Erster Zagreb-Triumphator aus Österreich:
Mario Matt siegt vor Lokalmatador Kostelic

Reinfried Herbst nach Garmisch-Sieg auf Rang drei Benni Raich macht kaum Punkte auf Bode Miller gut

Erster Zagreb-Triumphator aus Österreich:
Mario Matt siegt vor Lokalmatador Kostelic © Bild: AP/Auletta

Trotz einer unerwünschten Wartepause vor seinem Finallauf hat Mario Matt die Nerven behalten und im Hexenkessel auf dem Sljeme in Zagreb sein dritten Saisonrennen gewonnen. Der Flirscher Weltmeister siegte bei besten Pistenverhältnissen und vor fantastischer Zuschauer-Kulisse vor Lokalmatador Ivica Kostelic (+0,33 Sek.) und dem Salzburger Reinfried Herbst (0,40) und liegt im Kampf um die kleine Kristallkugel nur noch 57 Punkte hinter dem führenden Franzosen Jean-Baptiste Grange, der ausschied.

Nachdem Kostelic mit Bestzeit ins Ziel gekommen und von 18.000 Zuschauern (Kapazität damit ausgelastet) bereits wie der Sieger gefeiert wurde, wartete der halbzeitführende Matt im Starthaus und ließ sich auch von den Freudenschreien der Leute dort nicht aus der Ruhe bringen. "Ich habe mitbekommen, dass Ivica einen super Lauf hatte. Dann sind alle rumgehüpft hier. Ich musste warten und habe mir gedacht: bleib einfach locker! Das ist mir gelungen." Ungewohnte Stimmung herrschte während seiner Fahrt. "Es war brutal ruhig, ich habe mich nicht ausgekannt." Was die kleine Kugel betrifft, bleibt er gelassen: "Es sind noch zwei Rennen."

Lob an die Veranstalter
Trotz eines schweren Fehlers im ersten Durchgang landete Herbst, zur Halbzeit Sechster, noch auf dem Podium. "Ich habe im ersten einen Stecken zwischen die Beine bekommen und viel Zeit verloren. Nun muss ich im zweiten g'scheit angreifen", lautete seine Devise. Was er dann auch tat. "Der dritte Platz ist fast wie ein Sieg, es ist ein Traum, hier am Stockerl zu stehen", sagte der Garmisch-Sieger nach dem Rennen und sprach ein großes Lob aus. "Gratulation an Kroatien: ein super Rennen, super Stimmung, super Piste! Und für den Skisport ist es gut, dass Ivo hier auf dem Podium steht."

Ivica Kostelic, dessen Mutter nach seiner Fahrt im zweiten Durchgang im Zielraum ein Kreuzzeichen schlug und dessen Schwester Janica vor Freude förmlich auszuckte, hatte schon ein wenig mit Platz eins gerechnet. "Aber es ist nicht so schlimm, gegen Mario zu verlieren", meinte er. Vor den Fans verneigte er sich: "Ich könnte nie so gut fahren ohne das Publikum. Ich war so motiviert, es musste passen. Ich hatte sehr viel Druck, ganz Kroatien hat auf mich geschaut. Ich bin froh, auf dem Podest zu sein."

Raich vergibt große Chance
Die Führung im Gesamtweltcup behielt Bode Miller, der als 36. die Qualifikation für den zweiten Lauf verpasste. Er hat weiterhin 1.067 Punkte, Raich bekam als 26. nur fünf dazu und hat 974 auf dem Konto. Der Pitztaler legte in Zagreb nach einem durchwachsenen ersten Durchgang (13.) ein starkes Finale hin - bis fünf Tore vor dem Ziel. "Ich bin in Rückenlage gekommen und es hat mich ausgehoben. Im zweiten Durchgang bin ich sehr gut gefahren, aber es war ein Fehler und das reicht schon." Ein paar Punkte habe er aber gemacht, er müsse jetzt einfach etwas Geduld haben.

Kein Vorteil waren die frühen Startnummern im ersten Lauf - Raich fuhr mit der 1, Matt trotz 2 stark - weil mit der zunehmenden Sonneneinstrahlung die Sicht besser wurde. ÖSV-Alpinchef Hans Pum trauerte den verlorenen Zählern von Raich im Gesamtweltcup nach: "Das tut ein bisserl weh, die Punkte gehen uns ab."

Schönfelder nicht für 2. DG qualifiziert
Der Salzburger Wolfgang Hörl landete auf dem 18. Rang und war zufrieden damit. "Das war mein viertes Weltcuprennen und zum vierten Mal habe ich gepunktet. Für mich geht es darum, dass ich in der Startliste nach vorne komme. Es war schwer hier, weil es oben flüssig ist und unten dann dreht und man aber schon müde ist." Nur vier Österreicher hatten es in den zweiten Durchgang geschafft. Rainer Schönfelder, Andreas Omminger, Romed Baumann, Alexander Koll und Marcel Hirscher verpassten die Qualifikation für das Finale, Hannes Brenner schied aus.

Bei Schönfelder muss man in den Ergebnislisten bis zum 28. Februar 1999 in Ofterschwang blättern, will man jenen Slalom finden, indem er zuletzt das Finale nicht wegen Ausfalls, sondern aufgrund des Zeitrückstands verpasste. "Der Schnee war zu aggressiv für mich heute, das muss ich mir was bei der Einstellung einfallen lassen, entweder Ski oder Schuhe", hatte sich der Kärntner nach seinem Lauf noch vorgenommen. Als feststand, dass sein Tagwerk bereits beendet war, meinte er: "Gut, dass es so eindeutig war. Da hab ich jetzt einige Hausaufgaben."

Endstand:
1. Mario Matt AUT 1:51,36 Min.
2. Ivica Kostelic CRO +0,33
3. Reinfried Herbst AUT +0,40
4. Giorgio Rocca ITA +0,72
5. Mitja Dragsic SLO +0,85
6. Marc Berthod SUI +0,88
7. Akira Sasaki JPN +0,91
8. Julien Lizeroux FRA +0,99
9. Felix Neureuther GER +1,03
10. Johan Brolenius SWE +1,08
11. Bernard Vajdic SLO +1,42
12. Steve Missillier FRA +1,45
13. Manfred Mölgg ITA +1,51
14. Patrick Thaler ITA +1,61
15. Naoki Yuasa JPN +1,62
16. Cristian Deville ITA +1,64
17. Mitja Valencic SLO +1,72
18. Wolfgang Hörl AUT +1,75
19. Jimmy Cochran USA +1,81
20. Kilian Albrecht BUL +1,95
21. Martin Hansson SWE +1,98
22. Mattias Hargin SWE +2,02
23. Cody Marshall USA +2,04
24. Sandro Viletta SUI +2,26
25. Marc Gini SUI +2,29
26. Benjamin Raich AUT +4,78
27. Kjetil Jansrud NOR +11,14

(apa/red)