Erziehung von

"G'sunde Watsche"
immer noch aktuell

NEWS.AT-Umfrage: Viele wollen weiterhin Ohrfeigen austeilen dürfen

Erziehung - "G'sunde Watsche"
immer noch aktuell © Bild: Thinkstock

In Österreich ist die Gewalt gegen Kinder als Erziehungsmittel seit dem Jahr 1989 gesetzlich verboten, darunter fällt auch die "g'sunde Watsche". Sanktioniert wird die Watsche aber kaum. In vielen Köpfen scheint sie als beliebtes Erziehungsmittel für Kinder immer noch verankert zu sein, wie nun eine NEWS.AT-Umfrage* zeigt.

THEMEN:

Rund 1.150 Mal wurde bei der Umfrage abgestimmt (Mehrfachabstimmung war möglich), wobei auf die Frage "Sollen Eltern das Recht haben, ihre Kinder auch mithilfe von Watschen und Co. zu erziehen?" über 41 Prozent mit "Ja" geantwortet haben. Sie haben dafür plädiert, dass "eine g'sunde Watsche noch niemanden geschadet hat." Dafür dass Kinder absolut gewaltfrei erzogen werden sollen und die Prügelstrafe verboten gehört, haben rund 56 Prozent gestimmt. Knapp drei Prozent haben "Ist mir egal" angegeben.

Umfrageergebnis:

Sollen Eltern das Recht haben, ihre Kinder auch mithilfe von Watschen und Co. zu erziehen?

  • Nein.
    55,86%
  • Ja.
    41,43%
  • Ist mir egal.
    2,71%

Das ist laut Gesetz verboten

Laut Gesetz würden Eltern, die ihren Kindern eine saftige Ohrfeige verpassen, sich strafbar machen. Im Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) heißt es zur Gewalt in der Erziehung: "Eltern haben das Wohl ihrer minderjährigen Kinder zu fördern, ihnen Fürsorge, Geborgenheit und eine sorgfältige Erziehung zu gewähren. Die Anwendung jeglicher Gewalt und die Zufügung körperlichen oder seelischen Leides sind unzulässig. [...]" Außerdem sind die Rechte von Kindern im Bundesverfassungsgesetz verankert. Darin steht geschrieben: "Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, die Zufügung seelischen Leides, sexueller Missbrauch und andere Misshandlungen sind verboten. Jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung."

Studie: Tendenz zu gewaltfreier Erziehung

Familienministerin Sophie Karmasin hat sich bereits anlässlich des 25-Jahre Jubiläums der Kinderrechte-Konvention im November 2014 zu körperlicher Züchtigung in der Erziehung geäußert: "Gewalt darf niemals Teil der Erziehung sein und die sprichwörtlich "gesunde Watsche" ist niemals gesund, sondern immer falsch und kategorisch abzulehnen", sagte Karmasin.

Insgesamt tendieren die Österreicher immer mehr in Richtung gewaltfreie Erziehung. Eine Studie des Ministeriums für Familien und Jugend aus dem Jahr 2014 hat einen abnehmenden Trend bei der Einstellung zu körperlicher Gewalt gegen Kinder in den letzten dreißig Jahren verzeichnet: Im Jahr 1977 lehnten nur 27 Prozent der Befragten das "Schlagen" ab, heutzutage sind es schon 78 Prozent. Bedenklich bleibe laut Karmasin jedoch die hohe Anzahl der Gewalterfahrungen der Studienteilnehmer: 38 Prozent berichten von Schlägen mit der Hand, die sie in ihrer Kindheit erlebt hätten. Die Studie zeigt auch, dass nur 58 Prozent der Befragten überhaupt wissen, dass es in Österreich ein Verbot von Gewalt in der Erziehung gibt.

Kinder- und Jugendanwältin Gabriela Peterschofsky-Orange hält zu dem Thema in einer Aussendung fest: "Die sogenannte gesunde Watsche gibt es nicht. Dafür gibt es keinen Raum in der Erziehung, das ist auch verboten."

Auch wenn sich in Österreich mittlerweile ein Großteil für eine gewaltfreie Erziehung ausspricht, so passieren immer noch etliche Misshandlungen an Kindern: Im Jahr 2013 sind in Österreich insgesamt 260 Straftaten wegen Quälens oder Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen (Paragraf 92 StGB) angezeigt worden.

* Die Umfrage erhebt nicht den Anspruch einer repräsentativen Meinungsumfrage, sondern dient als Stimmungsbarometer.

Kommentare

Lars2205 melden

Wer zum Setzen einer klaren Grenze tatsächlich Gewalt benötigt sollte ev. nach Deutschland auswandern. Dort gibt es das Neandertal und dort könnt ihr euch sehr gerne gegenseitig die Schädel einschlagen. Aber lasst eure eigene verpatzte Kindheit und damit verbundene Unerwachsenheit nicht an unschuldigen Kindern aus....

11223344 melden

andererseits, wenns dir net passt kannst ja auch auswandern. am besten nach blauäugigstan. da werden sie den fratzen auch nicht herr

Oberon
Oberon melden

Erziehung sollte nicht bedeuten, sein Kind durch eine Ohrfeige ruhig zu stellen. Was ist, wenn es dann noch immer nicht gehorcht, weil es nicht einsieht, warum es die Ohrfeige bekommen hat? Gibt's dann noch eine? Keinem würde im Normalfall einfallen, seinem Kollegen, den man einen
Arbeitstag um sich hat, eine zu wischen, nur weil er einen gerade nervt.
Ein Kind versteht mehr, als man glaubt...

Oberon
Oberon melden

2.) ... oder glauben will. Erklären, was es falsch macht oder warum es etwas nicht machen darf, das sollte man irgendwann lernen. Überzeugen, nicht ohrfeigen!

Ivoir

Die berühmte Watschen ist leider ein Zeichen von Hilflosigkeit und dem Verlust seiner geistigen Kontrolle.
Das die Watschen gesund sein soll ist nur eine Ausrede um seine eigenen Fehler zu legalisieren.

Izmir-Ibel

Nachdem der Papst sich positiv dazu geäußert hat, ist es nicht verwunderlich, dass auch die anderen Mitglieder dieser abstrusen Sekte das Bedürfnis nach mehr Gewalt äußern.

Seite 1 von 1