Schwurgericht richtet über Eislady

Verhandlung für vier Tage anberaumt - Angeklagte wird am Vormittag einvernommen

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© Video: NEWS.AT

Nach Ansicht der Staatsanwälte bleibt die als "geistig hochgradig abnorm" eingestufte Estibaliz C. ihr Leben lang brandgefährlich. Der Angeklagten drohen 10 bis 20 Jahre Haft oder eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Esti bekennt sich schuldig

Kurz nach 9 Uhr hat der Prozess unter großem Puiblikumsinteresse begonnen. Die Staatsanwältin eröffnet, die Persönlichkeitsstörung von Estibaliz C. mache die Angeklagte zu einer tickenden Zeitbombe und fordert daher eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Esti bekennt sich schuldig. Außerdem erzählt sie: "Mein Vater war zu Hause ein Tyrann. Ich habe durch meinen Vater gelernt nach außen hin friedlich zu zeigen, was nach innen nicht die Wahrheit ist." Und weiter: "Mir ist wichtig, die ganze Wahrheit zu sagen, damit ich die Strafe bekomme, für das was ich wirklich getan habe."

Die Eis-Lady über Holger H.

Über Holger H.: "Er war nach der Hochzeit nicht mehr der gleiche Mann, er hat mich angeschrien und beschimpft, wenn ich nicht richtig deutsch gesprochen habe. Er hat mich nie verletzt, daher konnte ich nicht zur Polizei gehen, ich war nie blutig." Esti über den Mord: "Ich habe die Waffe gesehen, habe sie genommen und geschossen. Ich stand hinten rechts. In Erinnerung habe ich nur den ersten und zweiten Schuss, insgesamt waren es vier Schüsse." Esti weint bei Beschreibung, wie sie Leiche entsorgt hat: "Es war überall der Geruch von Blut, es war unerträglich, die Bilder sind immer noch in meinem Kopf, das ist der Horror gewesen." Sein Gesicht habe sie sofort zugedeckt nach der Tat, mit einem blauen Tuch, sie hätte das Gesicht nicht sehen können.

Staatsanwältin Petra Freh beschrieb die Angeklagte Estibaliz C. als "einzigartige Persönlichkeit". Das sei es neben dem Medienecho, was die Verhandlung eben nicht zu einem Mordverfahren wie jedes andere mache. "Fest steht, dass die Angeklagte zwei Gesichter hat", so Freh. Estibaliz C. werde versuchen, das Bild der lieben braven Frau zu präsentieren, die "niemals in der Lage ist, so etwas noch einmal zu tun". Mit so etwas meinte die Anklägerin die beiden Morde an den Lebensgefährten der 34-Jährigen.

Das andere Gesicht der 34-Jährigen

Ihre eigene Aufgabe, so sagte Freh, sei es, das andere Gesicht der 34-Jährigen zu zeigen: das einer "eiskalten, brandgefährlichen Frau". Es folgte ein Appell an die Geschworenen: "Lassen sie sich nicht täuschen: Behalten sie während der Verhandlung immer im Hinterkopf, dass die Angeklagte schon zweimal in der Lage war, das zu tun!" Die 34-Jährige sei "eine tickende Zeitbombe".

Das wird Estibaliz C. zur Last gelegt

Detailliert beschrieb Freh, was sie Estibaliz C. zur Last legt. Es sei nicht das berufliche Ziel der Angeklagten gewesen, Karriere zu machen, sondern sie wollte eine Familie gründen und Kinder haben. Doch die beiden Mordopfer, ihr Ex-Ehemann Holger H. und ihr Lebensgefährte Manfred H., hatten andere Vorstellungen gehabt, die letztlich tödlich waren. Zunächst war da der geschiedene Mann, mit dem sie aber weiterhin den Eissalon "Schleckeria" in der Oswaldgasse betrieb und der auch weiter in der gemeinsamen Wohnung gleich neben dem Eisgeschäft lebte.

So kam es zum Mord

"Immer wieder ist ihr der Gedanke eingeschossen, wie sie die Beziehung zu Holger H. beenden könnte, und da kam sie auf die Idee, ihn zu eliminieren", schilderte Freh. Auch die Scheidung brachte keine endgültige Trennung, die den Weg für eine neue Beziehung freigemacht hätte. So kam es zum Mord am 27. April 2008. Estibaliz C. habe die Pistole, eine Beretta, Kaliber 22, genommen, während Holger H. nichts ahnend am Computer saß. "Sie stellte sich hinter ihn und schoss ihm zweimal aus nächster Nähe rücksichtslos, eiskalt in den Kopf", so die Staatsanwältin. Um sicher zu gehen, habe sie noch ein drittes Mal abgedrückt, diesmal auf die Schläfe des Opfers.

Details der Leichenbeseitigung

Freh ließ auch die Details der Leichenbeseitigung nicht aus: Zunächst der gescheiterte Versuch, den Toten in der eigenen Wohnung zu verbrennen, und dann, wie sie den großen stattlichen Mann mit einer Hebebühne im Ganzen in eine Tiefkühltruhe befördern wollte, was ebenfalls misslang. So kam Estibaliz C. laut Anklage auf die Idee, eine Kettensäge zu kaufen und den Toten, der bereits mehrere Tage in der Wohnung lag, zu zerteilen.

Wenige Monate später musste Estibaliz C. die Wohnung räumen. Doch noch immer befand sich der zerteilte Holger H. in ihrer Tiefkühltruhe. Sie habe "auf offener Straße" die Leichenteile in den Eissalon gebracht und in einem ihr überlassenen Kellerabteil einbetoniert. Das Problem dabei: Der Kopf und ein weiterer Teil waren laut Freh am Boden der Tiefkühltruhe angefroren. Estibaliz C. habe daher einfach Beton in die Truhe gegossen und zwei Bekannte bezirzt, die Truhe in ein Kellerabteil unter der "Schleckeria" zu tragen, das ihr zur Nutzung überlassen wurde.

Zu diesem Zeitpunkt schien es für die Angeklagte gut zu laufen, so die Staatsanwältin. Estibaliz C. hatte mit Manfred H. einen Lebensgefährten, der ihr sagte, dass er sie liebe und sie heiraten wolle. Doch allmählich wurde ihr klar, dass er mehrgleisig fuhr und auch andere Frauenbekanntschaften pflegte. Da reiften in ihr laut Freh neue Mordpläne. Diesmal sei die Angeklagte aber "gezielt und strukturiert" vorgegangen, vom Grundkurs im Schießen und privaten Übungen mit einer Faustfeuerwaffe bis zur Besorgung einer Kettensäge und von Zement im Vorfeld der Tat mit einem Aliasnamen, bis sie schließlich wieder die Beretta aus dem Keller holte.

So tötete sie Manfred H.

Den Abend des 21. November 2008 verbrachten Estibaliz C. und Manfred H. beim Punsch im Museumsquartier. Freunde, die dabei waren, wussten nichts von Disharmonien des Paares zu berichten. Die beiden fuhren nach Hause in die gemeinsame Wohnung in der Steinackergasse. Dort wartete Estibaliz C., bis ihr Freund eingeschlafen war, kleidete "aus Erfahrung, zu welcher Sauerei es bei der Tötung kommen würde", Boden und Wände mit einer Plastikfolie aus und schoss Manfred H. aus nächster Nähe in den Hinterkopf, berichtete Freh.

Estibaliz C. ging am nächsten Tag in den Eissalon und bereitete alles für die neuerlichen Betonarbeiten vor. Wieder zu Hause, zerstückelte sie Manfred H., brachte ihn in den Eissalon und betonierte ihn in Mörtelwannen ein, so Freh. In weiterer Folge ging sie eine neue Beziehung mit ihrem heutigen Mann ein, wurde schwanger, bis ein Nachbar im Keller Installationen durchführte und dabei die Leichen fand. Die Flucht dauerte nur kurz, in Udine wurde Estibaliz C. verhaftet.

Estibaliz C. profitierte auch finanziell von den Morden

Die Staatsanwältin wies nebenbei darauf hin, dass Estibaliz C. auch finanziell von den Morden profitiert habe, indem sie Lebensversicherungen der Toten kassieren wollte. Den Angehörigen von Manfred H. schuldet sie so 150.000 Euro. Freh forderte die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher, Estibaliz C. habe die Taten "unter Einfluss ihrer Persönlichkeitsstörung" vollbracht.

Verteidiger rügt Anklage

Als tendenziös und unvollständig hat Verteidiger Rudolf Mayer das Eröffnungsplädoyer der Staatsanwältin im Wiener Kellerleichen-Prozess kritisiert. Die Anklägerin habe "absichtlich nicht gesagt, was wirklich vorgegangen ist", meinte Mayer in seiner Replik. Estibaliz C. sei "ein schwer gestörter Mensch, der sich nicht ausgesucht hat, gestört zu sein".

Die Anklägerin habe verschwiegen, dass Holger Holz ein jähzorniger, "gemeiner" Mann gewesen sei, so Mayer unter Bezug auf die Angaben einer früheren Partnerin des Deutschen. Diese - immerhin eine Polizistin - habe sich aus Angst vor ihm sogar einmal in ein Zimmer eingeschlossen.

Vor dem gewaltsamen Ende des Deutschen sei es entgegen der Darstellung der Anklage zu einem Streit mit Estibaliz C. gekommen, erklärte Mayer. Ähnlich sei es später bei Manfred Hinterberger gewesen, wo es zu einer verbalen Auseinandersetzung wegen dessen Untreue gekommen sei. Der Mann habe seiner Mandantin an den Kopf geworfen, dass sie sich mit seinem Verhalten "arrangieren" müsse, weil er ansonsten "die Lust" verliere.

Kommentare

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zwei Morde samt Zerstückelung und zwei Top Anwälte denken an ein Urteil welches ihnen selbst Achtung und Reklame bringen wird? Die spinnen alle...

harnof melden

auch auf die gefahr hin, dass das wieder gelöscht wird, am meisten spinnt aber die news redaktion, die eine doppelmörderin liebevoll "esti" nennt.

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