Erich Haider - Vom Sieger zum Verlierer: Kurzes Porträt des roten Spitzenkandidaten

Wenig Charisma, aber gutes Gespür für Themen

Erich Haider - Vom Sieger zum Verlierer: Kurzes Porträt des roten Spitzenkandidaten © Bild: APA/Brandstätter

Der "rote Haider" ist vom glorreichen Sieger zum Verlierer geworden. Hatte der SPÖ-Spitzenkandidat Erich Haider bei der Landtagswahl 2003 noch mehr als elf Prozentpunkte zulegen können und die ÖVP das Fürchten lehren, musste die SPÖ diesmal ordentlich Federn lassen. Die Sozialdemokraten sind laut Hochrechnungen mit einem Minus von 12 deutlich auf unter 30 Prozent (26,1 Prozent) abgesackt.

Charisma ist Haiders Stärke nicht, aber dem SP-Chef in Oberösterreich wurde - zumindest bisher - ein Gespür für Themen, die die Menschen bewegen, nachgesagt. Das brachte ihm aber auch den Ruf ein, ein Populist zu sein. Im Land macht er der ÖVP seit Jahren das Leben schwer. Möglicherweise wird sie ihn nach den roten Gremiensitzung am Montag nun loswerden.

Sein Leben
Geprägt ist Haider von seiner Abstammung aus bescheidenen Verhältnissen. Dass er ins Gymnasium gehen durfte, galt als Privileg. Dafür musste er täglich um fünf Uhr aufstehen. Er hat sich immer als ein Kämpfer für die Kleinen positioniert. "Sozial, sicher, gerecht" ist sein Motto.

Die Schwarz-Blaue- und später Schwarz-Orange-Koalition war ihm ein guter Reibebaum. So trat er als vehementer Kritiker der Voestalpine-Privatisierung und des "Ausverkaufs" von anderen Staatsbetrieben sowie einer "Zusperrwelle" bei Bezirksgerichten, Postämtern, Gendarmerieposten und Krankenhäusern auf und initiierte ein Volksbegehren gegen die Pensionsreform, die er "Pensionsraub" nannte. Das brachte der SPÖ in Oberösterreich 2003 wieder in die politische Gewinnzone, hat diesmal aber nicht gegriffen. Denn es fehlte der Wahlschlager Voest, und auch die Bundesregierung bot mit einem roten Kanzler keine Angriffsfläche.

Auch wenn Haider auch bei der eigenen Partei nicht zimperlich ist. Im Bundesparteivorstand stimmte er gegen die Bildung der Rot-Schwarzen Koalition nach der Wahl 2006. Er beharrte auf der Einhaltung von Wahlversprechen, beispielsweise Ausstieg aus dem Eurofightervertrag, Abschaffung der Studiengebühren sowie Steuerreform und forderte als erster SP-Spitzenpolitiker eine Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag. Bei der Neuauflage der Koalition unter Werner Faymann und Josef Pröll wurde er schon als Minister gehandelt, lehnte aber ab.

Haider ist verheiratet mit Maria Theresia, einer Volksschullehrerin, und zweifacher Vater. Tochter Verena ist mit 25 Jahren bereits Tierärztin, Sohn Erich Patrick ist zehn Jahre alt und geht seit Herbst ins Gymnasium.

Seine Karriere
Seine politische Laufbahn startete der als Sohn eines Bauarbeiters am 13. Jänner 1957 in Ried in der Riedmark geboren Haider 1977 als Organisationsreferent der SPÖ Oberösterreich. 1983 wurde er SPÖ-Bezirksparteisekretär in Linz und zwei Jahre später Gemeinderat. Im Herbst 1993 wurde Haider in den Linzer Stadtsenat gewählt, wo er unter anderem für den Umweltschutz zuständig war. Im Februar 1997 wurde Haider als Mitglied der oberösterreichischen Landesregierung angelobt, er trat an den Platz von Barbara Prammer, die damals die Funktion der Frauenministerin übernahm.

Im Juni 1998 folgte er Fritz Hochmair als SPÖ-Chef in Oberösterreich nach, am 11. Mai 2000 auch als Landeshauptmann-Stellvertreter. Der SPÖ-Chef ist leidenschaftlicher Tarockierer, er spielt Tennis und joggt regelmäßig. Er schwört auf Hausmannskost.

(apa/red)

Kommentare

Die Worte von Sinowatz \"ohne Partei bin ich nichts\" gilt auch für andere In Deutschland sind die Leute der SPD konsequent; dort treten sie bei einem Verlust an Stimmen, der kleiner ist als in Oberösterreich, zurück. Bei uns kleben die Leute, die wie Sinowatz "ohne Partei nichts sind" wie mit einem Sekundenkleber befestigt an ihren Sesseln. ohne sich im Mindesten zu genieren.
Man soll eben Leute, die ohne Partei nichts sind, nicht für hohe Parteifunktionen auswählen.

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