Erziehung

Staat als Erzieher?

David Pesendorfer über die Ganztagsschule und das Outsourcing der Elternschaft

Erziehung - Staat als Erzieher? © Bild: Beigestellt

Morgens abliefern, abends abholen. Bildung, Erziehung, Betreuung. Ganztägig, ganzheitlich. Outsourcing der Elternschaft? Nicht doch, "skandinavisches Modell". Klingt doch gleich viel beruhigender. Für meinen mittleren Sohn startete vor zwei Monaten die Volksschule. Mein Großer kam mit Herbstbeginn in die Dritte.

Die zwei haben Glück, denn Bildungsreform ist keine Speed-Disziplin. Doch mein Dreijähriger fällt womöglich schon in die Ungnade später Geburt. Und verpflichtender Ganztagsschule. Vater Staat als Erzieher? Das, werte Kollegin, will ich nicht. Bin schließlich selbst Vater und kann das besser. Habe mir meine Kinder ja nicht fürs Depot angeschafft. Auch alleinerziehende Mütter und Väter könnten das besser – wären sie nicht aus Zeitmangel auf Nachmittagsbetreuung angewiesen. Aber wir anderen?

Das Misstrauen in die Politik, den Staat und seine Institutionen wächst. Alle nur auf den eigenen Vorteil bedacht, die da oben! Gerade die Lehrergewerkschafter, für die Burnout zum Berufsethos gehört! Verzerrt und zugespitzt, sicher. Und dennoch: Warum unsere Kinder gerade jenen überantworten, die uns grundsätzlich aufregen? Vor allem aber: Wie unsere Kinder zu jener Eigenverantwortung erziehen, vor der wir uns selber drücken?