EU erwartet weiter steigende Ölpreise: Keine Versorgungsgefährdung befürchtet

Erdölpreise können auf weit über 80 Dollar steigen Piebalgs: "Energiedialog der Union mit der OPEC gut"

Andris Piebalgs, Energiekommissar der Europäischen Union, erwartet in den kommenden Jahren weiter steigende Erdöl- und Treibstoffpreise, sieht derzeit aber keine tatsächliche Gefährdung der europäischen Versorgung. "Die Erdölpreise sind auf 60 Dollar gestiegen, das scheint heute schon einigermaßen weit weg zu sein. Jetzt sind sie bei 70 und es kann weiter auf über 80 Dollar gehen", sagte Piebalgs in Alpbach. Bis jetzt sei die Wirtschaft erfreulicherweise gut mit den steigenden Erdölpreisen noch zurecht gekommen.

"Wir gehen nicht davon aus, dass es in den nächsten fünf Jahren zu Verknappungen (bei Erdöl, Anm.) kommen wird", sagte Piebalgs, der auf einen vor zwei Monaten veröffentlichten Report der Internationalen Energieagentur (IEA) Bezug nahm. In dem Papier hatte die IEA davon gesprochen, dass jedes Jahr zusätzlich fünf Mio. Barrel pro Tag neues Öl verfügbar gemacht werden müssten, um die Rückgänge bei den existenten Ölproduktion und ein zweiprozentiges Wirtschaftswachstum pro Jahr auszutarieren. Als Einschränkungen zu dieser Aussage erwähnte Piebalgs die knappen Raffineriekapazitäten oder Hurrikans in Ölproduktionsgebieten. Man nehme den IEA-Bericht aber "sehr ernst", beteuerte der Kommissar.

Der Energiedialog der Union mit der OPEC sei gut und die "OPEC hat gesagt, sie können uns mit Öl versorgen, aber sie wollen natürlich einen Preis erzielen", sagte Piebalgs, der im Tiroler Kongressort eine gemeinsame Pressekonferenz mit Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl gab. Die OPEC verfüge über 3 Mio. Barrel pro Tag Reservekapazitäten.

Während es bei Erdgas oft auch andere Möglichkeiten gebe, gebe es zu Erdöl kurzfristig keine Alternativen, "unsere Abhängigkeit bei Sprit ist total", sagte der Energiekommissar. Langfristig verfolge die EU ja das Ziel einer starken Steigerung der Energieeffizienz etwa durch Verringerung des CO2-Ausstoßes bei den Autoflotten und propagiere mehr öffentlichen Verkehr oder die stärkere Umstellung auf erneuerbare Energien.

(apa/red)