"Erste deftige Watsch'n meiner Karriere":
Herzog spricht nicht gern über Färöer-Pleite

Herzog: "Sind auf der Straße ausgelacht worden" "Wir haben das alles nicht für möglich gehalten"

"Erste deftige Watsch'n meiner Karriere":
Herzog spricht nicht gern über Färöer-Pleite
© Bild: Reuters/Kuzmanovic

Gerne spricht er nicht darüber. Mittlerweile kann er aber zumindest darüber schmunzeln. Andreas Herzog war Teil jener Mannschaft, die 1990 in Landskrona die größte Blamage der ÖFB-Geschichte erlitten hatte - 0:1 gegen den Fußball-Zwerg Färöer. "Das war damals die erste deftige Watsch'n meiner Karriere", erinnerte sich der zum ÖFB-Team-Trainer avancierte Rekordnationalspieler vor dem WM-Quali-Duell mit den Färingern am Samstag in Torshavn.

Die Österreicher hatten das Duell mit den Insel-Kickern, die ihr erstes offizielles Länderspiel überhaupt bestritten, auf die leichte Schulter genommen. "Wir haben gedacht, wenn wir gut spielen, gewinnen wir 10:0, wenn wir schlecht spielen 3:0. Dann sind wir irgendwann aufgewacht", erklärte Herzog. Spätestens mit dem entscheidenden Treffer, mit dem Torkil Nielsen in der 61. Minute auf den Färöern zum Volkshelden avancierte. Der Möbelhändler hatte davor die gesamte österreichische Abwehr stehengelassen.

Bis dahin hatte das ÖFB-Team zwar einige gute Chancen vorgefunden, diese aber allesamt leichtfertig vergeben - allen voran Stürmerstar Toni Polster. "Ich hab ihm während des Spiels gesagt: 'Toni, jetzt wird's dann einmal Zeit!' Er hat mir nur geantwortet: 'Herzal, bleib ruhig!'", schilderte Herzog einen Dialog der beiden wohl profiliertesten rot-weiß-roten Kicker der jüngeren Vergangenheit. Doch sowohl Rekordteamspieler als auch -torschütze haftet der Makel an, zu den Verlierern gegen die Färöer zu zählen.

"Es war hart. Wir sind auf der Straße ausgelacht worden, aber wir waren selbst schuld daran", erinnerte sich Herzog. "Man muss dazu stehen, aber es war ein herber Rückschlag." Dem damaligen Teamchef Josef Hickersberger - fortan als "Färöer-Pepi" bekannt - kostete er den Job, dem österreichischen Fußball Reputation. Drei Monate zuvor hatte das ÖFB-Team unter Hickersberger noch an der WM in Italien teilgenommen. "Natürlich haben wir uns damit auch international zum Gespött gemacht", betonte Herzog.

Nach Rückstand "völlig perplex"
Der Mittelfeldspieler hatte in Landskrona sein 21. von insgesamt 103 Länderspielen absolviert, war mit 22 einer der jüngeren Spieler im Aufgebot. Herzog wurde unmittelbar nach dem Gegentreffer durch Gerald Willfurth ersetzt. "Nach dem Rückstand waren wir aber völlig perplex. Wir haben fast keine Chancen mehr gehabt. Wir haben das alles nicht für möglich gehalten", gestand Herzog.

Zu allem Überfluss mussten Herzog und der eingewechselte Stürmer Peter Pacult nach dem Spiel auch noch zur Dopingkontrolle. Dabei wäre es fast noch zu einem Eklat gekommen, wurde der UEFA-Delegierte von den beiden Auserwählten doch eingehend nach seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit befragt. "Wie sollten wir leicht gedopt gewesen sein, so wie wir gespielt haben?", fragte sich Herzog. "Das ist eine Episode, heute kann ich darüber lachen." So wie über das gesamte, wenig ruhmreiche Kapitel Färöer.

Spieldaten der 0:1-Niederlage Österreichs in der EM-Qualifikation am 12. September 1990 in Landskrona gegen die Färöer:

Färöer - Österreich 1:0 (0:0).
Landskrona, Idrottsplats-Stadion, 1.265 Zuschauer,
SR Egil Nervik (NOR).
Torschütze: Torkil Nielsen (61.)

Österreich: Michael Konsel - Kurt Russ, Robert Pecl, Michael Streiter, Jürgen Hartmann - Manfred Linzmaier, Heinz Peischl, Andreas Herzog (62. Gerald Willfurth), Andreas Reisinger (62. Peter Pacult) - Gerhard Rodax, Anton Polster.
Teamchef: Josef Hickersberger