Geheimdienste von

EU-Parlament bestätigt
NSA-"Totalüberwachung"

"Überzeugende Beweise" für umfassende Spionage. Erneute Einladung an Snowden.

NSA-Zentrale in Fort Mead. © Bild: APA/EPA/Jim lo Scalzo

Das Europaparlament hat die massenhafte Online-Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA und die entsprechenden Vorwürfe des Whistleblowers Edward Snowden bestätigt. Zugleich bekräftigten die EU-Parlamentarier am Donnerstag in Brüssel die Entscheidung, Snowden zu einer Videobefragung einzuladen.

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Im Berichtsentwurf des zuständigen Untersuchungsausschusses heißt es, dass "überzeugende Beweise" gefunden wurden "für die Existenz weitreichender, komplexer und technisch weit entwickelter Systeme bei den Geheimdiensten der USA und einiger EU-Staaten, um in beispiellosem Ausmaß, unterschiedslos und verdachtsunabhängig die Kommunikations- und Standortdaten sowie weitere Metadaten der Menschen in aller Welt zu sammeln, zu speichern und zu analysieren." Der EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser sagte: "Für seinen Dienst an der Demokratie sollten wir Edward Snowden dankbar sein: Jetzt braucht es den mehrheitlichen politischen Willen in Europa und den USA, um diese inakzeptablen Überwachungsmaßnahmen abzustellen."

"Der Bericht macht das große Ausmaß der Überwachung durch Geheimdienste deutlich und zeigt, wie dreist die NSA und kooperierende Geheimdienste die Grund- und Menschenrechte europäischer Bürgerinnen und Bürger missachten", sagte der SPÖ-Europaabgeordnete Josef Weidenholzer. "Es handelt sich nicht um einzelne Missbrauchsfälle, sondern um Totalüberwachung." Alleine der britische Geheimdienst GCHQ sammle täglich 21 Petabyte (22.020.096 Gigabyte) an Daten, das Sammelausmaß der siebenmal größeren NSA sei noch weitaus umfassender, so Weidenholzer.

Abkommen kündigen

Der EU-Parlamentsausschuss fordert als Konsequenz aus dem Überwachungsskandal die Suspendierung des SWIFT-Abkommens zum Bankdatenaustausch und des Safe-Harbour-Abkommens zur Übertragung von Unternehmensdaten mit den USA. Weitere Forderungen sind die rasche Umsetzung des EU-Datenschutzpakets, die Schaffung eines EU-US-Rahmenabkommens, ein erweiterter Schutz für Whistleblower und die Erarbeitung einer Strategie für die IT-Unabhängigkeit der EU.

"Ich will, dass sich das EU-Parlament für eine Europäische Spionageabwehr, nicht aber für einen EU-Geheimdienst ausspricht", verlangte der ÖVP-Europaabgeordnete Hubert Pirker weitere Änderungen. "Leider ist es derzeit unwahrscheinlich, dass Snowden sich angesichts seines unsicheren Aufenthalts in Russland auf eine Live-Befragung per Video einlässt", erklärt der deutsche Grün-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht.

Beschränkungen für US-Geheimdienste?

US-Präsident Barack Obama treibt unterdessen eine Beschränkung der Geheimdienste nach massiver Empörung über die weltweiten Ausspähaktionen voran. Am (gestrigen) Mittwoch traf er sich dazu mit den Geheimdienstchefs James Clapper und Keith Alexander sowie Justizminister Eric Holder und Vize-Präsident Joe Biden. Sie gaben Auskunft zum bisherigen Stand der internen Überprüfung der Arbeit der Nachrichtendienste.

Obama will voraussichtlich in der kommenden Woche in einer Grundsatzrede seine Reformpläne erläutern. Erwartet werden unter anderem strengere Auflagen für Lauschangriffe auf ausländische Spitzenpolitiker und das massenhafte Sammeln von Telefondaten. Allerdings verweisen die Dienste auch darauf, dass viele der von ihnen angewendeten Praktiken notwendig seien, um etwa Terroranschläge zu verhindern.

Das Treffen "war eine wichtige Gelegenheit für den Präsidenten, sich mit seinem Team direkt auszutauschen, bevor er endgültige Entscheidungen darüber trifft, wie mit den wichtigsten Programmen zur Sammlung von Geheimdienstdaten weiter verfahren wird", sagte die Sprecherin des Sicherheitsrats des Präsidialamts, Caitlin Hayden.

Vorschläge von Expertenkommission

Eine Expertenkommission hatte Obama im Dezember eine Liste mit 46 Verbesserungsvorschläge vorgelegt. Bei einigen Punkten hat der Präsident, der an die Empfehlungen nicht gebunden ist, nach Angaben von Mitarbeitern Zustimmungen signalisiert. So sollen die Geheimdienste nicht mehr direkten Zugriff auf abgeschöpfte Telefondaten haben, sondern eventuell nur noch über private Unternehmen. Obama will außerdem sicherstellen, dass die Nachrichtendienste stärker auf Befürchtungen eingehen, dass ihre Arbeit Bürgerrechte wie den Schutz der Privatsphäre verletzen kann.

Kommentare

christian95 melden

WIR verdienen nichts anderes!
WIR haben mit 2/3 JA zu dieser EU gesagt, haben den Euro bejubelt und unsere Politiker haben auch noch dem ESM zugestimmt.

wintersun melden

Um es mal mit Ihren Worten zu sagen: "100% richtig!"

strizzi49 melden

Bla, bla, bal, bal,......! So streut man den betroffenen Sand in die Augen! Aber ändern wird sich gar nichts! Wetten?

wintersun melden

Alles Heuchelei. Wie Sie sagen, da ändert sich so schnell nichts!
Wenigstens herrscht nun mehr Bewußtsein für diese Spionage, das ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Aber noch ist es den Leuten zu sehr egal - das erkennt man daran dass jeder meckert dass uns die bösen Amis überwachen aber selbst gehn ma täglich mitn Supermarkt-Vorteilskarterl einkaufen damit ma dann auf Facebook gleich nochmal unsere wertvollen Konsumdaten preisgeben können. Die Leute sind einfach noch nicht soweit, hoffen wir dass sich das eines Tages ändert denn von der Politik brauchen wir uns nicht zu viel erwarten. Druck gehört gemacht.

Geheimdienste sind Organisationen die von Menschen geführt werden, wo Menschen Befehle und Anweisung geben und bekommen. Wenn also die missbräuchlichen Tätigkeiten solcher Dienste untersucht werden, dann ist zuerst zu fragen, wer die Menschen sind, die solche Anweisungen gegeben haben. Vielleicht erklärt sich daraus auch der grenzenlose Missbrauch.

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