Erster schwarzer Präsidentschaftskandidat: US-Demokraten nominierten Barack Obama

Abstimmung stand im Zeichen der Geschlossenheit Joe Biden als Vizepräsidentschaftskandidat bestimmt

Erster schwarzer Präsidentschaftskandidat: US-Demokraten nominierten Barack Obama © Bild: APA/EPA/Maury

Mit der Nominierung von Barack Obama zum Präsidentschafts- Kandidaten haben die US-Demokraten Geschichte geschrieben. Die Delegierten des Parteitags in Denver bestimmten den 47-jährigen Senator per Akklamation als ersten Schwarzen zum Kandidaten einer großen Partei für das Weiße Haus. Senator Joseph Biden wurde als Kandidat für die Vizepräsidentschaft nominiert und von Obama, der überraschend schon früher in Denver auftrat, persönlich beglückwünscht. Als Zeichen der Geschlossenheit warben Ex-Präsident Bill Clinton und erneut dessen Frau Hillary für Obama, der bei der Wahl am 4. November gegen den Republikaner John McCain antritt.

Für die Nominierung begannen Vertreter der US-Bundesstaaten zunächst, in alphabetischer Reihenfolge die Stimmpräferenzen ihrer Delegation für Obama und für Clinton zu verkünden, die ebenfalls zur Wahl stand. Als Clinton als Vertreterin des Staates New York an der Reihe war, schlug sie als Zeichen der Einigkeit Obamas Nominierung per Akklamation vor. Die Menge feierte die Entscheidung mit dem Sprechchor "Yes we can!" - dem Zuversicht verbreitenden Wahlkampfmotto Obamas. Daraufhin sagte die Präsidentin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, die den Vorsitz dem Parteitag führt: "Mit großem Stolz gebe ich bekannt, dass Barack Obama der Kandidat der Demokraten für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten ist."

Kurz vor Beginn der Abstimmung hatte Clinton es ihren Anhängern freigestellt, für Barack Obama zu stimmen. Nach Obamas Nominierung brachen manche von ihnen in Tränen aus. Dass Clinton sich formal zur Abstimmung stellte, war vor allem als Zugeständnis an ihre Wähler gedacht. Sie hatte sich nämlich schon vor dem Parteitag geschlagen gegeben. Mehrere hundert Delegierte stimmten dennoch für sie. "Heute habe ich für Hillary gestimmt, aber ab Donnerstag bin ich Obama-Anhängerin", sagte eine.

Leidenschaftliche Rede von Bill Clinton
In einer leidenschaftlichen Rede nahm Bill Clinton seine früheren Zweifel an Obamas Eignung für das Präsidentenamt zurück. "Barack Obama ist bereit, Amerika zu führen und Amerikas Führung in der Welt wiederherzustellen", sagte der Ex-Präsident. Auch ihm selbst sei vor seiner Wahl 1992 von den Republikanern vorgeworfen worden, zu jung und unerfahren zu sein. "Es hat 1992 nicht funktioniert, weil wir auf der richtigen Seite der Geschichte waren. Und es funktioniert 2008 nicht, weil Barack Obama auf der richtigen Seite der Geschichte steht." Der Ex-Präsident räumte ein, "dass meine Kandidatin am Ende nicht gewonnen" habe. Nun wolle er aber, dass im November alle 18 Millionen Anhänger seiner Frau für Obama stimmen.

Ebenfalls per Akklamation wurde Biden zum Vize-Kandidaten nominiert. In einem Überraschungsauftritt gratulierte Obama seinem Teamkollegen anschließend persönlich. Dem Ehepaar Clinton machte er Komplimente: Hillary habe am Vortag offenbar den Parteitag "zum Toben gebracht" und Bill habe daran erinnert, "wie es ist, einen Präsidenten zu haben, der die Menschen an erste Stelle stellt". Ursprünglich sollte Obama erst zum Abschluss des Parteitags am Donnerstag im Sportstadion von Denver vor 20.000 Zuschauern auftreten.

Biden griff in seiner Parteitagsrede die Republikaner scharf an. Durch die Außenpolitik der Regierung von Präsident George W. Bush und Präsidentschaftsbewerber John McCain seien die USA derzeit isolierter und unsicherer als jemals in der jüngsten Geschichte, sagte er. Mit Blick auf den Vietnamveteran McCain meinte Biden, die USA bräuchten in den gegenwärtig schwierigen Zeiten Amerika mehr als einen "mutigen Soldaten".

(apa/red)