Essen bald nicht mehr leistbar? Wetter und Bio-Diesel lassen Lebensmittelpreise steigen

Hagel und Dürre zerstören Anbauflächen in Österreich Naschende Chinesen: Preis für Milchpulver explodiert<br>PLUS ABSTIMMEN: Leidet auch Ihre Haushaltskasse?

Essen bald nicht mehr leistbar? Wetter und Bio-Diesel lassen Lebensmittelpreise steigen

Die Preise für Lebensmittel steigen und niemand will schuld sein. Die Bauern als erste in der Kette verweisen auf die Industrie, die die Preissteigerungen kaum an die Erzeuger weiterleiten würde. Die Industrie wiederum sieht die Schuld beim Handel, der die Preissteigerungen für höhere Gewinnspannen denn für höhere Industriepreise verwenden würde. Und der Handel beruft sich auf den Konkurrenzdruck.

Geht es nach nationalen und internationalen Marktbeobachtern, dann lassen sich drei Ursachen ausmachen: Das Wetter, die zunehmende Globalisierung und der Trend hin zu Treibstoffen vom Acker. So sind in Österreich heuer rund 10 Prozent der Anbaufläche von Hagel und Dürre in Mitleidenschaft gezogen worden. Laut Hagelversicherung treibt dies die Versicherungsprämien nach oben und führt langfristig dazu, dass bestimmte Pflanzen in Österreich nicht mehr angebaut werden.

Und während die weltweiten Wetterkapriolen den Ernten zusetzen, steigt gleichzeitig der Bedarf an höherwertigen Nahrungsmitteln in Asien und Südamerika. So führte der Wirtschaftsaufschwung in China zu einer Preisexplosion bei Milchpulver - dem Grundstoff für die Süßwarenindustrie. Dadurch steigt für die Molkereien der Anreiz, Milchpulver zu exportieren als Milch im eigenen Land zu verkaufen. Weiters steigt der Fleischkonsum - und um Fleisch zu produzieren, müssen Tiere ein Vielfaches an Getreide zu sich nehmen.

Dritter Preistreiber ist der Boom bei Biotreibstoffen. Dabei sollen die zum herkömmlichen Diesel und Benzin zugesetzten Mengen in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Österreich ist dabei ein Vorreiter innerhalb der EU. Da Biotreibstoffe gegenüber fossilen Ölen preislich nicht konkurrenzfähig sind, werden sie obendrein noch gefördert. "Die Bioenergie konkurriert mit der Milchkuh", meinte kürzlich die deutsche Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP). Und der deutsche Bauernverband meinte dazu: "Wenn der Preis (für Milch, Anm.) nicht hoch genug ist, muss der Bauer umsteigen".

Die EU sieht unterdessen die Preisanstiege gelassen. "Die Preise gehen rauf und runter. Im Moment sind sie gerade mal hoch", ist aus Brüssel zu hören. (apa/red)