Erste Bank nimmt Staatshilfe in Anspruch: Republik steigt mit 2,7 Milliarden Euro ein

Kredit wird frühestens in fünf Jahren zurückgezahlt<br>Banken-Chef Treichl: Erste "grundsolide aufgestellt" VIDEO-Analyse von NEWS-Experten Markus Leeb

Erste Bank nimmt Staatshilfe in Anspruch: Republik steigt mit 2,7 Milliarden Euro ein © Bild: APA/Fohringer

Die Erste Group hat sich die Staatshilfe aus dem österreichischen Banken-Hilfspaket gesichert. Der Staat beteiligt sich mit 2,7 Milliarden Euro an der Bank, hat aber kein Stimmrecht. Damit wird die Kernkapitalquote bis Jahresende auf über 10 Prozent steigen. Unterdessen geht SPÖ-Chef Faymann davon aus, dass weitere Banken dem Beispiel der Ersten folgen werden.

Die Erste Group verpflichtete sich zugleich, in den nächsten drei Jahren Kredite für heimische Firmen- sowie Privatkunden von jeweils mindestens 3 Mrd. Euro zu vergeben. Der Vorstand verzichtet nach eigenen Angaben von sich aus heuer auf Bonuszahlen. Das habe aber nichts mit dem jetzigen Schritt zu tun, betonte die Bank.

Erst Mittwochabend war nach heftigen Konflikten die Parteien-Einigung zum 100 Mrd. Euro schweren Banken-Hilfspaket gekommen. Mit 15 Mrd. Euro kann sich der Staat dabei über eine neue "Banken-ÖIAG" an Banken oder auch Versicherungen beteiligen.

Erste in starker Position
Anders als bei der von Verlusten bedrohten Kommunalkredit, für die eine staatliche Auffanghilfe gebastelt werden müsse, erfolge die Nutzung von Staatshilfe bei der Ersten aus einer starken Position heraus, aber der internationale Wettbewerb und neue internationale Kapitalziele zwängen sie dazu, hieß es.

Mit dem Zeichnen von Partizipationskapital der Bank über 2,7 Mrd. Euro erhält der Bund eine fixe Kuponverzinsung von 8 Prozent. Über die Bühne sein soll diese Maßnahme bis zum Jahresende. Am Aktienkapital ist der Bund bei der Erste Group damit nicht beteiligt.

Rückzahlung frühestens in fünf Jahren
Das PS-Kapital ist frühestens nach 5 Jahren zu 100 Prozent des Nominales rückzahlbar. Dieses PS-Kapital wird auch nicht an der Börse notieren, ist nicht mit Stimmrechten ausgestattet und auch nicht auf andere übertragbar.

Erste-Chef Treichl bezeichnete sein Haus als "grundsolide aufgestellt". Das laufende Jahr werde trotz der internationalen Finanzmarktkrise das beste in der Geschichte sein. Nach Bekanntgabe der Inanspruchnahme der Staatshilfe öffnete die Aktie der Erste Group, die wochenlang von täglich zweistelligen Kursverlusten gebeutelt war, um mehr als elf Prozent fester.

Molterer gegen "Zwangsbeglückung"
Beim Bankenhilfspaket ist offenbar keine akkordierte Vorgehensweise aller Banken angedacht. Finanzminister Wilhelm Molterer betonte, man werde nicht mit dem "Rasenmäher" vorgehen. Er sei gegen "Zwangsbeglückung", sagte Molterer vor Beginn der Koalitionsverhandlungen. SP-Chef Werner Faymann geht davon aus, dass auch andere Banken überlegen, dem Weg der Erste Bank zu folgen.

Welche die nächsten Banken sein würden, wollte Faymann nicht abschätzen, dafür sei er zu wenig "Insider". Es würde ihn aber nicht überraschen, wenn noch weitere Institute die Hilfe des Staates annehmen.

NEWS-Wirtschaftsexperte Markus Leeb über Banken im Wanken:

(apa/red)