Erziehung von

Anti-Rambo-Reform

David Pesendorfer zum Streitfall Wehrpflicht

Erziehung - Anti-Rambo-Reform © Bild: Beigestellt

Mein Kampfhelm, der stets verrutschte wie eine Salatschüssel; mein Sturmgewehr 77, das sich mit Waffengewalt gegen die ritualisierte Zerlegung sträubte; mein Vizeleutnant, ein rhetorischer Visionär, der von uns verlangte, wir sollten "die Zukunft Revue passieren lassen": Rekrut Pesendorfers Grundausbildung war ein Mix aus blankem Wahnsinn und nackter Kanone.

Und später beliebter Anekdotenfundus für lange Familien-Autofahrten: "Papa, erzähl, wie du die Kuhfladen von der Weide schaufeln musstest..." Und dennoch: Als der Bundespräsident am Nationalfeiertag die "verfassungsmäßig zentrale Rolle" der Wehrpflicht einmahnte, dachte ich mir nicht: In neun Jahren muss mein Ältester auch noch bei diesem Idiotenverein aufsalutieren. Wenn er nicht will, macht er eh den Zivildienst.

Nein, eigentlich dachte ich: Was muss passieren, damit seine sechs Monate beim Heer nicht so sinnlos wie meine wären? Antwort: eine Anti-Rambo-Reform, die aus sturen Systemerhaltern didaktisch geschulte Ausbilder macht. Und eine Abkehr von allen Berufsheer-Spekulationen. Unser Heer braucht Milizionäre! Denn wenn man Menschen wie jene, die ich in meiner Grundausbildung erlebte, hermetisch sich selbst überlässt – dann, werte Kollegin, sind unsere Kinder wirklich in Gefahr.

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