Erste Anklage nach Bränden in Australien:
39-Jähriger legte Feuer in Heimatstadt

21 Menschen dort durch Flammen umgekommen Behörden: Opferzahlen könnten noch weiter steigen

Erste Anklage nach Bränden in Australien:
39-Jähriger legte Feuer in Heimatstadt © Bild: APA/EPA/Andrew Brownbill

Angesichts der Wut auf die mutmaßlichen Brandstifter in Australien hat die Polizei vor Lynchjustiz gewarnt. Während die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Verdächtigen erhob, riefen die Ermittler die Bevölkerung auf, von jeglichen Racheaktionen Abstand zu halten. Die Schäden durch die verheerenden Buschbrände im Südosten des Landes sind einer neuen Bilanz zufolge deutlich größer als bisher gedacht.

Der mutmaßliche Brandstifter wurde in seiner kleinen Heimatstadt im Bundesstaat Victoria festgenommen und zu seiner eigenen Sicherheit sofort nach Melbourne gebracht. Den Medien wurde strikt untersagt, Hinweise auf seine Identität zu veröffentlichen. Damit reagierte die Polizei auf Rufe nach Lynchjustiz. Mehrere Überlebende der Brände hatten öffentlichkeitswirksam im Fernsehen gefordert, die Brandstifter sollten an Pferden festgebunden und zerrissen oder mit Öl übergossen und verbrannt werden.

Der Festgenommene wird beschuldigt, östlich von Melbourne vorsätzlich oder fahrlässig einen Brand gelegt zu haben, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen. Außerdem fanden die Ermittler bei ihm Kinderpornografie. Für seine Tat drohen dem Mann bis zu 25 Jahre Haft. Australiens Regierungschef Kevin Rudd hatte kürzlich gefordert, die Brandstifter sollten "im Gefängnis verrotten".

Ermittler Dannye Moloney sprach von einer sehr aufgeheizten Situation. "Menschen zeigen mit dem Finger aufeinander, Menschen ziehen irgendwelche Schlussfolgerungen, Gerüchte wandern herum." Die Ermittlungen und die Strafverfolgung lägen aber bei der Polizei, betonte Moloney. Die australische Polizei hat wegen der Feuer die größten Brandstifter-Ermittlungen in der Geschichte des Landes begonnen. Unter anderem war offenbar der Brand gelegt worden, bei dem in der Stadt Marysville nordöstlich von Melbourne bis zu hundert Menschen getötet wurden.

Mehr als 180 Tote
Insgesamt starben bei den schweren Bränden am vergangenen Wochenende mehr als 180 Menschen. Der Katastrophenschutz veröffentlichte eine neue Schadensbilanz. Ihr zufolge wurden mehr als 1.800 Häuser zerstört, bisher hatte die Behörden von gut tausend Gebäuden gesprochen.

Die australische Hollywood-Schauspielerin Nicole Kidman und ihr Mann, Country-Sänger Keith Urban, spendeten einem Nothilfefonds des Roten Kreuzes 500.000 australische Dollar (rund 253.000 Euro) für die Opfer der Brände. Eine Rotkreuz-Sprecherin sagte, bisher seien fast 66 Millionen australische Dollar gespendet worden, weitere Millionensummen seien bereits zugesagt.

In Victoria wüteten noch rund 20 Brände. Eine Warnung vor Funkenflug für die Bewohner der Stadt Healesville wurde jedoch wieder heruntergestuft. Dennoch sollten die Bürger wachsam bleiben, mahnte die Feuerwehr.
(apa/red)