Fakten von

EU-Drogenbericht 2016:
Ecstasy kehrt zurück

Illegale Drogen bleiben Milliardengeschäft. Cannabis und Stimulanzien im Trend.

Fakten - EU-Drogenbericht 2016:
Ecstasy kehrt zurück © Bild: (C)2009 {your name}, all rights reserved

Eine Rückkehr von Ecstasy auf dem Drogenmarkt und einen Anstieg der Zahl der Todesfälle bei Suchtkranken die Europäische Drogenbeobachtungsstelle EMCDDA (Lissabon) in ihrem Jahresbericht 2016. 2013 dürfte der Umsatz mit illegalen Suchtgiften um die 24,3 Milliarden Euro ausgemacht haben.

Der Report beschreibt laut seinen Autoren "einen nach wie vor robusten europäischen Drogenmarkt, wobei inzwischen insbesondere bei einigen Indikatoren für Cannabis und Stimulanzien (darunter auch Ecstasy) ein Aufwärtstrend festzustellen ist. Insgesamt lassen die Daten über das Drogenangebot auf einen hohen oder steigenden Reinheitsgrad oder Wirkstoffgehalt der meisten illegalen Substanzen schließen."

Was immer Polizei und Justiz unternehmen, Suchtgifte sind eine Problematik, in welcher der Bedarf von Konsumenten und vor allem der Suchtkranken den Markt bestimmt und unterhält. 22,1 Millionen Erwachsene im Alter zwischen 15 und 54 Jahren haben laut der EMCDDA in den vorangegangenen Monaten Cannabis benutzt (6,6 Prozent der Personen aus dieser Altersgruppe; ein Prozent mit täglichem oder fast täglichem Konsum). 3,6 Millionen Personen aus dieser Altersgruppe konsumieren innerhalb eines Jahres zumindest einmal Kokain (1,1 Prozent). 0,8 Prozent der Erwachsenen benutzen innerhalb eines Jahres MDMA (3,4-Methylendioxy-N-Methamphetamin, Ecstasy; 2,5 Millionen Konsumenten).

Sorge um MDMA-Konsum

Sorgen macht den Experten der Trend bei Ecstasy: "Es gibt Anzeichen dafür, dass MDMA sowohl unter jenen, die bereits seit Längerem Stimulanzien konsumieren, als auch bei einer neuen Generation von Drogenkonsumenten zunehmend an Beliebtheit gewinnt."

Etwa 2,1 Millionen junge Erwachsene (15 bis 34 Jahre) berichten, im letzten Jahr MDMA konsumiert zu haben (das sind 1,7 Prozent dieser Altersgruppe). Der EMCDDA-Jahresbericht: "Bis vor Kurzem war der MDMA-Konsum rückläufig, nachdem er Anfang bis Mitte der 2000er-Jahre seinen Höchststand erreicht hatte. Jüngste Erhebungen deuten auf einen steigenden MDMA-Konsum in Europa hin. Neun von zwölf Ländern meldeten in neuen Erhebungen höhere Schätzungen des MDMA-Konsums unter jungen Erwachsenen als in vergleichbaren früheren Erhebungen."

EU-Markt rund 25 Mrd. Euro schwer

In Europa gibt es um die 1,3 Millionen Hochrisiko-Opiatkonsumenten (intravenöser Heroinkonsum etc.). "Neue psychoaktive Substanzen" dürften innerhalb eines Jahres etwa drei Prozent der 15- bis 24-Jährigen verwendet haben. Die Zahlen stammen aus nationalen Schätzungen und Umfragen der EU-Mitgliedsstaaten.

Das macht einen Riesenmarkt. "Einer vorsichtigen Schätzung zufolge belief sich der Wert des Endkundenmarktes für illegale Drogen in der Europäischen Union im Jahr 2013 auf 24,3 Mrd. Euro. Mit einem geschätzten Handelswert von 9,3 Mrd. Euro auf Konsumentenebene und einem Marktanteil von etwa 38 Prozent machen Cannabisprodukte den Löwenanteil des europäischen Marktes für illegale Drogen aus. An zweiter und dritter Stelle folgen Heroin mit geschätzten 6,8 Mrd. Euro (28 Prozent) und Kokain mit 5,7 Mrd. Euro. Einen geringeren Marktanteil haben Amphetamine mit geschätzten 1,8 Mrd. Euro; acht Prozent), gefolgt von MDMA mit knapp 0,7 Mrd. Euro (drei Prozent)", heißt es in dem Report.

Mehr Heroinopfer

Einen traurigen Trend - in Österreich ist er gegenläufig - registriert die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) in ihrem aktuellen Jahresbericht bezüglicher Mortalität von Hochrisiko-Opiatabhängigen: "2014 kam es in der Europäischen Union zu schätzungsweise mindestens 6.800 Todesfällen aufgrund von Überdosierungen." Der Trend zeige aktuell nach oben.

Nach einem Anstieg der Zahl der Drogenopfer in Europa von rund 6.000 im Jahr 2003 auf etwa 8.000 im Jahr 2008 war es wieder zu einem Rückgang auf unter 7.000 (2012) gekommen. Vor allem Mischkonsum von Opiaten mit verschiedenen anderen Substanzen (Tranquilizer, Alkohol) ist hochgefährlich, weil bei Überdosierungen die Gefahr einer Atemlähmung dadurch dramatisch zunimmt.

Zwar spielen Überdosierungen die größte Rolle, doch beteiligt sind auch Infektionen, Unfälle, Gewalt und Suizid. Die beste Möglichkeit, diesen Tragödien zu begegnen sind die medizinische Behandlung der Opiatabhängigen per Substitutionstherapie und begleitende Maßnahmen (Spritzentauschprogramme, medizinische Rundum-Betreuung etc.). Österreich liegt bei den Drogentoten pro Million Einwohner in Europa im Mittelfeld (Kategorie zehn bis 40/Million Einwohner und Jahr). Besser schneiden Portugal, Frankreich und zum Beispiel Italien (weniger als zehn Todesopfer pro Million Einwohner) ab.

Kommentare