Erster Weltkrieg von

Bertha von Suttner warnte vergeblich

Die Stimme Österreichs Friedensnobelpreisträgerin verhallte im Inland ungehört

Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. © Bild: APA/dpa

Unermüdlich warnte Bertha von Suttner angesichts der sich häufenden Krisen Anfang des 20. Jahrhunderts vor einem großen Krieg. Als der Erste Weltkrieg dann tatsächlich ausbrach, war die Stimme der Friedensnobelpreisträgerin jedoch bereits für immer verstummt: Sie starb eine Woche vor den Schüssen von Sarajevo am 21. Juni 1914 in Wien.

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Die vehemente Pazifistin war in den Vorkriegstagen bereits eine ältere Dame von über 70 Jahren, verwitwet, mit Geldsorgen. Vor allem machten der "dicken Bertha" ihre Beine zu schaffen. Geschwächt und zwischen Optimismus und wütender Ohnmacht schwankend, standen sie und die Anhänger des Pazifismus einer schier übermächtigen Strömung in den Gesellschaften Europas für Aufrüstung und für den Krieg gegenüber.

Keine Anerkennung in der Heimat

Dabei war sie lediglich im Ausland eine anerkannte Leitfigur der Friedensbewegung. In den USA wurde sie auf einer USA-Vortragsreise 1912 gefeiert. In der Habsburger-Monarchie wurde sie nicht zuletzt wegen ihrer liberalen, antiklerikalen Gesinnung und ihres Eintretens für Frauenrechte Zielscheibe von Kritik und Spott. So zeigte sie etwa eine Karikatur auf dem Titelblatt der in Wien erscheinenden humoristischen Zeitschrift "Die Muskete" aus dem Jahr 1909 als grämlich dreinschauende Matrone mit einem Soldaten auf dem Schoß, der schlaff sein Gesicht auf ihrem Busen ruhen lässt. Von Suttners antinationalistische Gesinnung machte sie schließlich nicht nur Deutschnationalen, sondern auch allen anderen Lagern im auseinanderbrechenden Vielvölkerstaat suspekt, statt dass sie einigende Kräfte mobilisierte.

"Narrenturm, elendiger"

Der Konflikt um die "italienischen Österreicher"; der Nationalitätenkampf" in den böhmischen Ländern; die Annexion Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn samt Debatte über einen "Präventivkrieg" gegen Serbien; die Einnahme von Tripolis und der anderen letzten Besitzungen des Osmanischen Reiches in Nordafrika durch Italien, bei der erstmals Bomben aus Flugzeugen abgeworfen wurden; die beiden Balkan-Kriege; die Krise zwischen Deutschland und Frankreich um die Zabern-Affäre, als preußisches Militär in der Stadt in Elsass-Lothringen willkürlich gegen Proteste der Bevölkerung vorging. Dies alles ließ von Suttner Alarm schlagen: "Diese ganze Kriegspartei Europas treibt jetzt ordentlich zu einer Katastrophe (...) So viel Zündstoff lässt sich doch nicht ansammeln, ohne dass es schließlich losgeht. Narrenturm, elendiger." Österreich werde zusammenbrechen.

Vorhersagen erfüllten sich

Ihre Warnungen waren Vorhersagen, die sich erfüllten. Ein Internationaler Friedenskongress in Wien sollte den großen Krieg noch verhindern. Als Mitorganisatorin stieß von Suttner allerdings neben Finanzierungsschwierigkeiten nur auf "Feindschaft bei Hof, Adel, Kirche" sowie Militarismus in der Presse und keine Unterstützung Intellektueller. Kaiser Franz Joseph lehnte es ab, Schirmherr des für September 1914 geplanten Weltkongresses zu werden. Zu spät auch: Zu jenem Zeitpunkt waren die wichtigsten Kriegserklärungen in Europa bereits erfolgt, der Stellungskrieg an der Westfront hatte begonnen.

Bertha von Suttner war an Magenkrebs gestorben, und ihr Leichnam war, wie sie es wollte, in Gotha verbrannt worden. Dort befindet sich noch heute die Urne mit ihrer Asche.

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