EU will Aufklärung zu Milchskandal in China:
Europäische Versorgungskette sicherstellen

Giftige Chemikalien auch in anderen Produkten Wegen Milchskandal schwarzer Kaffee bei Starbucks

EU will Aufklärung zu Milchskandal in China:
Europäische Versorgungskette sicherstellen © Bild: APA/EPA/Hilton

Nach dem Skandal um verseuchtes Milchpulver in China hat die Europäische Kommission die EU-Mitgliedstaaten zur Verschärfung ihrer Importkontrollen aufgerufen. "Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, um mögliche Sicherheitslücken zu stopfen", sagte die Sprecherin von Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou in Brüssel. Die Affäre zieht mittlerweile weitere Kreise: Die giftige Chemikalie Melamin wurden nun auch in Flüssigmilch und Fischfutter gefunden.

China hat keine von der EU anerkannten Prüfverfahren für Rückstände und exportiert deshalb keine Milchprodukte in die EU. Die Behörde habe die 27 Mitgliedstaaten dennoch aufgefordert, die Kontrollen an den Grenzen zu verschärfen, um illegale Importe zu verhindern, sagte die Sprecherin.

Vier Säuglinge tot, tausende Kleinkinder erkrankt
Die EU-Kommission verlange zudem von den chinesischen Behörden mehr Informationen über den Grad der Verseuchung und "diese Geschichte, die China foltert", sagte die Sprecherin. In China hat die Verseuchung von Milchpulver mit Melamin vier Säuglinge das Leben gekostet, tausende Kleinkinder sind erkrankt. Auch in Frischmilch wurde die giftige Chemikalie inzwischen gefunden.

Mit Melamin, das in der Industrie als Bindemittel eingesetzt wird, kann in minderwertiger Milch ein höherer Proteingehalt vorgegaukelt werden. Nach Angaben der chinesischen Behörden drohen Erwachsenen von der mit Melamin versetzten Milch keine gesundheitlichen Schäden.

Demnach enthielten nahezu zehn Prozent der getesteten Proben der Großmolkereien Mengniu und Yili bis zu 8,4 Milligramm Melamin pro Kilogramm. Auch Milch der in Shanghai ansässigen Großmolkerei Bright Dairy sei kontaminiert gewesen.

Die Behörde kündigte strenge Strafen für die Verantwortlichen an. Das Melamin war zunächst nur in Milchpulver gefunden worden und die Regierung erklärte, flüssige Milch sei sicher. Unterdessen bangten in den Krankenhäusern tausende Eltern um die Gesundheit ihrer Kinder, die wegen Nierensteinen behandelt werden mussten. Drei Babys starben bereits nach dem Verzehr gepanschter Milch, bei einem vierten besteht der Verdacht.

Bisher zwölf Verdächtige festgenommen
Die Ermittlungsbehörden nahmen bisher 18 Personen fest. Zwölf werden nach Polizeiangaben beschuldigt, verdünnte Milch mit Melamin versetzt zu haben. Den anderen sechs wird vorgeworfen, die Substanz an Molkereien und Milchpulverhersteller verkauft zu haben. Chinesische Supermärkte räumten in großem Umfang betroffene Lebensmittel aus ihren Regalen.

Der führende chinesische Milchpulver-Produzent Sanlu soll schon im März erste Hinweise auf Probleme mit seiner Milchnahrung erhalten haben. Tests enthüllten dann Anfang August die Verunreinigung des Pulvers, kurz vor Beginn der Olympischen Spiele. Sanlu rief sein Milchpulver aber erst am 11. September zurück, nachdem eine neuseeländische Niederlassung die dortige Regierung alarmiert hatte, die dann wiederum die chinesische Regierung informierte.

Kaffee bei Starbucks bleibt vorerst schwarz
Wegen des Milchskandals bleibt der Kaffee bei Starbucks in China vorerst weitgehend schwarz. In zwei Dritteln seiner Filialen in China zog das US-Unternehmen seine Milch zurück, sagte die örtliche Sprecherin der Kaffeehauskette, Caren Li, am Freitag in Shanghai. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, mit der den Sorgen der Kunden Rechnung getragen werde. In den Skandal um verseuchte Milch ist auch einer der Hauptlieferanten von Starbucks in China, Mengniu, verwickelt.

In Südkorea haben Ermittler die Chemikalie Melamin in Fischfutter aus China entdeckt. Spuren von Melamin seien in Fischfutter aus chinesischem und südkoreanischem Tintenfisch entdeckt worden, teilte das Ministerium für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft und Fischerei am Freitag in Seoul mit.

Dem Ministerium zufolge stellte eine einheimische Firma von April bis Juli 612 Tonnen Fischfutter aus chinesischem und südkoreanischem Tintenfisch her und verkaufte davon 586 Tonnen an Fischfarmen. Der Rest sei zurückgerufen oder entsorgt worden. 16 Fischfarmen, die dieses Futter verwendeten, hätten 400 Tonnen Wels an Händler und Restaurants verkauft.

(apa/red)