ESC 2017 von

Eurovision Song Contest Gewinner 2017 ist Portugal

Siegerstatement von Salvador Sobral: "Die Musik ist kein Feuerwerk"

Das Finale des 62. Eurovision Song Contests in Kiew konnte Portugal für sich gewinnen. Sänger Salvador Sobral holte sich mit seinem Song "Amar pelos Dois" klar den Titel. Er bewies damit, dass wahre Musik auch ohne Feuerwerk auskommt und weniger eben doch oft mehr ist. Sein Siegerstatement nutzte er als Plädoyer gegen den Song Contest. Er ist für echte Musik, die von Herzen kommt. Österreich belegte den 16. Platz.

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Der Erfolg ist der erste Sieg Portugals in der Geschichte des Song Contests. Salvador Sobral konnte ein Ergebnis von 758 Punkten erzielen. Der Jazzsänger Salvador Sobral setzte sich somit gegen den ebenfalls hoch gehandelten Kollegen Kristian Kostow aus Bulgarien und 24 weitere Länder durch. Den zweiten Platz belegte Kostow mit 615 Punkten. Platz drei gewann "Sunstroke Project" mit 374 Punkten.

Bulgarien ehrte Österreich mit den berühmten 12 Punkten in der Jury-Wertung. In der Gesamtwertung schaffte es Nathan Trent mit seinem selbst geschriebenen Lied "Running on Air" auf Platz 16.

© Thomas Hanses

Von Liebesballade bis Ballermann

Stilistisch zeigte sich das Finale dabei insgesamt breit aufgestellt wie selten. Von fröhlicher Partymusik mit Israels Imri Ziv und "I Feel Alive" über gut gelaunten Ethnoschlager von Weißrusslands Duo Naviband ("Historyja majho zyccia") bis zum minimalistischen Schwesterntrio O'G3NE aus den Niederlanden ("Lights And Shadows") spannte sich der Bogen. Ungarns Romamusiker Joci Papai bot seine berührende Lebensgeschichte "Origo" in Landessprache, während aus Kroatien Jacques Houdek es nach sechs erfolglosen Anläufen endlich zum ESC geschafft hat und dort "My Friend" gleich zweistimmig präsentierte - mit sich selbst im Duett als Bariton und im Falsett.

Australien bot bei seinem dritten - aber immer noch außerordentlichen - ESC-Antreten den erst 17-jährigen Aborigine Isaiah mit "Don't Come Easy" auf und konnte mit der berührenden Liebesballade Platz 9 erreichen. Die Schlusshut des heurigen Bewerbs bildet hingegen Spanien, erreichte Manel Navarro im offenen Hawaiihemd mit seiner banalen Ballermannnummer "Do It for Your Lover" doch lediglich 5 Punkte in Summe. Deutschland konnte mit der stimmstarken Levina und ihrer weniger markanten Nummer "Perfect Life" seinen Fluch des letzten Platzes nach zwei letzten Rängen nur moderat durchbrechen und landete mit 6 Punkten auf dem vorletzten 25. Platz.

Über die Bühne geflitzt

Für Aufregung in der Halle sorgte kurzfristig ein Flitzer, der während des Auftritts von Vorjahressiegerin Jamala mit Australien-Flagge bekleidet die Bühne erklomm, um die Sängerin herumtanzte und der Weltöffentlichkeit schließlich seinen blanken Hintern präsentierte, bevor er von der Security abgeführt wurde. Auch abseits nackter Tatsachen entzückte das musikalische Großevent ungeachtet widriger Witterung die Kiewer und lockte sie in die flankierenden Fanareale und die ESC-Halle abseits des Stadtzentrums.

Celebrate Diversity?

Die Bemühungen, dem heurigen Motto "Celebrate Diversity" gerecht zu werden, zeigte sich nicht zuletzt an Aktionen wie der Bemalung des monumentalen "Bogens der Völkerfreundschaft" in Regenbogenfarben - wogegen rechte Gruppierungen virulent protestierten. Schließlich lässt sich bei allen Bemühungen ein Nationenbewerb eben nicht gänzlich vom Politischen trennen.

Bereits im Vorfeld hatte der Disput zwischen der Ukraine und Russland dazu geführt, dass das Riesenreich seine Teilnahme zurückzog, nachdem das Gastgeberland der nominierten russischen Kandidatin Julia Samoylowa die Einreise wegen eines Besuchs der annektierten Krim verweigert hatte. Dass sich die Ukraine im weiterhin schwelenden Konflikt im Donbass praktisch im Bürgerkrieg befindet, wurde nicht zuletzt an den im gesamten ESC-Umfeld in Kohortenstärke aufgebotenen Soldaten und Polizisten deutlich. Und schließlich sagte Präsident Petro Poroschenko kurzfristig seinen Besuch des ESC-Finales wegen eines Bombenangriffs mit vier toten Zivilisten in der Ostukraine ab.

Mit Portugal erwartet den ESC-Tross nach längeren Jahren in östlichen und nördlichen Gefilden - wenn man von Wien als südlichstem Ausrichterland 2015 absieht - nun also eine mediterrane Destination mit mutmaßlich wärmeren Temperaturen und weniger gesellschaftspolitischem Begleitrauschen. Das kann zum Durchschnaufen ja auch mal ganz gut sein.

Der ungewöhnliche ESC-Sieger Salvador Sobral

Es war bereits eine kleine Überraschung, als sich der 27-jährige Salvador Sobral im März beim portugiesischen Vorentscheid für den 62. Eurovision Song Contest qualifizierte. Seine fadoangehauchte Ballade "Amar pelos dois" (Liebe für zwei) überzeugte durch Gefühl und Stimmung, nicht durch Bombast und Show.

Dieses Konzept verfolgte der am 28. Dezember 1989 geborene Spross einer Adelsfamilie dann auch in Kiew konsequent. Ein Mikrofon, in das Sobral mit meist geschlossenen Augen und immer wieder ungewohnt zuckenden Kopfbewegungen sang - mehr bedurfte es nicht für den ESC-Sieg.

Congratulations Salvador Sobral for winning the #Eurovision Song Contest 2017! 𯵵𯹹 #CelebrateDiversity

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Geschrieben wurde das in Portugiesisch gehaltene Stück von Sobrals Schwester Luisa, die den Sänger, um dessen Gesundheitszustand im Vorfeld zahlreiche Gerüchte kursierten, zu Beginn der Proben auch in Kiew vertrat. Er selbst nennt als Vorbild Jazzlegende Chet Baker und trat während der Vorbereitung unter anderem in einer Jazzbar als Überraschungsgast auf.

Dabei stand zu Beginn der Musikkarriere des ungewöhnlichen Musikers die mittlerweile übliche Castingshow, in seinem Fall "Idols", bei der er 2009 den siebenten Platz belegte. Unüblicher war da schon das folgende Psychologiestudium, das Sobral aber mittlerweile zugunsten des Musikerlebens aufgegeben hat. Nach einem längeren USA-Aufenthalt folgte das Jazzstudium in Barcelona - und im Vorjahr das Debütalbum "Excuse Me", wofür Sobral mit dem venezolanischen Komponisten Leonardo Aldrey kooperierte.