Erstmals SPÖ-Mitglied an der OeNB-Spitze: Nowotny als neuer Nachfolger von Liebscher

Amtszeit als OeNB-Chef läuft bis Ende August 2013 Aufstieg ist Krönung seiner bisherigen Bankerkarriere

Erstmals SPÖ-Mitglied an der OeNB-Spitze: Nowotny als neuer Nachfolger von Liebscher
© Bild: APA/Oczeret

Mit Ewald Nowotny steht heute erstmals ein Sozialdemokrat an der Spitze der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Der SPÖ-Wirtschaftsdenker und Chef der inzwischen an Cerberus verkauften früheren Gewerkschaftsbank BAWAG, wird die Nachfolge von Klaus Liebscher als OeNB-Gouverneur und damit auch als Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) antreten. Für den Banker und Wirtschaftsprofessor Nowotny stellt dies wohl die Krönung seiner bisherigen Bankerkarriere dar.

Die Bestellung von Nowotny zum Nachfolger von Liebscher wird vielerorts als Dank für seine mit Bravour gemeisterte Rettung der von Milliarden-Spekulationsverlusten an den Rand des Ruin getriebenen einstigen Gewerkschaftsbank BAWAG angesehen. Seine Amtszeit als OeNB-Chef läuft bis Ende August 2013.

Nowotny gilt als "Keynesianer"
Anders als sein VP-naher Vorgänger gilt Nowotny als "Keynesianer" und wird unter den Notenbanker eher den "Tauben" zugerechnet. Im Gegensatz zu Liebscher hat er sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch mit dem strikten Anti-Inflationskurs der EZB auseinandergesetzt und gefordert, die Zentralbank müsse sich stärker um Wachstum und Beschäftigung kümmern - und nicht nur um Preisstabilität. Liebscher dagegen zählte zu den "Falken", die kompromisslos stabilen Preisen die höchste Priorität einräumen.

Nowotny hatte Anfang 2006 nach dem Auffliegen der Refco-Kreditverluste die Führung bei der BAWAG übernommen. Die ehemalige Gewerkschaftsbank ist in der Zwischenzeit an den US-Fonds Cerberus verkauft, die alte Führungsspitze wurde beim BAWAG-Prozess - nicht rechtskräftig - zu großteils mehrjährigen unbedingten Haftstrafen verurteilt.

BAWAG-Chef bis Ende 2007
Nowotny zog sich per Jahresende 2007 als BAWAG-Chef vorzeitig zurück. Vor seinem Banken-Vorstandsjob war Nowotny von 1999 bis 2003 Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und Vize-Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) gewesen.

Ewald Nowotny wurde am 28. Juni 1944 in Wien geboren. Nach dem Jus-Studium an der Universität Wien wurde er 1967 Hochschulassistent des Instituts für Volkswirtschaftslehre an der Universität Linz, wo er sich 1971 habilitierte. 1971/72 wirkte er zusätzlich an der Harvard-Universität, 1972 wurde er ordentlicher Professor an der TU Darmstadt. Ab 1973 war er Ordinarius für Finanzwissenschaften an der Linzer Universität. Seit 1982 ist er Ordinarius an der Wiener Wirtschaftsuniversität. Von 1973 bis 1978 war Nowotny Mitglied - und später Präsident - des Verwaltungsrates der Postsparkasse, die später mit der BAWAG fusioniert wurde.

Politisch war Nowotny im Verband Sozialistischer Studenten, später im Bund Sozialistischer Akademiker (als Obmann der Fachgruppe Hochschullehrer in Oberösterreich) tätig, 1976 wurde er in den Bezirksparteivorstand der SPÖ Linz berufen. 21 Jahre lang - von April 1978 bis 1999 - gehörte Nowotny als Abgeordneter dem Nationalrat an, wo er auch Vorsitzender des parlamentarischen Finanzausschusses war.

(apa/red)