ESC 2014 von

Song Contest: Conchita
Wurst beschimpft

Russlands Politiker verhöhnen Sängerin - Doch es gab auch gemäßigtere Reaktionen

Conchita Wurst gewinnt den Song Contest 2014 für Österreich. © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

In Russland hat Österreichs Song-Contest-Gewinnerin Conchita Wurst ordentlich polarisiert: Neben humorvollen Kommentaren hielten sich Medien und russische Politiker mit Beschimpfungen und Häme nicht zurück. Der Auftritt sei eine "Komödie", aber auch eine "Ansage an die Feinde der Toleranz", meinte die kremltreue Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" am Montag.

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Als einen "Zirkus mit einer bärtigen Frau", beschrieb das russische regierungsnahe Blatt "Iswestija" den Song Contest. Die russischen Zuschauer hätten allerdings Conchita bei ihrer Abstimmung immerhin auf den dritten Platz gesetzt, fügte "Iswestija" hinzu. "Sie haben also Humor, Toleranz und die Zuversicht geäußert, zur europäischen Zivilisation zu gehören", schrieb das Blatt.

Russischer Ultranationalist. "Das ist Europas Ende"

Einzelne prominente russische Politiker und die russisch-orthodoxe Kirche hingegen äußerten sich voller Abscheu. "Das ist Europas Ende!", wetterte der Ultranationalist Wladimir Schirinowski in einer Sendung des Staatsfernsehens. Europa habe "Durchfall mit Blut und Schaum". "Sie haben schon keine Männer und Frauen mehr. Bei ihnen gibt es nur noch 'Es'", schimpfte der Parlamentsabgeordnete. Und sagte weiters: "Vor 50 Jahren hat die sowjetische Armee Österreich besetzt, es freizugeben war ein Fehler, wir hätten dort bleiben sollen."

Wladimir Schirinowski
© imago/ITAR-TASS Wladimir Schirinowski

Der Kirchenfunktionär Wladimir Legojda bezeichnete den Sieg als "noch einen Schritt bei der Abkehr von der christlichen Identität der europäischen Kultur". Polens nationalkonservativer Oppositionsführer Kaczynski schlug in eine ähnliche Kerbe: "In Europa tun sich beunruhigende Dinge, die seine Dekadenz zeigen. Und diesen Trend sollten wir ablehnen", forderte er im TV-Sender TVN24.

Zwillinge ausgebuht

Der als Initiator des international umstrittenen russischen Anti-Homosexuellen-Gesetzes bekannte Kommunalpolitiker Witali Milonow in St. Petersburg kritisierte, dass Russlands Tolmatschewy-Zwillinge ausgebuht worden seien in Kopenhagen. "Die Dänen haben sich als Schweine erwiesen. Ein solches Pfeifen während unsere Künstler auftreten - ein Zeichen echter Degradierung. Euro-Homos schmort in der Hölle", twitterte der prominente Politiker.

Kirkorow will Wende

Russlands Pop-Papst Filipp Kirkorow warf Milonow "Volksverhetzung" vor. Es sei unerhört, dass das Staatsfernsehen solche Parolen verbreite. Er rief dazu auf, Conchita Wursts Sieg zu achten. "Vielleicht sollten wir einmal darüber nachdenken, nicht auf so kategorische Weise auf einige sensible Dinge zu reagieren", sagte er der Boulevardzeitung "Moskowski Komsomolez". Es könne eine Herausforderung an Russland sein, sich mit anderen Werten und auch mit anderen sexuellen Orientierungen auseinanderzusetzen.

Die Zwillige Nastja und Mascha Tolmatschewy (bzw. Tolmatschjowy) reagierten gelassen auf die Buhrufe, die sie in der Nacht zum Sonntag in Dänemark ernteten. "Eine solche Reaktion im Saal war nicht sehr nett, aber sie hat uns nur noch stärker gemacht", sagten die Schwestern der Zeitung "Moskowski Komsomelez". Sie selbst hätten während des Wettbewerbs keine negativen Erfahrungen gemacht. "Russland ist ein großes Land - und alles wird gut bei uns."

Kommentare

Conchita ist menschlich in Ordnung und das ist das wichtigste. Intoleranz und Fanatismus sind die gefährlichsten Eigenschaften der Menschheit. Viel Unglück wurde dadurch in der Vergangenheit angerichtet. Mir ist schleierhaft, warum daraus nicht gelernt wird. Wir alle haben Hirn, Verstand und Gefühl mitbekommen.

Eine absolute Frechheit, was sich diese Russen erlauben .... Leben selbst noch im tiefsten Mittelalter und wollen da über Europa ein Urteil abgeben ...... wg Conchita ......

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Mir ist "wurst", wer den ESC gewonnen hat. Ich fühle mich jedenfalls nicht als einer der "Wir Österreicher haben gewonnen". Genauso wenig wie wenn ein Sportler etwas "für Österreich" gewinnt. Mir wäre lieber, es würde uns einer die Hypo Alpe Adria vom Hals schaffen und dazu gleich ein paar hundert unserer Politiker.

wintersun melden

Und ich dachte schon Menschen wie Sie (welche noch ab und zu an wirklich wichtige Dinge denken) wären in Österreich ausgestorben. Ich "freue" mich ja bereits sehr stark auf die Fußball-WM, wo mir wieder täglich jemand erzählt wer welches Tor geschossen hat und im Hintergrund winken unsere Politiker heimlich TTIP durch. Doch das ist den Menschen sche*ßegal wenns Brot und Spiele gibt!

brabus melden

Man zur Kunstfigur Conchita Wurst stehen wie man will, aber die geistige Haltung und Aussagen diverser Politiker (auch in Österreich) zu künstlerischen Darstellungen ist mehr als erschreckend. Man kann nur hoffen, dass diese minderbemittelten Menschenverachter bald von der politischen Bühne verschwinden.

wintersun melden

Ich gebe zu ich war, als ich diesen Künstler die ersten Male in den Medien wahrnahm, angewidert. Warum? Weil es mich in meiner Meinung bestärkte dass uns solche Individuen absichtlich "vor die Nase gesetzt" werden um die familiären und konservativen Werte unserer Gesellschaft auszumerzen. Ich bekenne mich auch dazu, dass ich von dieser Verschwörungstheorie nach wie vor nicht ganz loslassen kann und es wohl auch nicht so schnell werde. Sagen wir mal es soll mir einer das Gegenteil beweisen hehe ;)

Nur eines hat sich in meinem Kopf geändert: Ich habe geschnallt dass es trotzdem vollkommen wurst ist (entschuldigen Sie das Wortspiel) wie eine Person aussieht. Man könnte an jedem Menschen so einige Vorurteile durch sein Äußeres ziehen, doch gerecht ist das bei keinem. Besonders leicht geht es natürlich bei einer Person wie Tom Neuwirth (ich hasse seinen Künstlernamen), nur fair ist es deswegen noch lange nicht. Keiner von uns kennt diese Person also sollten wir auch nicht urteilen.

Und ja, es war sogar für mich schockierend wie sich manche zu dieser Person äußerten und ihre dreckige Fratze zum Vorschein brachten. Und ich bin eher nicht der Typ welcher sofort "sche*ß Nazi" rausbrüllt, das können Sie mir glauben.

Brum melden

Vor 50 Jahren hat die sowjetische Armee Österreich besetzt, es freizugeben war ein Fehler, wir hätten dort bleiben sollen."
Vor 50 Jahren, sprich 1964 war kein Russ mehr in Österreich.
LERN GESCHICHTE DU RUSSISCHER STUTZKOPF!!!!!!!

Julia Bachmayer
Julia Bachmayer melden

Lieber Brum! Der Politiker hat gesagt, dass die sowjetische Armee bis 1955 dort geblieben ist usw. Was ist da Geschichtlich falsch? Da ist Video https://www.youtube.com/watch?v=ldiGK8PwOqM (1,05 Min)

strizzi49 melden

Ist es ein Wunder, bei einem Land, das heutzutage noch immer den Sieg über Nazi-Deutschland mit einer großen Militätparade feiert? Die Geisteshaltung dieser Ewiggestrigen kann man doch nur noch belächeln!

doubletrouble
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Ein Land das nach wie vor Hitlers Geburtstag feiert bzw. den Akademiker Ball ist ja um so vieles besser

Brum melden

@doubletrouble, wie doof kann man Vergleiche anstellen, offensichtlich sehr doof. Kein Mensch in Ö. feiert den Geb. von A.H. und was hat bitte ein Ball mit Krieg und einer Invasion zu tun????
Bitte zuerst nachdenken und dann erst posten

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Ja sie (er) hat den ESC gewonnen und sie hat einen Bart und er trägt Frauenkleider aber jetzt hat es sich schon mal. Bin ja gespannt wie lange das noch so geht. Wenn er oder sie letzte geworden wäre würde jetzt auf dieser Seite der ORF verteufelt werden, aber so ist das halt mal in Österreich.
Und zum Geburtsag am 20.4 kann ich nur sagen fahre mal zur Öberöster. deutschen Grenze, da feiert man.

Brum melden

Ihr feierts den Geb. vom Schickelgruber, warum? Da feier ich lieber die Wurst...

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