"EU-Außengrenzen werden Massengräber":
Harsche Kritik an Europas Asylpolitik

Weltflüchtigstag im Zeichen der Bootsflüchtlinge Pro Asyl: Europa muss Menschenrechte ernst nehmen

Am Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen übt die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl harsche Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik. "Für Menschen auf der Flucht sind Europas Außengrenzen zum Massengrab geworden", schrieb Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl, in einem Exklusivbeitrag in der "Frankfurter Rundschau". Die Zahlen sprächen eine klare Sprache: "8.114 Tote im Mittelmeer und Atlantik, 2.486 im Kanal von Sizilien, 3.986 zwischen Nordafrika und Spanien, in der Meerenge von Gibraltar und bei den Kanaren, 885 in der Ägäis seit 1988".

Während die EU-Innenminister wie zuletzt Anfang Juni die Aufnahme schutzbedürftiger Flüchtlinge aus dem Irak diskutierten, fände an den EU-Außengrenzen "in ihrem Auftrag ein erbarmungsloser Kampf gegen Schutzsuchende statt", rügte Burkhardt. Die europäischen Staaten hätten die EU-Außengrenzen in den vergangenen Jahren aufgerüstet und gingen mit Härte gegen Flüchtlinge und Migranten vor. Die Politiker sprächen nicht von Flüchtlingen, sondern "lieber über "illegale Migranten"".

Pro Asyl nimmt Europa in die Pflicht
Viele Bootsflüchtlinge kämen jedoch aus Staaten, in denen Krieg, Terror und Verfolgung an der Tagesordnung seien. "Europa, jahrhundertelang der Kontinent der Emigration und der Flucht vor unerträglichen Verhältnissen, darf es nicht hinnehmen, dass das Sterben an den Außengrenzen zur Normalität wird", mahnte Burkhardt. Pro Asyl appelliere an das Europäische Parlament: "Ein Europa, das die Menschenrechte ernst nimmt, muss Menschen retten aus Seenot ebenso wie vor Verfolgung."
(APA/red)