Erstmals Notfonds in Anspruch genommen: Niederlande stützen strauchelnde ING-Bank

10 Milliarden sichern der Großbank das Überleben ING DiBa: Einlagen österreichischer Kunden gesichert

Erstmals Notfonds in Anspruch genommen: Niederlande stützen strauchelnde ING-Bank © Bild: APA/EPA/Lieshout

Mit zehn Milliarden Euro haben die Niederlande das Überleben des Allfinanz-Konzerns ING gesichert. Nach Bekanntgabe der staatlichen Kapitalspritze erholte sich der Börsenkurs des weltweit tätigen niederländischen Finanzunternehmens, das auch in Deutschland und Österreich mehr als 6,4 Millionen Kunden hat. Am Amsterdamer Handelsplatz machte die ING-Aktie mehr als 20 Prozent gut. Derweil gab ING den Verkauf seiner Versicherungstochter in Taiwan für 447 Millionen Euro an die Fubon Financial Holding bekannt.

Die Aktie der ING-Gruppe, zu der die in Frankfurt ansässige größte europäische Direktbank ING-DiBa gehört, war am vergangenen Freitag um 27,5 Prozent abgesackt, nachdem die Bank für das dritte Quartal einen Verlust von 500 Mio. Euro gemeldet hatte. Daraufhin gaben am Finanzminister Wouter Bos und Zentralbankpräsident Nout Wellink die Bereitstellung von zehn Milliarden Euro als Kapitaleinlage für ING bekannt.

Ersparnisse sind sicher
Ein Sprecher der ING-DiBa betonte, dass es sich bei dem Frankfurter Institut um eine deutsche Bank nach deutschem Aktienrecht handle. Die Einlagen der mehr als 6,1 Mio. deutschen Kunden seien durch die deutschen Sicherungssysteme geschützt. Die Ersparnisse der etwa 357.000 österreichischen Kunden, die mit Vorjahresende rund 3,6 Mrd. Euro ausmachten, sind ebenfalls durch die deutschen Sicherungen garantiert.

ING erwäge auch nicht, das vom deutschen Staat angebotene Eigenkapital in Anspruch zu nehmen. Man betreibe ein konservatives Privatkundengeschäft und halte an den Zielen für dieses Jahr fest, so der Sprecher.

Bank ist "gesundes Unternehmen"
Die Bank sei "ein an sich finanziell gesundes Unternehmen, das alle Bonitätsanforderungen erfüllt", betonte Bos. Angesichts der schwierigen Lage auf den internationalen Kapitalmärkten habe sich der Staat jedoch in Absprache mit der Führung der Bank entschieden, für eine begrenzte Zeit als Anteilseigner bei ING einzusteigen. "Sonst hätte die Bank umfallen können, aber das wird nun absolut nicht passieren", sagte Bos.

Die ING-Bank ist die erste, die Mittel aus einem Notfonds der niederländischen Regierung in Anspruch nimmt. Die genossenschaftlich organisierte Rabobank - das drittgrößte Finanzunternehmen des Landes - erklärte am Montag, sie sei nicht auf Mittel aus dem Fonds angewiesen. Er umfasst 20 Mrd. Euro und ist nicht mit so strengen Auflagen verbunden wie der Nothilfefonds der Bundesregierung für deutsche Banken. Der Kursverfall der ING-Bank auf den tiefsten Stand seit Mitte der 90er Jahre war nach Einschätzung von Analysten am Freitag auch durch Gerüchte bewirkt worden, wonach der Finanzkonzern kaum ohne staatliche Hilfe überleben könne.

Die Regierung in Den Haag hatte zuvor für 16,8 Mrd. Euro das Geschäft des Bankkonzerns Fortis in den Niederlanden und damit zugleich die zu Fortis gehörende größte niederländische Bank ABN Amro komplett übernommen. Außerdem garantiert die Regierung der Niederlande für Kredite der Banken untereinander im Umfang von 200 Mrd. Euro. Der ING-Konzern hat nach eigenen Angaben rund 85 Mio. Kunden in zahlreichen Ländern und beschäftigt 130.000 Menschen.

In Taiwan erklärte die Fubon Financial Holding, sie übernehme mit der dortigen Lebensversicherungs-Tochter von ING "eine großartige Firma zu einem sehr vernünftigen Preis". Analysten sagten, mit den 2,2 Millionen Versicherungs-Kunden von ING wachse Fubons Kundenkreis auf 8,7 Millionen. Dadurch werde das Unternehmen zum viertgrößten Versicherer Taiwans. (apa/red)