Erste Fotos der Inzest-Opfer öffentlich:
Neues Leben ohne Mediengetöse möglich?

Boulevardzeitung "Sun" zeigt Tochter von Josef F. Krasse Verletzung des Medienrechts befürchtet

Erste Fotos der Inzest-Opfer öffentlich:
Neues Leben ohne Mediengetöse möglich? © Bild: APA/Andreas Pessenlehner

Bisher hat es keine Fotos und keine Interviews mit den Opfern von Josef F. gegeben, der in Amstetten seine Tochter 24 Jahre in einem Keller gefangen gehalten, missbraucht und mit ihr sieben Kinder gezeugt haben soll. Die Familie wollte - teilweise mit einer neuen Identität ausgestattet - ohne Mediengetöse in ein neues Leben starten. Nun hat die britische Boulevardzeitung "The Sun" allerdings Fotos veröffentlicht, die die Tochter von Josef F. in Begleitung einer ihrer Töchter zeigen.

Die bereits am Montag erschienenen Fotos würden nach österreichischem Recht eine krasse Verletzung des Persönlichkeitsschutzes darstellen und wären klagbar. Da es im Urheberrechtsgesetz für den Schadenersatz nach einer verbotenen Veröffentlichung keine Obergrenze gibt, sondern sich dieser nach dem Marktwert der Fotos bemessen würde, hätte die Familie gute Chancen, mit Klagen gegen unzulässige Veröffentlichungen vorzugehen und diese einzudämmen: Experten gehen davon aus, dass in diesem Fall Rekordentschädigungen fällig wären, die selbst potente Medieninhaber finanziell schwer verkraften könnten.

Stellungnahme der Anwälte
Nun sind die Anwältin Eva Plaz und ihr Kollege Christoph Herbst mit einer Stellungnahme im Namen der betroffenen Familie an die Öffentlichkeit getreten, die die APA im vollständigen Wortlaut wiedergibt.

"Eva Plaz und Christoph Herbst teilen im Namen ihrer Mandantin und derer Kinder mit, dass die stattfindenden beharrlichen Versuche von MedienvertreterInnen, mit ihr und/oder ihren Kindern in Kontakt zu kommen, eine unzumutbare Beeinträchtigung ihres Lebens in Freiheit darstellen. Unsere Mandantin und ihre Kinder wünschen keinen Kontakt mit der Presse. Sie werden keine Interviews geben, sie haben keine Zustimmung zur Veröffentlichung von Bildern und/oder ihre Person betreffenden Inhalten erteilt und werden keine erteilen."

(apa/red)