Erstmals im Semifinale: Junge Arsenal-Truppe ließ "Alte Dame" schon wieder alt aussehen

"Juve" scheiterte wie 2005 an englischem Team Lehmann schon seit 739 Minuten ohne Gegentor

Die Fußball-Champions-League 2005/06 nähert sich dem Finale. Um die Tickets für das ultimative Spiel am 17. Mai im Stade de France in Paris-St. Denis spielen in der zweiten April-Hälfte der AC Milan gegen FC Barcelona und Arsenal FC gegen Villarreal CF. Die Katalanen und die Londoner hatten in den zwei Mittwoch-Partien alles im Griff, wurden in den Viertelfinal-Rückspielen den Favoritenrollen gegen Benfica Lissabon bzw. Juventus Turin gerecht.

Sowohl im Camp Nou, wo die Hausherren 2:0 gewannen, als auch im Delle Alpi, wo Arsenal das 2:0 aus dem Heimspiel nicht aus der Hand gab und sich mit einem 0:0 benügte, lautete das Gesamtscore nach 180 Minuten 2:0. Und dennoch gab es einen gewaltigen Unterschied zwischen den beiden Aufsteigern. "Barca", zuletzt 1992 Meister aller Meister, zog zum 14. Mal in die Runde der letzten Vier ein, während Arsenal wie Villarreal im Semifinale sein Debüt gibt.

Die junge Truppe der "Kanoniere" aus Highbury schaffte die Premiere mit dem achten Zu-Null-Resultat in Serie und damit einen neuen Champions-League-Rekord, löste Milan (2004/05 sieben Partien ohne Gegentor) ab. "Ich freue mich für den Klub. Wir gehörten immer zu den Favoriten, haben es aber nie weiter als ins Viertelfinale geschafft", meinte Arsene Wenger sichtlich erleichtert und fügte hinzu, dass Arsenal nun die Trophäe gewinnen wolle.

Und so, wie die jungen Schützlinge des Elsässers gegen Real Madrid und Juventus Turin auftraten, ist die Endstation Sehnsucht keine Utopie. Arsenals Jungspunde zeigten auch in Turin den technisch besseren Fußball und erstaunlicherweise ebenso viel Cleverness und Selbstbewusstsein. Die "Alte Dame" sah auch am Mittwoch alt aus, drosch nur stupid lange Bälle vor, hatte aber keine Ideen, die sicher stehende Abwehr der Gäste in Verlegenheit zu bringen.

Lehmann seit 739 Minuten ohne Gegentreffer
"Wir hätten auch gewinnen können", meinte Jens Lehmann, der vom deutschen Teamchef Jürgen Klinsmann beobachtet wurde und ebenfalls eine neue Bestleistung aufstellte. Der Torhüter hat sein Gehäuse nun schon 739 Minuten sauber gehalten und übertraf damit den Niederländer Edwin van der Sar, der 1995/96 als Ajax-Keeper 659 Minuten ohne Gegentor geblieben war. Und schließlich bestritt Thierry Henry sein 100. Europacup-Match.

Der Kapitän aus Frankreich ist nicht nur Stürmer, sondern vor allem Leitwolf des "Hasenstalls". Und er hält diese auf dem Boden. "Wir haben noch nichts erreicht, aber Paris und dort den Sieg im Auge", meinte Henry. Cesc Fabregas, 18-jähriger Spanier mit dem Potenzial eines Routiniers, genoss den Erfolg des Augenblicks. "Ich bin angenehm überrascht, wie professionell wir uns präsentiert haben. Wir sollten uns freuen, denn man steigt nicht alle Tage ins Champions-League-Semifinale auf."

Lob kam selbst aus dem Lager des Gegners. "Wenn die Engländer in dieser Form weiterspielen, wird es für jedes Team schwer werden, sie zu schlagen. Gegen uns haben sie zwei Tore erzielt und waren damit besser als wir", meinte Juve-Trainer Fabio Capello. Dass sich seine Mannschaft gegen einen Gegner in Top-Form gut verkauft habe, vermochten aber nur wenige neutrale Beobachter nachzuvollziehen.

Diese fragen sich nach den zwei Spielen gegen Arsenal viel mehr, wie Juve in der Serie A mit neun Punkten Vorsprung vor dem neuerlichen Titelgewinn steht und so dominant sein könne. In der Meisterklasse scheiterte der Rekordmeister heuer wie schon 2005 an einem englischen Vertreter. Damals war es erst im Semifinale, aber dafür auch am späteren Champions-League-Triumphator FC Liverpool. Ob das ein gutes Arsenal-Omen für den Ausgang des Bewerbes ist?

Presse spottete über Juve
Italiens Presse ließ kein gutes Haar an dem Fußball-Aushängeschild. "Ein Geister-Juve fliegt raus", kommentierte "La Stampa" und "La Repubblica" schrieb in Anlehnung an das Resultat: "Null Tore, null Ideen, null Herz, null Kraft - ein 0:0 eben!" Und auf der britischen Insel bemerkte "The Independent" bissig: "Juve ist ausgeschieden wie ein buckliger alter Mann."

Während die Tifosi von den Rängen "schämt euch" oder "geht mal arbeiten" riefen, ergriff Gianluigi Buffon für seinen Trainer Capello und seine Mitspieler Partei. Er beschwerte sich über den Spott, der über den vor dem 29. scudetto in Italien stehenden Meister hereinbrach. "Wir verdienen Respekt, das war keine Pleite", erklärte der Torhüter kopfschüttelnd.

Juve rief Presseboykott aus
Nach dem Viertelfinal-Aus in der Fußball-Champions-League gegen Arsenal hat Juventus Turin einen Presseboykott ausgerufen. Die Spieler und Trainer Fabio Capello werden ab sofort bis auf weiteres nicht mehr mit den Medien sprechen. "Wir sind von unseren Fans und der Presse nicht angemessen behandelt worden", erklärte Juve-Manager Luciano Moggi am Donnerstag. Eine solche Aktion hatte es gegen Ende der vergangenen Saison schon einmal über mehrere Wochen hinweg bis zum Gewinn des Meistertitels gegeben. (apa/red)