EU-Staaten arbeiten an Reformpaket gegen
Finanzkrise: Auch Stärkung des IWF geplant

Heute großes Finanzminister-Treffen in Paris Mehr Transparenz von den Banken gefordert

EU-Staaten arbeiten an Reformpaket gegen
Finanzkrise: Auch Stärkung des IWF geplant © Bild: AP/Probst

Die großen europäischen Industriestaaten arbeiten nach den Worten des britischen Finanzministers Alistair Darling an einem umfangreichen Reformpaket, um die Folgen der großen Kreditkrise an den Finanzmärkten einzudämmen. Unter anderem wollen Großbritannien, Deutschland, Italien und Frankreich die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Krisenvorbeugung stärken, mehr Transparenz von den Banken einfordern und die Rolle der Ratingagenturen überprüfen, wie Darling in einem gemeinsamen Interview des "Handelsblatts", der französischen Zeitung "La Tribune" und dem italienischen Blatt "Il Sole 24 ore" sagte.

"Wir haben es mit einem Problem ohne Vorbild zu tun, und wir haben keine Zeit zu verlieren", betonte der Finanzminister vor einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Peer Steinbrück, der französischen Finanzministerin Christine Lagarde und dem italienischen Pendant Tommaso Padoa Schioppa. Das Treffen findet auf Initiative der britischen Regierung heute in Paris statt.

Mehr Verantwortung für IWF
Dem britischen Finanzminister zufolge haben die Teilnehmer an dem Gipfel eine umfangreiche Agenda vorbereitet. "In den meisten Fragen sind wir uns weitgehend einig", betonte Darling. So müsse der IWF in Zukunft eine größere Rolle bei der Vorhersage und bei der Vorbeugung von Finanzkrisen übernehmen. "Wir brauchen ein besseres Frühwarnsystem", forderte Darling. Außerdem sei eine Überprüfung der Rolle der Ratingagenturen bei der Entstehung der Krise notwendig. Die Agenturen waren zuständig für die Bonitätsabwertung komplexer Kreditinstrumente, die sich als sehr riskant herausstellten.

Darüber hinaus fordert der Schatzkanzler "mehr Transparenz von den Banken, vor allem was die Offenlegung von Aktivitäten außerhalb der Bilanzen angeht". In Deutschland gerieten das Düsseldorfer Institut IKB und die SachsenLB in Finanznot, weil sie sich mit Zweckgesellschaften, die außerhalb der Bilanzen geführt wurden, verspekuliert hatten. Auch in Österreich mussten Banken viele Millionen Euro an faulen Krediten abschreiben, größere Turbulenzen sind bisher jedoch ausgeblieben.

Weltwirtschaft ist noch robust
Trotz seiner deutlichen Warnungen vor dem Ausmaß der Krise zeigte sich Darling insgesamt zuversichtlich, dass die Verwerfungen keinen nachhaltigen Schaden in der Realwirtschaft hinterlassen werden. "Bisher scheinen die Probleme weitgehend auf die Finanzmärkte beschränkt." Die Weltwirtschaft befinde sich noch immer in einem robusten Zustand, das gelte auch für Großbritannien. Allerdings rechnet auch Darling mit einer Abkühlung der Konjunktur. (APA/red)