Erneuter Anlauf zur Einigung Zyperns:
Heute Treffen zwischen Christofias und Talat

'Neues Scheitern hätte katastrophale Folgen für alle' Gespräche finden im Sitz der Vereinten Nationen statt

Erneuter Anlauf zur Einigung Zyperns:
Heute Treffen zwischen Christofias und Talat © Bild: Reuters/Roge

Zyperns neuer Präsident Demetris Christofias trifft heute mit dem Führer der türkischen Volksgruppe, Mehmet Ali Talat, zusammen, um zu sondieren, wie die Gespräche der griechischen und türkischen Bevölkerungsteile zur Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel wieder in Gang gesetzt werden können. "Diesmal müssen wir erfolgreich sein. Ein neues Scheitern würde katastrophale Folgen für uns alle haben", warnte Christofias auf einer Pressekonferenz in Nikosia.

Die Führer der griechischen und der türkischen Volksgruppe Zyperns, Dimitris Christofias und Mehmet Ali Talat, sind zu einem Treffen in Nikosia zusammenkommen. Sie wollen sondieren, wie die Gespräche zur Überwindung der Teilung der Mittelmeerinsel wieder beginnen können. Das Treffen findet am Sitz des Vertreters der Vereinten Nationen, Michael Moller, im alten, seit 1974 geschlossenen Flughafen von Nikosia statt, wie das zypriotische Fernsehen (RIK) berichtete. Zunächst wollten die beiden Politiker sich unter vier Augen treffen. Dann sollte auch Moller hinzukommen.

Christofias als Hoffnungsträger
Der Reformkommunist Christofias, der am 24. Februar die Präsidentenwahl in Zypern gewonnen hatte, ist auch bei den türkischen Zyprioten populär und gilt als Hoffnungsträger für eine baldige Überwindung der Teilung. Während der Amtszeit seines Vorgängers Tassos Papadopoulos waren die Zyperngespräche ins Stocken geraten.

Christofias zeigte sich vor Beginn der Gespräche betont optimistisch. Er hoffe auf einen Beschluss zur Öffnung der Ledra-Straße in der Altstadt von Nikosia, sagte Christofias. Ein solcher Schritt hätte erhebliche symbolische Bedeutung. Die Ledra-Straße ist eine zentrale Fußgängerzone, die an der "Grünen Linie" zum türkisch-zyprischen Teil von Nikosia abrupt endet.

Plassnik begrüßt Neustart der Gespräche
Außenministerin Ursula Plassnik hat das Treffen zwischen Präsident Christofias und Talat begrüßt. "Ich hoffe auf ein erfolgreiches erstes Treffen. Beide Seiten müssen die Chance, einen tief greifenden Friedensprozess in Gang zu setzen, verantwortungsvoll nutzen", erklärte Plassnik in einer Aussendung.

Die bisherigen Signale seien ermutigend. Beide Seiten zeigten die Bereitschaft, ernsthaft aufeinander zuzugehen und einen echten Dialog anzustreben. "Damit am Ende verwirklicht werden kann, was 2004 nicht gelang: eine nachhaltige Lösung, die von beiden Volksgruppen gleichermaßen als fair und gerecht angesehen wird und die Zustimmung sowohl der türkischen als auch griechischen Zyprioten findet", so die Außenministerin.

EU-Regelwerk nur für Süden
Das seit 1974 geteilte Zypern gehört seit 2004 zur Europäischen Union. Das EU-Regelwerk gilt allerdings nur im griechischen Süden der Inselrepublik. Im Norden liegt die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Die griechischen Zyprioten lehnten kurz vor dem EU-Beitritt bei einer Volksabstimmung einen Wiedervereinigungsplan von UNO-Generalsekretär Kofi Annan mit großer Mehrheit. (apa/red)