EU-Gipfel von

Neues Rettungspaket

Ausweitung des Schutzschirms und Schuldenschnitt für Griechenland sind enthalten

EU-Gipfel - Neues Rettungspaket © Bild: APA/BELGA/Dopagne

Der Euro-Gipfel der Staats- und Regierungschefs hat heute früh ein Gesamtpaket zur Eindämmung der Wirtschaftskrise auf den Weg gebracht. Darin enthalten sind die Ausweitung des Euro-Schutzschirms EFSF, eine Bankenrekapitalisierung und ein Schuldenschnitt für Griechenland in Höhe von 50 Prozent.

Letzteres heißt konkret, dass Privatgläubiger wie Banken und Versicherungen auf einen großen Teil ihrer Anleiheforderungen verzichten. Weil sich der öffentliche Sektor mit 30 Mrd. Euro zusätzlich einbringe, werde der "Haircut" für Private geringer sein als 50 Prozent, so die deutsche Kanzlerin Merkel.

Durch die beschlossene Hebelung des Schutzschirms soll die Effizienz desselben von 440 Milliarden auf eine Billion Euro steigen, Frankreichs Präsident Sarkozy sprach sogar von 1,4 Billionen Euro. Außerdem enthält das Paket eine Einigung auf eine Bankenrekapitalisierung von 106 Milliarden Euro, davon 2,9 Mrd. für österreichische Banken.

Faymann und Fekter überzeugt
Bundeskanzler Faymann begrüßte die Ergebnisse. "Die Eurozone, die Europäische Union, hat gezeigt, dass sie, wenn sie vor einer großen Herausforderung steht, in der Lage ist, gemeinsam und solidarisch Lösungen zu finden. Das ist ein gutes Zeichen", sagte Faymann nach Abschluss der Beratungen Donnerstagfrüh in Brüssel. "Insgesamt ist es ein erfolgreicher Gipfel."

"Europa hat vergangene Nacht Entscheidungsstärke bewiesen", reagierte Finanzministerin Fekter in einer Aussendung. "Mit einem Schulderlass von 50 Prozent der griechischen Staatsschulden ist jetzt der Weg frei, die Finanzierung Griechenlands dauerhaft auf stabile Säulen zu stellen", gibt sich Fekter überzeugt. "Griechenland muss jetzt weiter an den Reformen samt Privatisierungsprogramm konsequent und intensiv arbeiten, um langfristig wieder das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Dafür haben die europäischen Partner ihre weitere Unterstützung zugesichert".

FPÖ sauer
Die Europäische Union sei wieder einmal auf halbem Weg stehengeblieben, meinte EU-Mandatar Andreas Mölzer zu den Ergebnissen des heute früh zu Ende gegangenen Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs. "Für Griechenland soll es nun einen Schuldenschnitt in Höhe von 50 Prozent geben - eine Maßnahme, die die Freiheitlichen bereits vor eineinhalb Jahren verlangt haben, weil schon damals klar gewesen ist, dass Athen alleine aus dem selbstverschuldeten Schlamassel nicht herauskommen kann", erklärte Mölzer. Dabei kritisierte der freiheitliche EU-Mandatar, dass beim EU-Gipfel der laut ihm notwendige Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nicht einmal angedacht wurde.

Weiters wies der freiheitliche Europaabgeordnete auf die gewaltigen Zahlungen hin, welche den Nettozahlern wie Deutschland, Österreich oder den Niederlanden durch die sogenannte Hebelung des Euro-Schutzschirms EFSF drohten. "Die Hebelung der EFSF auf eine Billion Euro ist ein finanztechnischer Trick der übelsten Sorte."

Lauter Zufriedene
Auch Merkel zog ein positives Fazit. "Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen", sagte sie. Die Welt habe auf das Treffen geschaut. Die Europäer seien den Erwartungen gerecht geworden und hätten die "richtigen Beschlüsse" gefasst, fügte Merkel hinzu.

Der EU-Ratsvorsitzende Van Rompuy bezeichnete die Entscheidungen als "Schutzwall gegen die Ansteckungsgefahr". Zum EFSF sagte Rompuy, die Hebelung könne auf zwei Arten erfolgen. Einerseits sei eine Kreditförderung über Staatsschuldscheine von Mitgliedstaaten möglich, andererseits könnte ein Fonds eingerichtet werden, der eine Zweckgesellschaft beinhalte, die Operationen durchführe. Dies könnte die Effizienz "um das vier bis fünffache heben".

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zeigt sich mit der Einigung auf einen Schuldenschnitt für Griechenland von 50 Prozent zufrieden. "Beide Seiten sind aufeinander zugegangen und haben im Interesse Europas einen befriedigenden Kompromiss erzielt", sagte Ackermann auf Anfrage am Donnerstag in Frankfurt. Er ist Präsident des Welt-Bankenverbandes IIF, dessen Geschäftsführer Charles Dallara die Verhandlungen mit der Politik geführt hatte.

Ausland reagiert positiv
Die G8-Staaten Kanada und Japan sowie China haben den beim Euro-Gipfel vereinbarten Schuldenschnitt für Griechenland begrüßt. "Das sind Schritte in die richtige Richtung", sagte der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper am Donnerstag in Perth in Australien. "Es wurden Fortschritte erzielt." Die Krise der Euro-Zone bedeute die schwerste Bedrohung für die Erholung der Weltwirtschaft.

Das ebenfalls zur Gruppe der acht führenden Industrienationen gehörende Japan begrüßte die Beschlüsse ebenfalls. Sie seien ein "großer Schritt vorwärts", sagte Finanzminister Jun Azumi. Auch das aufstrebende China reagierte vorsichtig positiv. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua sprach aber zugleich von Schwierigkeiten, die jedoch nicht näher beschrieben wurden.

Weitere Hilfe für Griechenland
Zugleich werden die öffentlichen Mittel für Griechenland von bisher geplanten 109 Mrd. Euro bis 2014 auf 130 Mrd. Euro erhöht, sagte Faymann. Aus Privatisierungserlösen in Griechenland sollten 10 bis 15 Mrd. Euro in den EFSF fließen. Insgesamt brauche Griechenland 200 Mrd. Euro. Merkel sprach von einem zweiten Hilfspaket von 100 Milliarden Euro bis 2014.

Kommentare

Europa - Quo vadis? ich sehe Blut in Europa, ich sehe ehemalige Freunde die sich bestehlen werden, die letztlich töten werden. Ja, ich sehe schwarz, aber ich zahle jede Gebühr - selbst die des ORF.

Für ein paar Tage ist das Problem gelöst! Damit werden sich die Zocker in Greichenland nicht zufrieden geben.

an Haircut Das die Amis die gesamten Weltwährungen beeinflußen verstehe ich als einfacher Mensch noch , aber dass dieses Land , welches selbst der verschudetste Staat ist, der zur Zeit unter großen finanziellen Problemen schwer leidenden EU Ratschläge und sogar Warnungen erteilt, sollte mir wenn es jemand kann bitte erklären. Selbst einen Haufen Dreck im Nest, und den dann in ein noch sauberes entsogen. Tüpisch Ami !!!

stabilis melden

Haircut? Ich denke das dies das Ende des EURO eingeläutet hat bzw. den Niedergang der EU. Aus diesem Schuldendilemma kommen wir nicht raus!

Nächste Runde: jetzt werden die Ratingagenturen (zumeist US Agenturen mit semitischem Hintergrund) als nächstes Spanien, Portugal und Italien "schlachten" - damit kommt das ganze wieder ins Rollen - und es hört nie auf, der Euro wird dauernd destabilisiert. Warum ist klar - man will neben dem Dollar keine zweite "Weltwährung". Ein Resultat der Eurokrise war z.B. das sich gewisse mit dem Euro als Ölwährung liebäugelnde Staaten davon zurück gezogen haben - das haben die Ami´s also schon geschafft.

Nächste Runde: Europa destabilisieren! Alle sollen streiten, Länder Veto´s gegen alles einlegen etc - EU wird handlungsunfähig! Wollen wir wetten das es so kommt!

melden

Re: Haircut? Vor allem mit dem "Hebel" hat man jetzt einen Damm gebrochen, der an Irrsinn nicht mehr zu überbieten ist. Denn im Prinzip funktioniert das so, dass der EFSF Anleihen maroder Staaten erwirbt.Diese behält er nicht, er verkauft sie vorerst auch nicht am Sekundärmarkt, nein, er verwendet sie als Garantie für Kredite, die er bei der Europäischen Zentralbank aufnimmt. Mit diesem frischen Geld geht er abermals in den Anleihenmarkt, kauft abermals Junk-Anleihen, präsentiert sie als Garantien der EZB und nimmt abermals ein Darlehen auf. Mit dem frischen Geld ...usw.usf.

Und etzt haben wir es schwarz auf weiß und einzementiert: Risiko und Geldmenge in der Eurozone werden auf Teufel komm raus multipliziert. Ja sind denn alle schon vollkommen wahnsinnig? Ich blick da nicht mehr durch.

stabilis melden

Re: Haircut? So ist es! Es wird eine rasende Inflation nach sich ziehen und am Ende des Tages stirbt der Euro, mit ihm auch die maroden Schulden und das Spiel geht von vorne los. Europa wird wieder 50 Jahre brauchen bis es wieder ein Faktor in der Welt ist - alles wegen dieser Politik der unfähigen Entscheidungen seit nunmehr 11 Jahren! Mit der EURO Einführung und dem zwangsweisen Aufnehmen jedes maroden Staates in die EU ist es losgegangen - Rumänien, Bulgarien, Polen, die Tschechen, die Slowaken, Ungarn .... alles Länder mit rund 300 - 600 Euro Durchschnittseinkommen und einem Bruchteil der Wirtschaftsleistung der Kernstaaten. So hat ÖSterreich pro Kopf z.B. ca. 2,5 x so hohes Bruttoinlangsprodukt als Polen!

Sie machen uns kaputt, unsere Sparguthaben sind bald hinüber!

wintersun melden

Re: Haircut? Was diese REALITÄTSVERWEIGERER einfach nicht kapieren können oder wollen ist dass das Projekt Euro von Grund auf schon nicht funktionieren kann. Dafür sind die Unterschiede zwischen den Ländern einfach zu groß. Aber das brennende Haus wird immer wieder und wieder und wieder mit ein paar Spritzern Wasser versucht zu löschen aber das Glutnest bleibt und flammt bei ein bisschen Wind sofort wieder auf! Was ich nicht wusste ist das der Amerikaner den Euro versucht zu destabilisieren, ich dachte der Dollar hängt quasi auch vom Euro ab? Das mit dem Öl und dem Dollar als Leitwährung war mir allerdings bekannt.

vardka013@hotmail.com melden

Re: Haircut? wow...ihr seit alle schon sehr festgefahren in eurer meinung, was?

die ganze welt nimmt das positiv auf, aber ihr geht davon aus, dass er euro fällt, was nicht nur ziemlch unwahrscheinlich ist, sonder auch die wahre katastrophe wäre.

und ich glaub nicht, dass der hebel so funktionieren wird, da es nicht so rüber kommt, dass sarkozys vorschlag, dem efsf bankerechte zu geben, übernommen wurde...ich glaub eher, dass der hebel über SPVs gemacht wird...der hebel erhöht zwar die wahrscheinlichkeit das ganze geld zu verlieren, dafür müssen wir nicht mehr geld nachschießen und der efsf braucht einfach eine höhere schlagkraft

und leute...lern mal zu argumentieren...ihr nennt einfach oft fiktive fakten und nennt nicht ein argument warum das so ist, außer mit irgendwelchen populistischen statments

melden

lieber vardka Das was Du als die ganze Welt bezeichnest, sind diejenigen, die kurzfristig von dieser Lösung profitieren und das sind in erster Linie die Finanzmärkte.

Und ich brauche keine Experten, die von wenig viel wissen, um mir die Problematik zu erklären, ich schaue hin. Und wenn man sieht, dass in den letzten 20 Jahren sich die weltweite Produktivität ver4-facht hat, während sich das Kapital ver- 40-fachte, dann denkt man sich was dabei. Wenn man also sieht, dass diesen Schulden relativ geringe reale Werte gegenüberstehen, dann denkt man sich was dabei. Wenn jetzt daran gegangen wird, die Schuldenproblematik mit erneuten Schulden zu lösen, dann denkt man sich was dabei. Und ich brauche die komplizierte Sachlage nicht zu verstehen, um zu ahnen, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann.That\'s it.

wintersun melden

Re: Haircut? Na wir werden ja sehen was in den nächsten Jahren passiert. Ich würde mir zutiefst wünschen dass der EFSF funktioniert und Europa sich wieder erholt. Kaum auszudenken was passieren könnte wenn es richtig crasht. Nur glaube ich nicht das es auf lange Sicht funktionieren wird da meiner Meinung nach die Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten zu hoch sind, das beginnt bereits bei der Mentalität. Das griechische Volk kämpft massiv gegen die geplanten Einsparungen und will es sich nicht gefallen lassen die Zeche zu begleichen. Braucht mir niemand erzählen dass das Volk alleine Schuld hat an der Misere aber es wird gezwungen alleine dafür zu zahlen. So, was würde in Spanien (Arbeitslose über 20%) oder Portugal los sein wenn solche einschneidenden Massnahmen beschlossen würden?

stabilis melden

Re: Haircut? Ich bin seit mehr als 20 Jahren Unternehmer im internationalen Bereich und ohne Konkurs, Schulden oder sonstigen Risken! Ich zahle pünktlich alle Löhne, Steuern und Lieferanten.

Wenn ich nur einen Tag in den letzten 20 Jahren so gewirtschaftet hätte wie die Politik und die Finanzwirtschaft, hätte ich längst Konkurs anmelden müssen und dann noch ein strafrechtliches Kridaverfahren mit Verurteilung und Gefängnis hinter mir!

Das nur als Statement mit Hintergrund aus der Realwirtschaft!

Was hier gemacht wird ist nur den Politikern möglich - Sie machen

a.) Geschäfte mit dem Geld fremder Leute (uns)
b.) Nehmen Kredite auf für die sie nicht haften
c.) und wenn sie nicht zahlen dann drucken sie einfach mehr und mehr Geld

Resultat: Inflation, Crash, Armut - und dann wiederaufbau durch UNS!

Seite 1 von 1