"EU-Truppe einsatzbereit": Hochspannung vor turbulentem Wahlgang im Kongo

UNO, EU und USA rufen zu friedlichen Wahlen auf Unbemanntes Flugzeug abgestürzt: Acht Verletzte

Ein Unfall mit einer Drohne der EU-Kongo-Truppe EUFOR hat kurz vor den Wahlen im Kongo für Aufregung gesorgt. Beim Absturz des unbemannten Flugzeugs auf ein Wohnhaus in einem Armenviertel von Kinshasa waren mindestens acht Menschen verletzt worden. Vor den ersten freien Wahlen seit über 40 Jahren haben UNO, die EU und USA für einen friedlichen Verlauf des Urnengangs geworben.

Bei Ausschreitungen in den vergangenen Tagen hatte es mehrere Tote gegeben. Gewalt gab es auch am Freitagabend bei einer Wahlkampfveranstaltung: Ein Mitglied der Präsidentengarde des kongolesischen Staatschefs Joseph Kabila erschoss dabei einen Leibwächter des Vizepräsidenten Azarias Ruberwa.

Er bitte die Wähler um eine rege Teilnahme und die Politiker um die Akzeptanz der Ergebnisse, sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan am Freitag (Ortszeit) in New York. "Gewalt muss vermieden werden." Die US-Regierung rief die Kongolesen auf, "die historische Chance" freier und gerechter Wahlen zur Bestimmung einer "verantwortlichen Regierung" zu ergreifen.

Der finnische EU-Ratsvorsitz wünschte den Kongolesen einen friedlichen und gelassenen Wahlverlauf. Es handle sich um einen "historischen Augenblick", von dem alle hofften, dass er eine neue Ära einleite, betonte das finnische Außenministerium am Samstag in einer Erklärung. "Nach mehr als 40 Jahren Wartezeit kann das kongolesische Volk endlich sein allzu lange verweigertes Recht wahrnehmen und in voller Freiheit bei demokratischen und transparenten Wahlen seine Führer bestimmen."

Bei der ersten freien Wahl im früheren Zaire bewerben sich 33 Kandidaten um das Amt des Präsidenten. Fast 10.000 Kandidaten streben einen der rund 500 Parlamentssitze an. Etwa 17.000 UNO-Soldaten, eine 2.000 Mann starke EU-Truppe (EUFOR), 1.500 Wahlbeobachter, 40.000 nationale Beobachter sowie 80.000 kongolesische Polizisten sollen die Wahlen schützen.

Auch drei österreichische Offiziere beobachten die Wahl. Einer davon, Major Manfred Prantl, berichtete dem Ö1-Mittagsjournal über reges Interesse der Kongolesen an der Wahl. Über 80 Prozent der Wähler haben sich eintragen lassen, sagte Prantl. Wahlberechtigt sind mehr als 25 Millionen Menschen.

Bei dem Drohnen-Absturz erlitt ein Mann schwere Verbrennungen, sagte der französische Militärarzt Pierre Olivier Miloche, der am Samstag die Unfallstelle besuchte, um sich über mögliche weitere Verletzte zu informieren. Die Absturzursache werde noch untersucht, sagte EUFOR-Sprecher Peter Fuss. "Wir gehen davon aus, dass es ein Softwarefehler war", sagte er.

Die belgische Drohne war bei einem Testflug etwa drei Kilometer südlich des EUFOR-Lagers in Kinshasa über dem so genannten Viertel der Fischer abgestürzt und hatte ein Haus getroffen. In dem einstöckigen Steinhaus mit Wellblechdach wohnten drei Familien. Mehrere Frauen konnten fliehen, ein Säugling wurde in letzter Minute in Sicherheit gebracht, bevor das Haus in Brand geriet. "Ich habe alles verloren", klagte die 76 Jahre alte Véronique Nazadou. "Ich habe Hunger, und ich habe kein Geld mehr, mir Essen zu kaufen."

EUFOR kündigte eine angemessene Entschädigung der ersten zivilen Opfer dieses Einsatzes an. Die zweite Drohne der Belgier soll aus Sicherheitsgründen zunächst am Boden bleiben. Eigentlich hatte sie am Wahltag über Kinshasa kreisen und Aufnahmen liefern sollte. Nach Ansicht von Beobachtern wird der Vorfall das Misstrauen der Bevölkerung gegen die EU-Truppe weiter verstärken. Viele Menschen in Kinshasa glauben, dass die Europäer gekommen seien, um Präsident Kabila zu unterstützen. Prantl hatte allerdings andere Beobachtungen gemacht: "Ich glaube, dass die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber der EUFOR gut ist", erklärte er. EUFOR-Sprecher Fuss betonte: "Dem Wahltag sehen wir gelassen entgegen."

Kabila, der sich um eine weitere Amtszeit bewirbt, sagte bei seiner Abschlusskundgebung am Freitagabend, er werde das Land aus der "Krise und Unsicherheit" herausführen. Er versprach neue Straßen, fließendes Wasser und eine bessere Schulbildung für das ganze Land. Der 35-Jährige ist seit 2001 an der Macht. Er übernahm das Amt von seinem ermordeten Vater Laurent-Désiré Kabila und gilt als aussichtsreichster Kandidat.

Im Umfeld von Kabila war es am Freitagabend zu einem Schusswechsel gekommen, bei dem der Leibwächter des Gegenkandidaten Ruberwa getötet wurde. Die Schüsse seien gefallen, als der Autokonvoi von Ruberwa auf der Straße zum Flughafen Kabilas Wagenkolonne kreuzte, sagte ein Sprecher der UNO-Mission im Kongo (MONUC). Zwei weitere Soldaten aus der Garde Ruberwas seien verletzt worden. Dessen Sprecher Pascal Masireka warf der Präsidentengarde vor, das Feuer auf die Eskorte des Vizepräsidenten eröffnet zu haben.

Am Donnerstag waren bei Ausschreitungen vier Menschen getötet worden, unter anderem bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern des Präsidentschaftskandidaten und Vizepräsidenten Jean-Pierre Bemba.
(apa/red)