Europawahl 2014 von

Karas: Der Euro ist stärker
als der Schilling je war

Der ÖVP-Spitzenkandidat spricht über seine Vorstellung einer modernen Union

ÖVP-Spitzenkandidat Othmar Karas. © Bild: APA/Rubra

Othmar Karas erzählt im NEWS.AT-Interview, was in der Union seiner Meinung nach gut läuft, was nicht und wofür er sich im Europäischen Parlament besonders einsetzen möchte. Der 56-jährige Niederösterreicher sitzt bereits seit 1999 für die Volkspartei im Europäischen Parlament, seit 2012 ist er auch dessen Vizepräsident. Bei der EU-Wahl 2009 gab es einige Aufregung um Karas, als er trotz einer erfolgreichen Vorzugsstimmenkampagne den Kampf um die ÖVP-Delegationsleitung in Brüssel gegen Ernst Strasser verlor.

THEMEN:

NEWS.AT : In ihrem ersten Plakatentwurf meinten Sie, „Europa ist ein Gedanke, der zum Gefühl werden muss.“ Welches Gefühl wäre denn das?
Karas: Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Solidarität und der gemeinsamen Identität. Die EU ist eine Wertegemeinschaft, nicht nur eine Handelszone.

NEWS.AT : In drei Worten: Was bedeutet die EU für Sie?
Karas: Zukunft, Frieden und Sicherheit.

NEWS.AT : Wofür würden Sie sich im Europaparlament besonders einsetzen?
Karas: Für mehr Mitsprache der Bürger, mehr Unabhängigkeit Europas von russischem Gas und amerikanischer IT-Infrastruktur und für mehr Beschäftigung durch Wachstum und Investitionen in Zukunftsbereiche wie Forschung und Bildung. Ich möchte, dass die EU die Antwort unseres Kontinents auf die Globalisierung wird.

»Viel erreicht, das Bürgern nutzt«

NEWS.AT : Was hat die EU Positives geleistet?
Karas: Wir haben viel erreicht, das den Bürgern nutzt: niedrigere Handy- und Roaming-Gebühren, mehr Sicherheit beim Online-Einkauf oder mehr Bildungsaustausch für die Jungen. Wir haben den Schutz für unser Wasser verbessert: Chemikalien im Wasser müssen künftig strenger kontrolliert werden. Wir haben klar Nein zu Gentechnik in Österreich gesagt. Und wir haben für mehr Nahrungsmittelsicherheit für die Konsumenten gesorgt: Jeder will, dass das, was auf der Packung drauf steht, auch wirklich drinnen ist. Durch den europäischen Binnenmarkt profitieren die Konsumenten von größerer Auswahl, besserer Qualität und niedrigeren Preisen. So bleibt den Menschen mehr im Geldbörsel. Und wir haben klare Regeln für den Finanzmarkt geschaffen, damit es einen Fall wie die Hypo Alpe Adria nicht wieder geben kann.

NEWS.AT : Und was müsste verbessert werden?
Karas: Wir brauchen klarere Zuständigkeiten. Die EU muss sich stärker um die großen Dinge kümmern und weniger um Detailfragen. Und wir brauchen eine Europäisierung der Innenpolitik, damit die Themen, die in der EU gemeinsam beschlossen werden, auch bei den Menschen ankommen. Es geht niemals um 'Wien oder Brüssel?', sondern um 'Jeder für sich oder gemeinsam mit gebündelten Kräften?'.

»Euro stärker als Schilling je war«

NEWS.AT : Wie sollte die Zukunft der gemeinsamen Währung aussehen?
Karas: In der Krise hat sie uns geschützt und genützt. Der Euro ist stärker als der Schilling je war. Wir müssen aber die Einhaltung der Regeln, die notwendig sind, damit die gemeinsame Währung funktioniert, weiter verbessern. Auch ohne den Euro sind wir in Europa mittlerweile so vernetzt, dass, wenn ein Land seine Hausaufgaben nicht erledigt, alle in der EU die Folgen tragen. Wir brauchen in allen Ländern weitere Reformen. Ich bin für einen Europäischen Währungsfonds, der vom Parlament kontrolliert wird, und für ein europäisches "Staatsbankrott-Verhinderungs-Gesetz".

NEWS.AT : Was muss getan werden, um die Arbeitslosigkeit in der Union zu bekämpfen?
Karas: Die Arbeitslosigkeit – und gerade die Jugendarbeitslosigkeit – ist die größte Wunde der EU. Wir müssen Europa wettbewerbsfähiger machen und mit den Schulden runterkommen. Denn überall dort, wo wir die höchsten Schulden haben, haben wir auch die höchste Arbeitslosigkeit, weil kein Geld für Zukunftsinvestitionen wie Bildung und Forschung vorhanden sind. Ich möchte zudem das Modell der dualen Berufsausbildung – unsere Lehrausbildung – zum Modell für die ganze EU machen. Die Energiewende und die IT-Offensive in Europa, für die ich mich einsetze, werden auch zu neuen Arbeitsplätzen führen.

NEWS.AT : Sind Sie für das geplante Freihandelsabkommen mit den USA?
Karas: Es kommt auf das Ergebnis der Verhandlungen an. Freihandelsabkommen bieten große Chancen für Wirtschaft und Beschäftigung. Wir haben aber ganz klare Bedingungen und rote Linien, nach denen wir das Freihandelsabkommen beurteilen werden und von denen unsere Zustimmung abhängt. Ich will keinen Genmais, keine Chlorhühner und kein Hormonfleisch. Ich stimme dem Abkommen nur dann zu, wenn europäische Standards nicht abgesenkt werden. Das EU-Parlament hat das letzte Wort.

»Energieabhängigkeit reduzieren«

NEWS.AT : Wie sollte sich die EU in der Ukraine-Krise verhalten?
Karas: Putins Vorgehen auf der Krim ist eine massive Verletzung des Völkerrechtes, wie wir sie seit Jahrzehnten in Europa nicht gesehen haben. Die EU beschreitet mit der Kombination aus Dialog und den stufenweisen Sanktionen den richtigen Weg. Die Lösung der Situation in der Ukraine muss auf jeden Fall eine politische, keine militärische sein. Eine Lehre aus der Situation ist auch, dass wir die Energieabhängigkeit reduzieren müssen. Die Netze müssen vereinheitlicht werden. Daher bin ich sehr froh darüber, dass sich auch Jean-Claude Juncker – unser Kandidat für das Amt des Kommissionspräsidenten – das Ziel gesetzt hat, dass wir energiepolitisch unabhängiger werden.

NEWS.AT : Wie sieht Ihrer Meinung nach zeitgemäße, europäische Außen- und Sicherheitspolitik aus?
Karas: Zeitgemäß sein, heißt sich darauf einstellen, dass die EU nur noch einen Anteil von sieben Prozent an der
Weltbevölkerung und von 25 Prozent an der Weltwirtschaftsleistung hat. Bis zum Jahr 2050 schrumpfen wir auf nur
noch fünf Prozent der Bevölkerung und zehn Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Daraus kann man nur eine Schlussfolgerung ziehen: Wir müssen unsere Kräfte bündeln. Um ein global player zu werden, braucht es ein gemeinsames, geschlossenes Auftreten in der Außenpolitik.

Bei der Verteidigungspolitik kämpft jedes Land der EU mit den selben Problemen: zu wenig Personal, zu wenig Geld, zu wenig Effizienz und zu wenig Handlungsfähigkeit. Die Zusammenarbeit in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik würde im Minimum 26 Milliarden Euro und bis zu 130 Milliarden Euro ersparen. Eine stärkere Koordinierung, wie etwa eine Zusammenlegung des militärischen Beschaffungswesens, würde uns nicht nur ökonomische Vorteile bringen, eine geeinte Stimme in der Welt würde auch unseren Einfluss heben.

NEWS.AT : Wie stehen Sie zu künftigen Erweiterungsrunden der EU? Stichwort Serbien, Westbalkan, Ukraine.
Karas: Ich bin für einen offenen Dialog. In den nächsten fünf Jahren ist die EU aber nicht erweiterungsfähig. Alle Länder des ehemaligen Jugoslawiens haben eine Beitrittsperspektive. Die Türkei bewegt sich derzeit weg von europäischen Werten. Ein Land, das Twitter sperrt, ist sicher nicht beitrittsfähig.

»Koordinierte Einwanderungspolitik«

NEWS.AT : Wie soll die EU mit Flüchtlingen umgehen?
Karas: Die gemeinsame Verantwortung für die Asyl- und Einwanderungspolitik muss stärker werden. Dass im Mittelmeer Menschen ertrinken, die von gewissenlosen Schleppern ausgebeutet werden, darf niemanden in Europa kalt lassen. Man darf das Problem nicht nur den Ländern überlassen, wo die Menschen ankommen. Deshalb bin ich für eine koordinierte gemeinsame Einwanderungspolitik der Europäischen Union ähnlich den Prinzipien der österreichischen Rot-Weiß-Rot-Card. Wir brauchen geordnete Verfahren, in denen sich Menschen, die nach Europa kommen wollen, bewerben können. Solange Asyl von so vielen Menschen als der einzige Weg gesehen wird, um nach Europa zu kommen, überfordern wir das Asylsystem.

Das heißt nicht, dass Europa alles Leid der Welt aufnehmen kann. Wir brauchen aber für unterschiedliche Migrationsphänomene unterschiedliche rechtliche Instrumente. Die Aufnahme von politisch Verfolgten, Kriegsflüchtlingen, Wirtschaftsflüchtlingen und die gesteuerte Aufnahme von Hochqualifizierten, müssen unterschiedlich geregelt werden. Die jetzige Situation führt zu einer ständigen Vermischung von all dem. Gleichzeitig muss das Problem aber an der Wurzel bekämpft werden. Nachhaltige und menschenwürdige Lösungen der Flüchtlingsproblematik gibt es nur, wenn wir die Ursachen der Migration bekämpfen. Ohne Frieden in Syrien und ohne wirtschaftliche Perspektiven für afrikanische Länder, werden immer mehr Menschen nach Europa kommen wollen.

»Profi oder Amateur«

NEWS.AT : Warum sollten die Menschen zur Wahl gehen?
Karas: Weil eine Stimme darüber entscheiden kann, welche Rolle Österreich in der EU einnimmt und in welche Richtung Europa geht. Nur wer wählt, kann mitbestimmen. Seit dem Vertrag von Lissabon hat das Europäische Parlament deutlich mehr Mitspracherechte. Es ist daher nicht egal, welche direkt gewählten Bürgervertreter im Parlament sitzen.

NEWS.AT : Und warum sollten die Menschen genau Sie wählen?
Karas: Im Europaparlament kommt es vor allem auf drei Dinge an: Erfahrung, Kompetenz und Durchsetzungsfähigkeit. Das habe ich in den vergangenen Jahren bewiesen. Ich bin mit Stimmen aus allen Ländern und Parteien zum Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments gewählt worden und habe für die Bürger viel voran gebracht. Ich habe gute Netzwerke und Partner, die man in Brüssel braucht. Die Menschen haben die Wahl: Wählen sie einen Profi wie mich, der das was er verspricht, auch umsetzen kann oder wählen sie einen Amateur und kaufen somit die Katze im Sack?

Kommentare

bushmaster
bushmaster melden

Ich glaube der Ka...spricht von den 30ger Jahren , denn
vor dem EURO war der SCHILLING gleich stark wie die D-Mark !!!!

christian95 melden

Solche Schaumschläger sind in Brüssel sehr beliebt. Diese Leute haben ihr ganzes Leben ihr Geld noch nie mit ehrlicher Arbeit verdient. Als Schwiegersohn vom ehemaligen Bundespräsidenten Waldheim hat man in der ÖVP lebenslang ausgesorgt.

die övp hat keinen kandidaten aufgestellt, weils verlieren würden - karas ist keion övp-ler - ggg

meisterproper

Schutz durch Euro.
Der kostet zu viel und schützt mich nicht.

Urlauber2620

Der Euro schützt den Normalbürger maximal vorm Reichwerden.

"Karas schützt Europa"!
Solche Schaumschläger braucht man Brüssel!

Seite 1 von 1