Essstörungen von

Diät als Einstiegsdroge

Anorexie, Bulimie und Co. Rund 15 Prozent der Bevölkerung leiden an Essstörung.

Besorgtes Mädchen im Teenageralter © Bild: Corbis

Eine Model-Branche, die Magersucht zum Schönheitsideal erkoren hat. Ein vermeintlich perfektes Aussehen, das mithilfe von Bildbearbeitungsprogrammen erschummelt wird. Was uns per Modemagazinen, Plakatwänden und TV-Sendungen präsentiert wird, ist alles andere als harmlos. Und nicht selten an der Entstehung von Essstörungen mitschuld.

Die Psychologin Michaela Langer spricht von einer "manipulierten Wahrnehmung des Normalen". Diese führt der Expertin vom Wiener Programm für Frauengesundheit zufolge zur Entstehung von Essstörungen wie Magersucht (Anorexie) oder Ess-Brechsucht (Bulimie). Betroffen sind vor allem junge Frauen. Denn gerade mit der Pubertät, wo "irrationale Vorbilder" es erschweren, das geänderte Körperbild zu integrieren, steigt die Gefahr, an einer Essstörung zu erkranken.

Wie irrational etwa die Traummaße "90-60-90" sind, hat eine Studie mit deutschen Frauen gezeigt: Gerade mal sechs der insgesamt 1.000 Teilnehmerinnen hatten diese Proportionen. Erreichen will man sie dennoch, die perfekte Figur. Mit der Folge, dass das Essen für die Betroffenen zu einem "angst- und schambesetzten" Vorgang wird.

Diät als Einstiegsdroge

"Die Diät ist dabei eine Art Einstiegsdroge zu einem gestörten Essverhalten", so Langer. Nimmt man zu den genannten Störungen noch die große Gruppe der "nicht näher spezifizierten Essstörungen" sowie das weniger bekannte Binge-Eating-Syndrom dazu, kommt man der Expertin zufolge auch bei vorsichtiger Schätzung auf rund 15 Prozent von Betroffenen in der Gesamtbevölkerung. Zwar gebe es keine konkreten Zahlen, da diese je nach Studie schwanken, dies schmälere aber nicht die Problematik.

Neben gesetzlichen Verboten, wie einem Bildbearbeitungsgesetz oder ein BMI-Minimum für Models, ist vor allem die Bewusstseinsbildung der gefährdeten Personen vonnöten. "Es gilt den Jugendlichen bewusst zu machen, dass man mehr als ein Körper ist", forderte Langer eine Abkehr von der Schönheit als einziges Kriterium der Attraktivität.

Die Vielfalt akzeptieren

Es fehle in unserer Gesellschaft ein Bekenntnis zu einer Körpervielfalt, denn immerhin, der Body-Mass-Index (BMI) definiert seinen gesunden Bereich bei den Werten 19 bis 25, was bei einer Größe von 1,70 Metern ein Gewicht zwischen 54 bis 72 Kilogramm als Bandbreite des "Normalen" ermöglichen würde.

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