"Erwarte nichts Großartiges": Lokalmatador Webber steht in Australien im Mittelpunkt

Red-Bull-Neuzugang für Heimrennen aber skeptisch Bitter: Im Vorjahr in Führung liegend ausgefallen

Die 23. Runde in seinem Heim-Grand-Prix war im Vorjahr eine besonders bittere für Mark Webber gewesen. Der Australier, damals noch im Williams, schied auf Grund einiger Boxenstopps in Führung liegend aus - Getriebeschaden. Laut eigenen Angaben wäre Webber zumindest auf das Podest gefahren. Und das vor den Augen von mehr als 100.000 seiner sportverrückten Landsleute.

2007 scheint ein Podestplatz im Auftaktrennen utopisch. Webber ist zu Red Bull Racing gewechselt, ersetzt dort an der Seite des Schotten David Coulthard den Österreicher Christian Klien, mit dem er schon gemeinsam beim Vorgänger-Rennstall Jaguar gefahren war. Wenn man den mäßigen Testergebnissen Glauben schenkt, hinkt das austro-englische Team seinen hohen Erwartungen aber hinterher.

Beim abschließenden Test in Magny Cours störte Regen die ausgiebige Prüfung neuer Aerodynamik-Teile. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns", weiß Webber. Das bescheidene Ziel für den Heim-Grand-Prix sind daher WM-Punkte. Davon hatte Red Bull Racing in der gesamten vergangenen Saison nur 16 gemacht. Mit dem neuen RB3-Boliden von Stardesigner Adrian Newey will man in der Konstrukteurs-WM auf Platz fünf.

"Ferrari, McLaren, BMW und Renault sehen sehr solide aus. An der Spitze ist es eng, aber dort wollen wir früher oder später dazugehören", erklärte Webber. Der 30-Jährige, der in seiner Jugend auch Motorrad-Rennen gefahren ist, gilt als ausgezeichneter Qualifying-Pilot, der vor allem auf einer Runde zu den Schnellsten gehört. Nach Startplatz zwei war Webber im Vorjahr in Monaco erst von einem Motorschaden gestoppt worden.

Bei den ersten Sitzproben im neuen Arbeitsgerät hatte der Australier aber Probleme - er ist mit 1,84 Metern für einen Formel-1-Piloten ungewöhnlich groß. "Das ist aber kein Problem mehr. Ich fühle mich jetzt wohl", versicherte der Red-Bull-Neuzugang, der am Mittwochabend in einem Studio in Melbourne mit seinem Teamkollegen Coulthard und den Fahrern des Schwesternteams Scuderia Toro Rosso einen Kurzfilm präsentierte.

In seiner Heimat ist Webber nicht der größte aller Sport-Superstars, doch überall ein gerne gesehener Gast. So etwa auch in seiner Grundschule in Queanbeyan im australischen Bundesstaat New South Wales, in der eine ehemalige Lehrerin ein künstlerisches Projekt ins Leben gerufen hat. Dessen Ergebnisse wurden am Donnerstag im Grand-Prix-Areal zur Schau gestellt.

Zu gerne würde Webber, der nach wie vor auch von seinem Ex-Teamkollegen Klien, mit dem er in früheren Zeiten nach dem Auftaktrennen in seinem Heimatland geurlaubt hatte, geschätzt wird, die Mühe mit einer neuerlichen Führung im Grand Prix von Australien danken. "Das wird aber kaum möglich sein", meinte der Lokalmatador. "Ich erwarte nichts Großartiges."

Dabei hat er auf keinen Fall schlechte Erinnerungen an Melbourne. 2002 fuhr Webber dort in seinem allerersten Grand Prix - einem ebenso spektakulären wie ausfallsreichen Rennen - für Minardi auf Platz fünf. Ein Startunfall zwischen Ralf Schumacher und Rubens Barrichello sowie eine darauf folgende Massenkarambolage hatte die Sensation möglich gemacht.

(apa/red)