Erster Wiener FP-Parteitag nach Spaltung: Strache gegen Häupl und den Speck der SPÖ

Aufregung um "kräftiges Heil" eines FP-Delegierten SP ist empört. Strache: "Werde ständig so gegrüßt"

Die Wiener FPÖ hat bei ihrem Landesparteitag den Trennungsprozess vom BZÖ endgültig abgeschlossen. Parteichef Heinz-Christian Strache wurde beim ersten Wahl-Parteitag nach der Spaltung mit dem klaren Votum von 93,75 Prozent der Delegiertenstimmen wiedergewählt. Mit Applaus wurde das "kräftige Heil" quittiert, mit dem ein Delegierter seine Parteikollegen grüßte. Auch Strache hatte damit kein Problem. Er attackierte vor allem die SPÖ.

"Ich möchte meine kurzen Worte mit einem Gruß beenden, der wirklich unser alter Gruß ist, nicht das 'Glück auf' von heute, nein, ich grüße euch alle mit einem kräftigen 'Heil' für die Zukunft", so die Aussage von Walter Sucher, Mitglied der Burschenschaft "Olympia" und Obmann des "Rings Volkstreuer Verbände" im Austria Center Vienna.

Strache: Werde permanent so gegrüßt
Strache hatte mit dem "Heil"-Sager nach eigenen Angaben kein Problem. "Ich bin jetzt permanent in den westlichen Bundesländern unterwegs, und egal wo ich hinkomme, werde ich mit diesem Gruß empfangen", meinte er am Rande des Parteitags. Eine Anspielung an die Zeit des Nationalsozialismus sehe er nicht: "Das ist eine ganz bewusst medial herbeigeführte künstliche Aufregung."

SP-Darabos: Zeichen der Geisteshaltung
Als "Ungeheuerlichkeit" und "entlarvendes Zeichen für die Geisteshaltung der FPÖ" hat SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos den "Heil"-Sager von Walter Sucher. Darabos spricht in einer Aussendung von einer "gezielten Provokation" am Gedenktag der Befreiung des KZ Mauthausen.

"Empörender als der Heil-Sager selber ist jedoch, dass Parteichef Strache diese Aussage verteidigt. Ich erwarte mir hier eine deutliche Distanzierung. Andernfalls stellt sich Strache endgültig ins politische Abseits", so Darabos.

Untergriffe auf Häupl
Zuvor hatte er angesichts des BAWAG-Skandals harte Untergriffe gegen SPÖ und Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) gefahren. Häupl sei Teil des "Sauhaufens der Superbonzen" bei der SPÖ. "Dieser Knabe braucht eine Abspeckungskur. Weg mit dem Speck, das ist unser Motto, Herr Häupl", so Strache. Die SPÖ wurde von Strache flugs zur "Spekulationspartei Österreichs" umgetauft.

Als Konsequenz daraus präsentierte der Parteichef die FPÖ als einzigen Gegenpol: "Wir sind die Arbeitnehmerpartei der Zukunft, die soziale Alternative gegen diese neoliberale Fratze, die sich bei der SPÖ gezeigt hat."

Drogen, Ausländer, Asyl
Die weitere Rede vor 290 Delegierten im Austria Center war geprägt von den Themen Drogenkriminalität, Ausländer und Asylwerber. Strache mahnte hier "Inländerfreundlichkeit" ein. "Es geht um unsere Heimat. Da muss man auch bereit sein, den Kampfanzug anzuziehen", suchte er seine Parteimitglieder zu motivieren. Einstimmig angenommen wurde der Leitantrag unter dem Titel "Mut fürs echte Wien". Gefordert wird darin die Bevorzugung inländischer Wiener, unter anderem mit einem Geburten- und Heiratsgeld.

Homosexuellen-Ehe: "BZÖ-Führung vom anderen Ufer"
Den meisten Applaus der Delegierten im Wiener Austria Center erntete er mit seinen Aussagen zu Drogenkriminalität, Ausländern und Asylwerbern. "Die Unanständigen, die wollen wir nicht", so Strache

Zu scharfen Worten griff vor Strache auch der freiheitliche Bundesrat und Landesparteisekretär Harald Vilimsky, und zwar gegen das BZÖ. Es gehe etwa nicht an, wie deren Funktionäre für die Homosexuellen-Ehe einzutreten: "Ich weiß schon, manche in der Führungsspitze der Orangen sind selbst vom anderen Ufer - aber bitte nicht in unserem Klub."

Für die Delegierten standen auch weitere Urnengänge auf der Tagesordnung. Bei der Wahl zu Straches Stellvertretern erhielten die bisherigen Posteninhaber Veronika Matiasek 81,66, Johann Herzog 79,58 und Eduard Schock 87,54 Prozent. Das beste Ergebnis erzielte allerdings der Neuling im Präsidium, Gemeinderat Harald Stefan, für den 93,77 Prozent der Delegierten stimmten. Außerdem wurden im Vorstand die vor allem durch BZÖ-Abgänge frei gewordenen Posten nachbesetzt.

Fladenbrot statt Kaisersemmel zum Würstel
Kaum hatte Strache am Samstag vor dem Verschwinden des echten Wiener Würstelstandes gewarnt, wurden die Delegierten des Parteitags bereits Opfer des gastronomischen Multikulturalismus: Zu den Frankfurter Würsteln am Buffet des Austria Centers erhielten sie nämlich nicht Kaisersemmeln - sondern türkisches Fladenbrot.

Das einheimische Gebäck war den Personal ausgegangen. Die Freiheitlichen nahmen es nach anfänglichem Murren mit Humor. "Das schmeckt ja auch nicht schlecht", gab sich eine Delegierte pragmatisch. Ihr Tischnachbar pflichtete ihr bei: "Es ist ja auch Weißbrot."

Noch weiter ging FP-Gemeinderat Herbert Madejski. "Ich esse manchmal selber einen Kebab", gestand er. Problematisch sei nicht das Brot selbst, sondern der Umstand, dass das hier ausgegebene altbacken sei.

Von einem weiteren orientalischen Element war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu hören: Der türkischen Popmusik, mit der zu Beginn noch die Herrentoilette beschallt worden war, war Stille gewichen.

Bei den übrigen Wiener Rathausparteien sorgte die FP-Veranstaltung erwartungsgemäß für Abwehrreaktionen. Während SPÖ-Klubchef Christian Oxonitsch "altbekanntes unappetitliches Schüren von Ressentiments aller Art" witterte, ortete der ÖVP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter "dumpfe Töne aus der Vergangenheit". Die Grüne Frontfrau Maria Vassilakou beklagte ebenfalls "unerträgliche Verhetzung der Menschen". (apa/red)