Luftfahrt von

Niki: Übernahme durch
Lufthansa droht zu scheitern

EU-Kommission wird dem Unternehmen wohl einen Strich durch die Rechnung machen

Flugzeuge der Lufthansa auf dem Flughafen © Bild: APA/AFP/Christof Stache

Die Übernahme der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki durch die Lufthansa droht einem Insider zufolge zu scheitern. "Die EU-Kommission neigt derzeit dazu, den Niki-Deal für die Lufthansa zu untersagen", sagte am Mittwoch eine Person, die mit der Situation vertraut ist. Lufthansa-Chef Carsten Spohr werde im Laufe des Tages mit EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager die Lage erörtern.

Die Lufthansa lehnte einen Kommentar dazu ab. Von der Brüsseler EU-Kommission war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Zuvor hatte auch "Spiegel"-Online darüber berichtet.

Reuters hatte jüngst von Insidern erfahren, dass die Lufthansa die aktuelle Zwischenfinanzierung von der bisher nicht insolventen Air-Berlin-Tochter Niki wohl einstellen werde, falls die EU-Kommission eine vertiefte Prüfung des Air-Berlin-Deals plane. Denn so eine Untersuchung würde 90 Werktage dauern - dann wäre Niki wohl ebenfalls pleite.

Die Lufthansa hatte im Oktober von der insolventen Air Berlin die Töchter Niki und LGW Walter für rund 210 Mio. Euro übernommen. Die Brüsseler Behörde muss dem noch zustimmen.

Prüfung von Lufthansa-Air-Berlin-Deal dauert an

In der kartellrechtlichen Prüfung großer Teile der Air-Berlin-Übernahme durch die Lufthansa gibt es nach Angaben der EU-Wettbewerbshüter noch keine Entscheidung. "Die Untersuchung dauert an, und wir können ihr Ergebnis zu diesem Zeitpunkt nicht vorwegnehmen", sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Die Frist für die Prüfung läuft bis zum 7. Dezember.

Die Kartellwächter könnten die Übernahme dann - gegebenenfalls unter Auflagen - durchwinken oder aber eine vertiefte Prüfung einleiten. Letzteres erscheint derzeit wahrscheinlicher. In der Vergangenheit hat die EU-Kommission allerdings vergleichbare große Fälle wie etwa die Fusion der Biergiganten Anheuser Busch und SABMiller nach Zusagen auch schon in der ersten Phase durchgewunken.

Die Lufthansa will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Mio. Euro einen beträchtlichen Teil des Flugbetriebs von Air Berlin mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Wegen der Dimension des Geschäfts müssen die Folgen für den Wettbewerb auf europäischer Ebene überprüft werden.

Unbestätigten Berichten zufolge könnte die Kommission sich vor allem an der Niki-Übernahme durch die Lufthansa stoßen. Lufthansa und Niki äußerten sich nicht dazu. "Niki wartet die Entscheidung aus Brüssel ab", sagte ein Airline-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

"Normalerweise darf eine gescheiterte Gesellschaft nur dann von dem dominanten Anbieter übernommen werden, wenn es keine Alternative gibt", sagte der Flugsparten-Chef des Reisekonzerns Thomas Cook, Christoph Debus, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Im Fall von Niki hat es bekanntermaßen mehrere Alternativen gegeben." Zu Thomas Cook gehört auch die deutsche Gesellschaft Condor, die ebenfalls Interesse an Niki gezeigt hatte.

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