Erste Lebenszeichen der Elite-Uni Gugging: Wissenschaftssymposium des Instituts I.S.T.

Inhaltliche Zukunftsschwerpunkte werden ausgelotet "Chance für österreichische Universitäten-Landschaft"

Erste Lebenszeichen der Elite-Uni Gugging: Wissenschaftssymposium des Instituts I.S.T. © Bild: APA/Pfarrhofer

Während am Campus noch die Baumaschinen werken und mit Spannung auf erste Personalentscheidungen für die geplante Elite-Uni in Maria Gugging (NÖ) gewartet wird, gibt das Institute of Science and Technology Austria (I.S.T. Austria) ein erstes wissenschaftliches Lebenszeichen von sich. Heute und morgen findet an der Universität Wien mit dem Symposium "Frontiers of Material Science" die erste wissenschaftliche Veranstaltung des I.S.T. Austria statt. "Wir wollen dabei ausloten, wo die ganz heißen Themen im Bereich Materialwissenschaften sind", sagte der Organisator der Tagung, Peter Fratzl.

Materialwissenschaften sind - neben Hirnforschung und Computerwissenschaften sowie Theoretische und Mathematische Biologie - einer der drei ersten inhaltlichen Schwerpunkte für das Institut. Für die Rekrutierung von Wissenschaftern in diesen Bereichen arbeiten bereits seit einigen Monaten Findungskommissionen - jener für Materialwissenschaften steht Fratzl vor. Der 49-jährige Physiker leitet seit 2003 die Abteilung "Biomaterialien" am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam.

Das Symposium sei aber kein Hearing für potenzielle Wissenschafter für I.S.T. Austria - auch wenn man interessante Leute eingeladen habe, "um das riesige Feld der Materialwissenschaften stärker zu fokussieren", betonte Fratzl. Dennoch wird auch die gesamte Findungskommission an der Tagung teilnehmen und bei den Kollegen wohl die Fühler ausstrecken - sei es um Bewerber abzuklopfen oder neue Namen zu hören.

Trend zur Nanotechnologie
Inhaltlich sieht Fratzl - ohne die Veranstaltung präjudizieren zu wollen - im Bereich Materialwissenschaften einen "klaren Trend" in Richtung Nanotechnologie sowie Interdisziplinarität mit Überlappungen etwa zur Biotechnologie oder Medizin. Die Materialwissenschaften in Österreich seien auf "sehr hohem Niveau", man bemühe sich aber bei der Themenauswahl für I.S.T. Austria "nicht das zu reproduzieren, was es ohnehin schon gibt in Österreich".

"Jahrhundertchance für österreichische Universitäten"
Allgemein zeigte sich Fratzl "sehr beeindruckt über die gute internationale Resonanz" auf die I.S.T. Austria-Pläne. Für ihn ist die Einrichtung "eine Jahrhundertchance für die österreichische Universitäts-Landschaft, auch wenn das nicht überall so wahrgenommen wird". Er erinnert an die Exzellenz-Initiative in Deutschland, wo vor allem jene Unis erfolgreich gewesen seien, die viele exzellente außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in ihrem Umfeld haben und mit diesen kooperieren.

Umgelegt auf Österreich müsste "das I.S.T. Austria - als Forschungsinstitut mit Exzellenzanspruch - für die Unis die Chance sein, sich selbst noch zu verstärken". Auch die Erfolgsstory der Molekularbiologie am Vienna Bio Center habe mit einem industrienahen Forschungsinstitut (dem Institut für molekulare Pathologie)begonnen, "das hat dann die ganze Uni auf diesem Gebiet dynamisiert und international sichtbar gemacht".

Gerade in einem kleinen Land wie Österreich müsse man "aufpassen, sich nicht mit Aktivitäten zu zersplittern, die nichts miteinander zu tun haben". Stärke und Sichtbarkeit komme zum Teil doch durch die Größe von Einrichtungen, weshalb die Vernetzung innerhalb Österreichs wichtig sei. Schließlich gebe es - für die Größe des Landes - relativ viele Forschungseinrichtungen. "Bündelung der Kräfte ist das einzige, was wirklich sichtbar macht", internationale Exzellenz lasse sich "nicht in jeder Landeshauptstadt verwirklichen".

(apa/red)