Erste Reaktionen der Parteien auf Ergebnis:
Für FPÖ-Landeschef wurde "Ziel erreicht"

SPÖ-Klubchef Herper: "Ferk weiß, was er zu tun hat" Ergebnis für BZÖ-Neogemeinderat Grosz sensationell

Erste Reaktionen der Parteien auf Ergebnis:
Für FPÖ-Landeschef wurde "Ziel erreicht" © Bild: Reuters/Neubauer

"Ziel erreicht", vermeldete FPÖ-Landeschef Gerhard Kurzmann nach der Grazer Gemeinderatswahl. Dass man aber doch hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei, erklärte er damit, dass man nicht im Landtag sei und daher unter schwierigeren Umständen starten habe müssen. Das Ergebnis sei "gut und respektabel", Susanne Winter habe den Wahlkampf engagiert geführt und sie werde, wie ausgemacht, den voraussichtlichen Sitz in der Stadtregierung übernehmen.

FPÖ-Chef Heinz Christian Strache sieht das Wahlziel der Freiheitlichen bei der Grazer Gemeinderatswahl erreicht. In Bezug auf die Anti-Islam-Ausfälle der blauen Spitzenkandidatin meinte Strache, Susanne Wintern habe "ihren Wahlkampf gegen stärkste Anfeindungen, Diffamierungen und skandalöse Gewaltandrohungen in der letzten Woche führen müssen". Trotzdem habe sie "konsequent die richtigen Probleme thematisiert" und damit bei den Grazern auch "mit ihrem Mut" punkten können.

Der Zugewinn von über drei Prozent, der Gewinn eines Stadtrates und plus zwei Gemeinderatsmandate seien ein "Vertrauensbeweis in die Politik der FPÖ", so Strache in einer Aussendung. Die FPÖ habe ihr Wahlziel der prozentuellen Zweistelligkeit "deutlich übersprungen". Es handle sich um einen regionalen Wahlerfolg der FPÖ "trotz massiver Anfeindungen aller Systemparteien".

Für die SPÖ meinte Klubobmann Karl-Heinz Herper, dass man offenbar schwächer mobilisiert habe und "in die Polarisierung hineingekommen" sei. "Die Enttäuschung bei unseren jüngeren und älteren Wählern muss deutlich gewesen sein. Über Konsequenzen würden die Gremien nachdenken müssen, in Bezug auf Spitzenkandidat Walter Ferk sagte Herper: "Ich kenne ihn lange, er wird wissen, was er zu tun hat." - womit er auch Recht behielt. Ferk hat sich aus der Politik zurückgezogen.

SPÖ: Kalina bedauerte das "schlechte Ergebnis"
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina bedauerte das "schlechte Ergebnis" der SPÖ bei der Grazer Gemeinderatswahl. Die Grazer SPÖ brauche jetzt dringend einen "Neubeginn "für eine erfolgreichere Zukunft". Deshalb begrüße er den Rücktritt von Spitzenkandidat Walter Ferk, dem er aber auch sein Kompliment für seinen Einsatz aussprach. Einen einzigen erfreulichen Aspekt habe die Grazer Wahl aber auch für ihn - nämlich das mäßige Abschneiden der FPÖ, sagte Kalina gegenüber der APA.

Es sei erfreulich, dass die "Brandstifter-Strategie" der Grazer FPÖ unter Susanne Winter so wenig aufgegangen sei. "Jetzt müssen sich die Leute in ganz Österreich merken, wozu die FPÖ in der Lage ist. Sie scheut nicht davor zurück, wegen einer Kommunalwahl das halbe Land in Brand zu stecken", meinte Kalina.

Einen Einfluss der Bundespolitik auf die Grazer Wahl sieht er nicht. "Graz ist schon immer eine ganze eigene Welt gewesen." Die Grazer SPÖ sei jetzt aufgerufen, die Gründe für das schlechte Abschneiden zu analysieren, erinnerte Kalina seine Parteikollegen daran, dass sie in der Stadt 1998 noch stimmenstärkste Partei waren und über viele Jahre den Bürgermeister gestellt haben.

"Sensationelles Ergebnis für das BZÖ
Von einem sensationellen Ergebnis für das BZÖ sprach Spitzenkandidat Generalsekretär Gerald Grosz. Das Ergebnis - aus dem Stand auf knapp fünf Prozent - strafe alle Meinungsforscher Lügen und sei ein Beweis, dass das Bündnis Österreich am Leben sei und sich zu einer kräftigen Kontroll- und Oppositionspartei entwickle. "Ein Besen erobert die Stadt", so Grosz unter Bezugnahme auf die Kampagne "Wir säubern Graz."

Lopatka: Auch Abschneiden von Nagl "sensationell"
"Sensationell" sieht auch Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka das Abschneiden von Bürgermeister Siegfried Nagl: "Ich weiß, wie schwer es ist, nach einem zweistelligen Gewinn das Ergebnis zu halten und eventuell noch zuzulegen."

"Ich erinnere mich deutlich an unseren ersten Einzug in den Gemeinderat 1983. In einer ähnlich tollen Stimmung fühle ich mich jetzt, nur haben wir doppelt so viele Stimmen als zuletzt", sagte das Grüne Urgestein Peter Hagenauer. Dies sei "ein ganz starkes Signal, nachdem uns die halbe Welt plötzlich beobachtet hat." Nun heiße es "Rücker statt Winter, grün statt Braun".

ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon freute sich über einen "überzeugende Wahlerfolg für Siegfried Nagl und seinem Team" bei der Grazer Gemeinderatswahl. Er sieht in dem "sehr guten Ergebnis" der ÖVP in Graz "einen Beweis dafür, dass sich ehrliche Politik lohnt". Außerdem sei die Grazer ÖVP - anders als die SPÖ - "nicht betroffen von den gebrochenen Versprechen ihrer Bundespartei", befand Missethon in einer Aussendung.

Ernest Kaltenegger unzufrieden
Nicht zufrieden zeigte sich Ernest Kaltenegger, nicht zur Wahl stehende Galionsfigur der Kommunisten: "Das Ergebnis war allerdings zu erwarten, da wir in den vergangenen Jahren viele Erfolge hatten." Man werde sich auch in Zukunft engagiert für jene einsetzen, die man auch bisher vertreten habe, Arbeitende, sozial Schwache, Menschen mit Wohnproblemen. Mit Spitzenkandidatin und Wohnungsstadträtin Elke Kahr sah sich Kaltenegger einer Meinung: "Die KPÖ steht für Wohnungspolitik. Das Wohnressort steht nicht zur Disposition."

Van der Bellen erfreut über sensationellen Wahlsieg
Grünen-Bundeschef Alexander Van der Bellen freute sich über den "sensationellen Wahlsieg" der Grazer Grünen unter Lisa Rücker. Er sieht darin eine "eindrucksvolle Bestätigung" für deren konsequente Politik für Menschenrechte sowie Umwelt- und Klimaschutz. Besonders erfreulich sei, dass das kompromisslose Eintreten für Menschenrechte und gegen die "rechte Hetze" von den Grazern derart belohnt worden sei. Das sei eine "deutliche Absage an die Hetze gegen eine religiöse Minderheit", meinte Van der Bellen in einer Aussendung.

(apa/red)