"Ernüchternde" Beratung in den Reisebüros:
AKNÖ mit 30 Anbietern auf dem Prüfstand

Nur ein Reisebüro schnitt mit Wertung "Sehr gut" ab AKNÖ-Präsident fordert bessere Personal-Ausbildung

Ein "ernüchterndes" Ergebnis hat ein Test von 30 Reisebüros hinsichtlich Kundenfreundlichkeit, Beratungsqualität und Kompetenz abgeliefert. Wie die NÖ Arbeiterkammer (AKNÖ) in einer Aussendung am Freitag mitteilte, erhielt nur eine Einrichtung die Note "sehr gut". Präsident Josef Staudinger ortete Handlungsbedarf, vor allem bei den Geschäftsführern und Eigentümern.

Die AKNÖ-Konsumentenschützer haben überprüft, wie es um die Qualität der Beratung in Reisebüros bestellt ist. Als "mystery shopper" interessierten sie sich für eine Reise nach Indien. 30 niederösterreichische Reisebüros sollten dabei ihre Kompetenz unter Beweis stellen. "Das Ergebnis ist ernüchternd. Nur eines erhielt ein Sehr gut", berichtet AKNÖ-Präsident Josef Staudinger und ortet Handlungsbedarf - vor allem bei den Geschäftsführern und Eigentümern der Reisebüros.

Der Test im Detail
Zwei Frauen betreten ein Reisebüro und wollen für Juni eine Rundreise durch Indien buchen. Sie haben vor, den Süden des Landes zu besichtigen und einen Ausflug nach Kaschmir in den Norden zu unternehmen. "So sind wir in allen 30 Reisebüros aufgetreten. Und nur in einem einzigen wurden wir darüber informiert, dass für Kaschmir eine partielle Reisewarnung des Außenministeriums vorliegt. Zwei waren sich nicht sicher. Alle anderen hätten uns fahren lassen", berichtet Renate Schiller von ihrer Tour als "mystery shopper". Dass in Kaschmir politische Unruhen herrschen, ist bisher an der Reisebranche vorbei gegangen. Auch um die Geografiekenntnisse der MitarbeiterInnen ist es nicht immer gut bestellt. "Dass im Juni im Süden Indiens Regenzeit ist, war weitgehend unbekannt. Erst als die Berater im Katalog keine Angebote für diese Zeit gefunden haben, wurden sie stutzig", sagt AKNÖ-Konsuemtenberaterin Dr. Eva Schreiber.

Keine einheitliche Informationsplattform
Den Testerinnen fiel auf, dass es keine einheitliche Informations-plattform für Reisebüro-MitarbeiterInnen im Internet gibt. "Die Beschäftigten müssen sich das genauso zusammen suchen wie jeder Normalsterbliche. Dabei wäre es eine Voraussetzung für kompetente Beratung, auf einen Blick zu sehen, hier ist zu dieser Zeit Regenzeit, es gibt eine Reisewarnung für Kaschmir, etc", so Schiller. Auch mit den gedruckten Informationsmaterialien ist man nicht immer auf du und du. "Ich hasse diesen Katalog, da find ich überhaupt nichts", beschwerte sich eine Beraterin. "Wie geht es dann erst den Konsumenten, wenn die Berater schon stöhnen", dachten sich Schiller und Schreiber.

Mitarbeiter verdienen bessere Schulung
Von den 30 getesteten Reisebüros schnitt nur eines mit Sehr gut ab, eines mit Gut, vier bekamen ein Zufriedenstellend, 14 erreichten ein "Wenig Zufriedenstellend" und 10 "fielen" durch. Die Wirtschafts-kammer wurde über die Testergebnisse informiert. "Beratung ist das Argument für Buchungen im Reisebüro statt im Supermarkt. Wenn die Qualität jedoch wenig zufriedenstellend ist, fällt dieses Argument weg, zumal das Reisebüro für die Vermittlung Provision erhält - diese könnte man sich sparen", sagt AKNÖ-Präsident Josef Staudinger und meint weiter: "Was ich nicht möchte, ist, hier den Beschäftigten den Schwarzen Peter zuzuspielen. Es liegt auf der Hand, dass sie zu wenig Schulung und Ausbildung genießen und das ist Sache der Eigentümer und Geschäftsführer der Reisebüros." (APA/red)