Erschütternde PIRLS-Studie: Jeder sechste heimische Volksschüler in der Risikogruppe

Kann nur unzureichend sinnerfassend lesen Meiste europäische Staaten mit besseren Werten

In Österreich kann jeder sechste Volksschüler der vierten Schulstufe nur unzureichend sinnerfassend lesen. Das zeigt die internationale Lese-Studie PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study). Insgesamt zählen in Österreich 16 Prozent der Volksschüler zur sogenannten "Risikogruppe" - sie erreichten bei PIRLS nur den niedrigsten Level (14 Prozent) bzw. nicht einmal diesen (zwei Prozent). Umgerechnet bedeutet das, dass rund 14.000 Kinder pro Jahr die Volksschule mit ernsthaften Leseproblemen verlassen. Die meisten anderen europäischen Staaten weisen einen geringeren Anteil an Risikoschülern auf.

Als "Risikoschüler" definieren die nationalen PIRLS-Koordinatoren um den Bildungswissenschafter Günter Haider jene Kinder, "die Mühe mit den einfachsten Leseaufgaben haben, und deren persönliche und schulische Entwicklung dadurch ernsthaft gefährdet ist". Am wenigsten solcher Schüler haben Hongkong (acht Prozent), die Niederlande (neun Prozent) sowie die kanadischen Provinzen Alberta, British Columbia und Ontario bzw. Russland, Luxemburg und der flämische Teil Belgiens (jeweils zehn bis elf Prozent). Auch Deutschland und Ungarn weisen mit je 14 Prozent einen etwas niedrigeren Anteil an schlechten Lesern auf. Umgekehrt kommen die USA und Bulgarien (je 18 Prozent) auf etwas höhere, Slowenien (25 Prozent) und die Slowakei (21 Prozent) auf wesentlich höhere Werte.

Am anderen Ende der Leistungsskala zeigt sich, dass es in Österreich relativ wenige Spitzenleser gibt. Nur acht Prozent der österreichischen Volksschüler erreichten bei PIRLS die höchste Lese-Kompetenzstufe. Die meisten Spitzenleser haben Singapur, Russland und die kanadische Provinz Alberta (zwischen 17 und 19 Prozent). Für die nationalen PIRLS-Koordinatoren ist dies ein "Hinweis auf eine wenig effiziente Förderung besonders begabter junger Leser/innen". (apa/red)