sich eine BWL-Studentin überzeugt, verwechselte jedoch Juncker mit dem EU-Spitzenkandidaten der SPÖ, Eugen Freund.

Österreich: SPÖ und ÖVP gleichauf

In Österreich sehen die Wahlforscher SPÖ und ÖVP gleichauf bei jeweils 24 Prozent und fünf Mandaten. Dahinter liegen die Freiheitlichen mit 19 Prozent und vier Sitzen. Die NEOS (14 Prozent) werden laut "PollWatch" die Grünen (13 Prozent) überholen, beide Parteien kommen demnach auf zwei Mandate. Basis der Prognose ist eine Gallup-Umfrage vom 1. Mai.

Die von der FPÖ, dem französischen Front National und dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders angestrebte Fraktion rechtsgerichteter und rechtsextremer Parteien wird sich laut der Prognose ausgehen. Die erforderlichen Parteien aus mindestens sieben Ländern könnten demzufolge mit 38 Sitzen rechnen. Dazu zählt "PollWatch" die FPÖ, den Front National von Marine Le Pen in Frankreich, Wilders "Partei für die Freiheit" PVV, die Lega Nord in Italien, den Vlaams Belang in Belgien, die Schwedendemokraten und die nationalistische SNS in der Slowakei.

Prognose: Liberale als drittstärkste Kraft

Die Liberalen werden demnach drittstärkste Kraft bleiben, gefolgt von der Linksfraktion (GUE), während sich die Konservativen und Reformisten (ECR), die Grünen und die Rechtsfraktion Europa der Freiheit und Demokratie (EFD) ein Rennen um den fünften Platz liefern würden. Rechts von der EVP könnte es letztlich drei verschiedene Gruppierungen mit ungefähr 40 Sitzen geben, nämlich die neue Rechtsaußenfraktion, die ECR und die EFD, prognostizieren die Wahlforscher.

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