Ernst Strasser von

Angst, "dass er abgehört wird"

Prozess mit weiteren Zeugenbefragungen. Beleuchtung der Geheimdienst-These.

Ernst Strasser vor Gericht © Bild: APA/EPA

Mit Zeugenbefragungen ist im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen Ernst Strasser fortgesetzt worden. Der Schöffensenat (Vorsitz: Georg Olschak) hatte auf Antrag des Verteidigers Thomas Kralik zu überprüfen, ob der ehemalige Innenminister und EU-Delegationsleiter der ÖVP tatsächlich davon ausgehen konnte, dass ein Geheimdienst Agenten auf ihn angesetzt hatte.

Strasser behauptet bekanntlich, er habe sich nur deshalb auf Gespräche mit zwei als Lobbyisten getarnten britischen Aufdeckungsjournalisten eingelassen, weil er diese für Geheimdienst-Leute gehalten habe und sie bzw. ihre Auftraggeber aufdecken wollte. Die Anklage legt ihm zur Last, den vermeintlichen Lobbyisten gegen ein jährliches Honorar von 100.000 Euro seine Einflussnahme auf die EU-Gesetzgebung angeboten zu haben.

Ein junger Mann, der Anfang 2010 drei Monate lang in Strassers Brüsseler Büro als Praktikant gearbeitet hatte, erklärte, dieser habe "in der zweiten Märzhälfte" in einer Sitzung mit seinen Assistenten und Praktikanten vor einem Geheimdienst gewarnt. Die Information sei "sehr allgemein gehalten" gewesen, Strasser habe ersucht, "dass Vorsichtigkeit gehalten werden soll". Er habe sich "nicht weiter darüber Gedanken gemacht", sagte der Zeuge.

Ob Strasser einen konkreten Geheimdienst erwähnt hatte, wisse er nicht mehr: "Die Funktion des Praktikanten ist eher passiv."

Strasser hatte Angst, "dass er abgehört wird"

Der Unternehmens- und Steuerberater Thomas Havranek, der eigenen Angaben zufolge mit Ernst Strasser befreundet ist und diesen im Zeugenstand als "meinen Mentor" bezeichnete, erklärte, der Angeklagte wäre zwei Mal mit der Frage an ihn herangetreten, "ob es möglich wäre, dass meine Büros abgehört werden". Erstmals habe Strasser 2009 davon gesprochen, das überprüfen zu lassen, im Herbst 2010 sogar einen Kostenvoranschlag erstellen lassen.

"Er hat gesagt, er befürchtet, dass er abgehört wird", erinnerte sich Havranek. Strasser sei "offensichtlich davon ausgegangen, dass jemand an ihm interessiert ist". Konkreten Verdacht bzw. einen Geheimdienst habe er aber nicht genannt.

Auch die Agentur Bergman & Lynch hatte der Ex-Innenminister laut Havranek nicht in Verbindung mit einem womöglich auf ihn angesetzten Nachrichtendienst gebracht. Die vorgebliche, in Wahrheit nicht existente Lobbying-Agentur hatten die beiden britischen Enthüllungsjournalisten, denen Strasser auf den Leim ging, diesem gegenüber als ihren Arbeitgeber deklariert.

Wie Havranek darlegte, habe ihn sein Freund um eine Recherche gebeten, was es mit Bergman & Lynch auf sich haben könne, nachdem die Agentur erstmals per Email an Strassers Büro herangetreten war.

Firma "nicht ganz koscher"

Nach ersten Prüfungen habe er den Eindruck gewonnen, die Firma sei "nicht ganz koscher", gab Havranek zu Protokoll. Er habe daraufhin eine Bekannte in London gebeten, sich näher für die Agentur zu interessieren. Ergebnis: "Man hat von der Firma nix gehört. Ich habe ihm (Strasser, Anm.) gesagt, dass ich zu der Firma nix gefunden habe."

Kommentare

Immer wieder A... das Mekka der Geheimdienste, sogar des iranischen. Was es nicht alles gibt in Ländern mit einer unbrauchbaren und unbeholfenen Regierung.

Ignaz-Kutschnberger

Ernstl ...toi toi toi !!

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