Ex-Liebhaber sagen aus

Einer der Sex-Partner beschreibt sie als gefallsüchtig: "Sie war unterwürfig"

von Die Ex-Liebhaber von Estibaliz C. sagten am zweiten Prozesstag vor Gericht aus. © Bild: DIETER NAGL/AFP/Getty Images

"Es war eine insgesamt harmonische Ehe", erklärte der Trauzeuge. Holger sei zunächst "sehr zufrieden" gewesen, doch nach dem Umzug nach Wien und der Eröffnung des Eissalons in der Oswaldgasse sei "Unzufriedenheit auf beiden Seiten" eingekehrt, an deren Ende eine einvernehmliche Scheidung stand. Das Eis-Geschäft habe sich danach schlecht entwickelt, Holger habe aussteigen wollen, dies aber seiner Ex-Frau verheimlicht, weil er von ihrer Seite Konsequenzen befürchtet hätte. Auf seine Frage, was er damit meine, habe sich Holger ihm gegenüber nur in kryptischen Andeutungen wie "Ich könnte dir Sachen erzählen, da würdest du mit den Ohren schlackern" ergangen, meinte sein langjähriger Freund.

Als Holger plötzlich von der Bildfläche verschwand, habe er befürchtet, "dass er Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte" und zugleich "das abstrakte Gefühl gehabt, dass das etwas mit Esti zu tun haben könnte", gab der Zeuge an. Diese habe ihm allerdings versichert, ihr Ex-Mann habe sich "auf und davon gemacht" und "seine Sachen gepackt". Estibaliz C. wisse "genau, was sie tut", betonte der Zeuge: "Wenn es ums Geschäft ging, war nichts mit humanistischen Sichtweisen."

"Alles getan, um einem zu gefallen"

Zuvor hatte das Schwurgericht mehrere ehemalige Liebhaber der Angeklagten vernommen. Während sich zwei von ihnen durchwegs wohlwollend über diese äußerten ("Ich habe sie als hübsche, nette Frau kennengelernt"), beschrieb ein anderer die 34-Jährige als gefallsüchtig: "Die Esti war eine, die alles getan hat, um einem zu gefallen." Ihre Beziehung, die er im Mai 2009 beendet hatte, habe sich nicht "auf Augenhöhe" abgespielt. Estibaliz C. sei "unterwürfig" gewesen: "Wenn man sie schärfer angesprochen hat, ist sie gleich in Tränen ausgebrochen." Zudem habe ihr "die Authentizität gefehlt. Sie war nicht das, was sie vorgegeben hat. Sie hat sich als perfekt präsentiert, was sie aber nicht halten konnte", sagte der 45-Jährige.

Manfred H., mit dem die Eissalon-Besitzerin im Anschluss liiert und den sie im November 2010 im Schlaf erschossen, zerstückelt und einbetoniert haben soll, beschrieb dieser Zeuge als "Schlitzohr". Estibaliz C. habe ihm einmal über den Eismaschinen-Vertreter berichtet: "Ich suche einen Mann und er will einen Eissalon."

Mehrere Schönheits-OPs

Manfred H. soll im übrigen den Ausschlag dafür gegeben haben, dass sich die Angeklagte mehrerer Schönheitsoperationen unterzog, wie sie freimütig dem Gericht erzählte: "Manfred hat sich beschwert, dass meine Nase zu groß ist." Also habe sie sich auf ihre Kosten "zu der Frau Doktor" begeben. Ihn hätten auch ihre Falten gestört: "Ich habe die Augen mit Botox spritzen lassen. Das Gleiche mit den Falten an der Stirn." Der Eismaschinen-Vertreter habe nämlich auf einer Pony-Frisur bestanden, dafür sei eine glatte Stirn nötig gewesen, erläuterte die Angeklagte.

Ihre ursprünglich dünnen Lippen hätten Manfred ebenfalls missfallen: "Ich musste einen schönen Mund haben. Er wollte einen erotischen Mund für mich haben." Also ließ sie sich die Lippen aufspritzen. Der Endvierziger soll weiters an ihren Hüften und ihren Brüsten Anstoß genommen haben. "Er wollte, dass ich an den Hüften Fett absaugen lasse. Er wollte mehr Holz vor der Hütte haben", diktierte die 34-Jährige der Schriftführerin. Diese Eingriffe habe sie aus Angst vor möglichen gesundheitlichen Folgen abgelehnt.

Dafür sei sie oft noch nach Zwölf-Stunden-Schichten im Eissalon laufen gegangen: "Ich musste viel Sport machen auf seinen Wunsch. " Regelmäßig sei sie die Oswaldgasse auf- und abgelaufen, um Hinterbergers Vorstellungen zu entsprechen, verriet Estibaliz C.

Die Verhandlung wird Mittwoch im Großen Schwurgerichtssaal mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt. Das Urteil ist für Donnerstag geplant

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