Erziehung

Streitfall Herbstferien

David Pesendorfer über die Zeit mit den Kindern, die man als Eltern nicht hat

Erziehung - Streitfall Herbstferien © Bild: Beigestellt

Österreichs wichtigstes mathematisches Bildungsziel ist die Addition von Ferientagen. Soll sein, unsere lieben Kleinen und jene, die sie groß und g’scheit machen, schulden einander vernünftige Auszeiten. Daher muss die Ferienzeit in Summe auch unangetastet bleiben, alles andere würde Klassenkämpfe im breitesten Wortsinn beschwören.

Dennoch, werte Kollegin, müssen die pädagogischen Schaffenspausen endlich ein bisserl maßvoller verteilt werden – also her mit den Herbstferien! Letzter Sommer, Familienalltag auf Österreichisch: Unser Dreijähriger blieb halbtägig im Kindergarten. Die anderen zwei hingegen – der eine seit September Erst-, der andere Drittklassler – wurden mangels leistbarer Betreuung für eineinhalb Monate zu ihren Großeltern verschickt. Und die leben 600 Kilometer entfernt.

Zwei Wochen, das ist die Grundeinheit des sommerlichen Familienurlaubs, vielleicht drei, wenn der Dienstgeber liberal und der Dienstnehmer entbehrlich ist. Aber ganze neun Wochen am Stück? Wer kann so viel großzügig eingeräumte Quality-Time sinnvoll nützen? Unser Kleinster spielte bis zum Ende der Sommerferien mit sich selbst Autoquartett – Autistenquartett! Weil uns die Schule der beiden Großen Zeit schenkt, die wir nicht haben.