Eröffnung des Forum Alpbach: Ökonomen bevorzugen "Freiheit" vor "Sicherheit"

Neoliberale Stimmen zu Beginn der Reformgespräche

Das Spannungsfeld zwischen (wirtschaftlicher) Freiheit auf der einen Seite und sozialer und existenzieller Sicherheit andererseits hat am Montagnachmittag die Diskussionen bei der Eröffnungsveranstaltung der Alpbacher Reformgespräche bestimmt. Der Tenor der ersten drei Hauptreferenten, allesamt Ökonomen der liberalen Schule: In Westeuropa wird den Sicherheitsbedürfnissen der Menschen ein zu hoher Stellenwert eingeräumt, mehr Unsicherheit ("unternehmerische Freiheit) bzw. Freiheit des Individuums seien nötig.

Ängste um die eigene physische Existenz oder die politische Freiheit seien nicht wirklich begründet, meinte der tschechische Präsident Vaclav Klaus, ein gelernter Ökonom, der früher als Regierungspolitiker für Marktwirtschaft ohne das zusätzliche Attribut "sozial" eingetreten ist. Das Thema der Veranstaltung mute "katastrophisch" an. Was das politische System angehe, werde die existenzielle Gefährdung der westlichen Demokratien durch den islamistischen Terror überschätzt. Eine andere Entwicklung werde dagegen bagatellisiert - nämlich die "Postdemokratie" bzw. der "Europäismus". Letzterer schaffe freiheitsfeindliche bürokratische Strukturen und zerstöre "den Staat, die unersetzliche Basis der Demokratie".

Die Sorge um den Arbeitsplatz ließ Klaus nur als "Angst um den wirtschaftlichen Liberalismus" gelten: sei nämlich dieser bedroht, dann können wir Angst um die Arbeitsplätze haben, sonst nicht, so Klaus. Das "Gespenst" der zu Ende gehenden Rohstoffe sei älter als der Kommunismus und "überzeugend widerlegt".

Ins gleiche Horn stieß Thomas Held, Chef des arbeitgebernahen Schweizer Think Tanks Avenir Suisse. Die Idee vollkommener Gewissheit und Sicherheit sei eine letztlich religiöse Vorstellung und gehöre einer vormodernen Welt an, erklärte er. Der in Frankreich im heurigen Frühjahr ausgebrochene Jugendaufstand gegen den so genannten "Erstanstellungsvertrag" zeige, "dass es eine generalisierte Forderung nach einer sicheren Rente gibt", die "Vorstellung von einer Schlaraffenlandökonomie". Mit einer solchen Haltung könne Westeuropa seine ökonomische Zukunft nicht absichern. (apa/red)