Erneut Festnahmen nach kleinen Demos in Burma: UN-Sondergesandter nun eingetroffen

Militär-Junta erklärte Proteste zuvor für gescheitert Offiziell neun Tote - tatsächliche Opferzahl unbekannt

Erneut Festnahmen nach kleinen Demos in Burma: UN-Sondergesandter nun eingetroffen

Nach fast zweiwöchigen Protesten in Burma (Myanmar) herrscht im Zentrum der Hauptstadt Rangun weitgehend gespannte Ruhe. Eine Gruppe von etwa hundert Demonstranten, die sich trotz der starken Militärpräsenz auf die Straße wagte, wurde nach Augenzeugenberichten niedergeknüppelt. Erst als Ibrahim Gambari, der Sondergesandte der Vereinten Nationen, schließlich gegen 13 Uhr MESZ in Rangun eintraf, demonstrierten laut Berichten der BBC bis zu tausend Menschen. Anschließend hätte sich die Straßen laut Augenzeugen rasch wieder geleert. Mehrere tausend Menschen demonstrierten ungestört in Pakokku, etwa 500 Kilometer weiter nördlich.

UN-Vermittler Gambari soll sich in Burma um eine Entschärfung der Lage bemühen. Neben Gesprächen mit Vertretern der herrschenden Militärjunta wollte Gambari auch Religionsführer und Oppositionelle treffen. Vom Flughafen Rangun fuhr er direkt weiter in die 300 Kilometer nördlich gelegene Stadt Naypyidaw, die von der Junta zum neuen Regierungssitz erklärt worden ist. Vor dem Hotel, in dem Gambari erwartet wurde, gingen Sicherheitskräfte unterdessen gegen etwa 40 Demonstranten vor. Nach Augenzeugenberichten wurden die Menschen von Soldaten eingekreist und dann in Lastwagen weggebracht.

Dagegen blieben die Proteste von Tausenden Menschen in Pakokku unter Führung von etwa tausend Mönchen Augenzeugen zufolge ungestört. Die Behörden sollen ihnen die Kundgebung erlaubt haben, wenn sie friedlich bleibe. Laut dem in Oslo ansässigen Oppositionssender Democratic Voice of Burma habe es keinerlei Berichte über Schusswaffengebrauch des Militärs wie in den Vortagen gegeben. Die Soldaten seien zur Zurückhaltung aufgefordert worden, berief der Sender sich auf den staatlichen burmesischen Rundfunk.

Nach dem gewaltsamen Vorgehen der Soldaten in den vergangenen Tagen war die Protestbewegung bereits am Freitag spürbar abgeflaut. Zahlreiche Soldaten wurden unter anderem zur Sule-Pagode in Rangun entsandt, wo die Protestmärsche ihren Anfang genommen hatten. In der Innenstadt blieben Märkte und Internet-Cafes geschlossen; die einzige Internet-Leitung des Landes blieb gekappt.

Die internationale Gemeinschaft erhöhte ihren diplomatischen Druck, um der Gewalt ein Ende zu bereiten. Die USA verhängten Einreiseverbote über fast 40 Führungsmitglieder der Junta und ihre Familienangehörigen. Auch China, der wichtigste Verbündete der Machthaber in Burma, drängte die Militärs zu friedlichen Lösungen. Eine Vertreterin von EU-Chefdiplomat Javier Solana bestellte den burmesischen Geschäftsträger in Brüssel ein und drohte mit einer Verschärfung der EU-Sanktionen.

Die Regierung in Tokio verurteilte die Erschießung des japanischen Videojournalisten Kenji Nagai in Burma und forderte eine Aufklärung des Vorfalles. Außenminister Masahiko Komura protestierte bei einem Treffen mit seinem burmesischen Amtskollegen Nyan Win am UN-Hauptquartier in New York scharf. "So weit wir nach Medienberichten sagen können, wurde er aus kürzester Entfernung erschossen und wurde von keinen Querschlägern getroffen", sagte Komura laut japanischen Medien.

Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) warnte, wegen der derzeitigen Krise in dem verarmten südostasiatischen Land könnten die Nahrungsmittel nicht wie gewohnt an Notleidende verteilt werden. Die burmesischen Behörden hätten sämtliche Lebensmittellieferungen aus der zweitgrößten Stadt Mandalay gestoppt, auch die Nahrungsmittelversorgung in Sittwe, 560 Kilometer westlich von Rangun, laufe nur schleppend, sagte WFP-Direktorin Josette Sheeran in New York. Sie rief die Behörden auf, "Zugang in alle Teile des Landes zu gewähren".

(apa/red)